Der Kurseinbruch war heftig — über 20 Prozent im vorbörslichen Handel. Was folgte, war eine intensive Diskussion darüber, ob Zscaler gerade seine Erwartungen bereinigt oder ob die Wachstumsstory strukturell ins Wanken geraten ist.
Starke Zahlen, unbequemer Ausblick
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 lief es operativ gut. Der Umsatz kletterte auf 850,5 Millionen Dollar — ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, über der eigenen Prognose. Das bereinigte Ergebnis je Aktie von 1,08 Dollar übertraf den Konsens. Auch der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) wuchs um 25 Prozent auf 3,53 Milliarden Dollar.
Was die Märkte kalt erwischte, war die deutliche Kürzung der Free-Cash-Flow-Marge für das Gesamtjahr. Statt der zuvor genannten 26,5 bis 27 Prozent rechnet das Unternehmen nun mit 22,8 bis 23,3 Prozent. Hintergrund: steigende Investitionsausgaben im hohen einstelligen Prozentbereich des Umsatzes, weil das Unternehmen Speicher-, Prozessor- und Storage-Kapazitäten frühzeitig einkauft, um sich gegen erwartete Preisanstiege abzusichern.
Hinzu kommt der vorläufige Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027: ARR- und Umsatzwachstum von nur 16 bis 17 Prozent — deutlich unter den bislang erwarteten über 20 Prozent. Das Management begründete die Zurückhaltung mit dem Abgang zweier führender Vertriebsmanager, der kurzfristig für Unsicherheit im Marktauftritt sorgen könnte.
Was Analysten daraus machen
Das Analystenbild ist gespalten. Die Kursziele reichen von 145 bis 200 Dollar — eine Spanne, die die unterschiedliche Einschätzung zur Wachstumsdynamik ab 2027 widerspiegelt.
RBC Capital hält am Outperform-Rating fest, kürzte das Ziel auf 200 Dollar und sieht die konservative Guidance als nach oben verzerrt an — unter anderem wegen möglicher Rückenwind-Effekte aus dem Mythos-Programm. Mizuho bleibt ebenfalls bei Outperform, senkte das Ziel auf 185 Dollar und verweist auf die weiterhin starke Positionierung im SASE- und Zero-Trust-Segment. Jefferies wertet den FY27-Ausblick als nötigen und erreichbaren Reset — und erhöhte seine EPS-Schätzung für 2026 auf 4,12 Dollar. Macquarie zeigte sich zurückhaltender und verwies auf Bewertungsrisiken, während Morgan Stanley und Evercore ISI vorsichtiger wurden: Morgan Stanley hält an Equalweight mit einem Ziel von 145 Dollar fest, Evercore ISI stufte auf In Line herunter, Kursziel 155 Dollar.
Z-Flex als Lichtblick, KI als Argument
Inmitten der Unsicherheit gibt es Signale, die Optimisten anführen. Das flexible Kaufprogramm Z-Flex erreichte im dritten Quartal einen Gesamtauftragswert von 480 Millionen Dollar — ein Anstieg von über 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das entspricht rund 38 Prozent der RPO-Buchungen und zeigt, dass Kunden die neue Kaufstruktur annehmen.
CEO Jay Chaudhry positioniert Zscaler als Plattform für das KI-Zeitalter: Partnerschaften mit Anthropic und OpenAI, die Einführung der Plattform Project AI-Guardian sowie die angekündigte Übernahme von Symmetry Systems für 175 Millionen Dollar sollen langfristig Wachstumsimpulse liefern. Red Canary zählt ebenfalls zu den kürzlich vollzogenen Akquisitionen, die Jefferies als strategische Hebel für die Zeit nach dem Vertriebsumbau betrachtet.
Für das vierte Quartal 2026 erwartet Zscaler einen Umsatz zwischen 875 und 878 Millionen Dollar bei einem bereinigten EPS von 1,08 bis 1,09 Dollar. Der Jahresumsatz soll bei rund 3,33 Milliarden Dollar landen — knapp über dem bisherigen Konsens. Der eigentliche Test kommt im Herbst: Gelingt es dem Unternehmen, nach dem Vertriebsumbau wieder Fahrt aufzunehmen, wird sich zeigen, ob der 16-bis-17-Prozent-Ausblick für 2027 tatsächlich nur die Untergrenze war.
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