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Zinsdivergenz am Hormus: Warum Warsh schärfer bremst als Lagarde

Geopolitische Spannungen und divergierende Notenbankpolitik prägen die Märkte. Der US-CPI-Bericht wird zum Richtungsweiser für die Zinserwartungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • DAX fällt nach Iran-Angriff deutlich
  • Fed signalisiert strafferen Zinskurs
  • SK Hynix startet Rekord-Börsengang
  • Rüstungswerte erhalten Kaufempfehlungen

Zinsdivergenz am Hormus: Warum Warsh schärfer bremst als Lagarde

Liebe Leserinnen und Leser,

vier Handelstage, zwei Schockwellen, eine Erkenntnis: Wer Geopolitik, Zinspfad und den KI-Kapitalzyklus getrennt betrachtet, versteht diese Woche nicht. Am Montag markierte der DAX mit rund 25.900 Punkten noch ein Allzeithoch. Am Mittwoch lag er nach dem iranischen Angriff auf Tanker in der Straße von Hormus bei 24.897 Punkten – ein Einbruch um 2,23 Prozent binnen eines Handelstages. Dazwischen liegt die Geschichte einer Woche, die zeigt, wie eng eng geopolitisches Risiko und Notenbankpolitik inzwischen verzahnt sind.

Die Hormus-Eskalation und ihre Kursspur. Der Dienstag brachte mit -1,37 Prozent auf 25.465 Punkte bereits eine erste Verschnaufpause – ausgelöst durch Gewinnmitnahmen bei KI-Werten und einen Kursrutsch bei Samsung um 10 Prozent. Der eigentliche Bruch kam am Mittwoch: Nachdem Iran Tanker in der Straße von Hormus angegriffen hatte, erklärte US-Präsident Trump die Waffenruhe für beendet, die USA widerriefen die Sanktionsausnahme für iranisches Öl. Der DAX brach um 2,23 Prozent ein, der MDax verlor 3,4 Prozent, Brent-Rohöl schoss zeitweise über 80 Dollar (+5,2 Prozent auf rund 78 Dollar). Die Verlierer waren erwartbar: Immobilienwerte wie Vonovia, TAG Immobilien, LEG und Aroundtown gaben fünf bis acht Prozent nach, Lufthansa brach nach einer Citigroup-Abstufung um über sechs Prozent ein, Grenke litt unter einer S&P-Ausblickssenkung auf „negativ“. Am Donnerstag folgten neue US-Angriffe auf rund 90 iranische Ziele und iranische Gegenschläge auf US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait – die Märkte zuckten kaum noch, der DAX pendelte sich knapp unter 25.000 Punkten ein. Am Freitag beruhigten Berichte über fortgesetzte „technische Gespräche“ die Lage weiter: Brent notierte bei 76 bis 77 Dollar, europäisches Gas gab nach dem anfänglichen Sprung sogar 2,3 Prozent nach, weil LNG-Tanker die Straße von Hormus weiterhin passieren.

Für Anleger heißt das: Die Absicherung gegen neue Eskalationsstufen läuft nicht über Cash, sondern über die richtigen Sektoren. Energiewerte wie RWE und Eon sowie Rüstungstitel bleiben die natürlichen Gegenpositionen, während zinssensible Immobilien- und Fluglinienwerte bei jedem Rückschlag überproportional bluten.

Warsh schlägt schärfer zu als Lagarde. Während der Ölpreis die Schlagzeilen dominierte, vollzog sich im Hintergrund eine Divergenz, die für die kommenden Monate wichtiger sein dürfte als jede einzelne Iran-Meldung: Die EZB und die Fed bewegen sich in dieselbe restriktive Richtung, aber mit unterschiedlichem Tempo – und aus unterschiedlichen Gründen.

Die EZB hatte ihren Leitzins bereits am 10./11. Juni um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent angehoben. Die am Donnerstag veröffentlichten Sitzungsprotokolle stellen klar: Das war „keine Versicherung“, sondern eine Reaktion auf den anhaltenden Energieschock – Zweitrundeneffekte gelten als „klare Möglichkeit“. Bei einer Mai-Inflation von 3,2 Prozent (Kernrate 2,5 Prozent) preisen die Märkte inzwischen drei Zinserhöhungen für 2026 ein, der Analystenkonsens liegt bei zwei, die Wahrscheinlichkeit einer dritten Anhebung bis Jahresende bei 84 Prozent. EZB-Präsidentin Lagarde verteidigte beim Sintra-Forum am 1. Juli den Juni-Schritt und plädierte für „Framework Guidance“ statt klassischer Forward Guidance – ein Eingeständnis, dass die Notenbank sich in dieser Unsicherheit nicht mehr auf feste Pfade festlegen will. BNP Paribas erwartet trotz etwas ausgeglicheneren Inflationsrisiken eine weitere Anhebung im September. Parallel schrumpft die Bilanz: Im zweiten Quartal wurden QE-Bestände um 149 Milliarden Euro abgebaut, seit Mitte 2022 kumuliert um 52 Prozent auf 3,47 Billionen Euro, während die Goldreserven um 160 Milliarden Euro abgeschrieben wurden.

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Die Zinsdivergenz zwischen EZB und Fed macht deutlich: Wer weiterhin auf klassisches Tagesgeld oder Anleihen setzt, verliert real an Kaufkraft, während die Notenbanken ihre Bilanzen straffen. Der kostenlose Report „Die Zinsillusion platzt“ zeigt, welche Anlagealternativen jetzt als Inflationsschutz taugen und wie Dividenden die neue Zinsquelle werden können. Kostenlosen Zins-Report sichern

In den USA fällt der Kurswechsel deutlich schärfer aus. Fed-Chef Kevin Warsh, seit 22. Mai im Amt, führt eine Notenbank, deren am Mittwoch veröffentlichte Protokolle der Sitzung vom 16./17. Juni eine bemerkenswerte Zahl offenlegen: 9 von 18 FOMC-Mitgliedern erwarten mindestens eine Zinserhöhung bis Jahresende, sechs davon sogar zwei. Die PCE-Inflationsprognose für 2026 wurde von 2,7 auf 3,6 Prozent angehoben – während die tatsächliche Mai-PCE-Rate mit 4,1 Prozent den höchsten Wert seit April 2023 markierte. Das CME FedWatch Tool hat die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September binnen einer Woche von 54 auf 63 bis 64 Prozent hochgeschraubt.

Für Anleger bedeutet diese Divergenz zweierlei: Höhere Bund-Renditen und ein „higher for longer“-Szenario bleiben das Basisszenario diesseits des Atlantiks, aber die US-Zinspfad-Unsicherheit ist die größere. Bankaktien profitieren beidseits von der Zinsmarge, wachstumssensible Sektoren wie Immobilien und Autos bekommen zusätzlichen Gegenwind. Richtungsweisend für die nächste Wegmarke wird der US-CPI-Bericht am Dienstag, 14. Juli.

SK Hynix als Belastungstest für die KI-Story. Der südkoreanische Speicherchip-Riese hat seine ADRs am Donnerstag bei 149 Dollar pro Stück gepreist und ist am Freitag mit 26,5 Milliarden Dollar Emissionsvolumen an der Nasdaq gestartet – der größte Börsengang eines ausländischen Unternehmens in der US-Geschichte, noch vor Alibabas 25 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2014, und der zweitgrößte US-IPO überhaupt nach SpaceX (85,7 Milliarden Dollar). Siebenfach überzeichnet war das Angebot. Das Ziel: den „Korea Discount“ verkleinern. SK Hynix wird derzeit mit dem 4,8- bis 5,5-fachen Gewinn gehandelt, verglichen mit dem 6,6-Fachen bei Micron und rund dem 30-Fachen im Branchendurchschnitt – eine Bewertungslücke, die selbst ein Marktanteil von 56 bis 58 Prozent bei High-Bandwidth-Memory-Chips bislang nicht schließen konnte.

Das frische Kapital fließt in die Yongin-Fabrik, die P&T7-Verpackungsanlage und EUV-Lithografie-Ausrüstung. Nvidia-Chef Jensen Huang bestätigte, SK Hynix bleibe der wichtigste Partner und die Chip-Knappheit werde noch Jahre andauern – der HBM-Markt soll von 65 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 290 Milliarden Dollar bis 2030 wachsen. Passend dazu zog Micron am Donnerstag im US-Handel um 4,5 Prozent auf 991,64 Dollar an, nachbörslich sogar über die 1.000-Dollar-Marke, nachdem das Unternehmen zusätzliche Investitionen in US-Fertigungskapazitäten angekündigt hatte.

Für Anleger ist das SK-Hynix-Debüt mehr als eine Randnotiz: Es ist der Lackmustest, ob Wall Street die KI-Speicher-Rally weiter trägt oder ob die jüngste Konsolidierung bei Halbleiterwerten anhält. Bezeichnend: Die Aktie notiert bereits ein Viertel unter ihrem Rekordhoch von vor zwei Wochen – der Optimismus der Emission und die Skepsis des Sekundärmarkts driften auseinander.

Gold zwischen zwei Kräften, die sich gegenseitig aufheben. Der Goldpreis fiel bis auf 4.021,70 Dollar am Mittwoch, sprang aber am Donnerstag um über ein Prozent auf 4.120,80 Dollar, nachdem die hawkishen Fed-Protokolle und die neue Hormus-Eskalation gleichzeitig wirkten – das eine dämpft Gold über höhere Realzinsen, das andere treibt es über die Risikoprämie. Am Freitag pendelte der Preis um 4.110 bis 4.122 Dollar, bleibt auf Wochensicht aber mit über einem Prozent im Minus.

Die Bank-Prognosen zeigen, wie sehr die restriktivere Fed die langfristige Gold-These belastet: HSBC senkte ihre 2026er-Schätzung auf 4.560 Dollar (von 4.864), Bank of America kappte ihre Prognose um 14 Prozent auf 4.360 Dollar – bestätigte aber das langfristige Ziel von 6.000 Dollar nach Ende des Straffungszyklus. Scotiabank rechnet je nach Risikoprämie mit einer Bandbreite von 3.150 bis 5.700 Dollar, was die Unsicherheit über den Fed-Kurs treffend illustriert. Stützend wirken derweil anhaltende Notenbankkäufe: China kaufte im Juni 14,93 Tonnen, den 20. Monat in Folge. Auch hier wird der US-CPI-Bericht am Dienstag zum Scheidepunkt – Werte unter 3,8 Prozent würden Zinserhöhungswetten dämpfen und Gold Auftrieb geben, Werte über 4,2 Prozent den Druck verlängern.

Rüstung bleibt der strukturelle Profiteur – mit erstaunlicher Zielspanne. Inmitten der Iran-Volatilität rief Jefferies am Freitag ein Kursziel von 1.300 Euro für Rheinmetall aus (Buy, rund 31 Prozent Potenzial), nachdem Bernstein Research bereits am Dienstag mit „Outperform“ und einem Kursziel von 1.900 Euro nachgelegt hatte. Auch Renk (Jefferies, Buy, Ziel 60 Euro, plus 40 Prozent) und Hensoldt (Jefferies, Buy, Ziel 94 Euro, plus 29 Prozent) erhielten frische Kaufempfehlungen. Goldman Sachs hob zudem das Airbus-Kursziel auf 240 Euro (von 230) an, begründet mit starken Ergebnissen vor der europäischen Luftfahrt- und Rüstungs-Berichtssaison.

Die Spanne von 1.300 bis 1.900 Euro bei Rheinmetall verdient einen zweiten Blick: Sie zeigt, wie unterschiedlich Analysten das verbleibende Aufwärtspotenzial nach der bereits gelaufenen Rally einschätzen – ein Hinweis darauf, dass selbst bei einem strukturellen Gewinnersektor die Bewertungsfrage nicht trivial ist.

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Dass Analysten wie Jefferies und Bernstein Research ihre Kursziele für Rheinmetall, Renk und Hensoldt weiter anheben, unterstreicht den strukturellen Rückenwind für den Verteidigungssektor. Der kostenlose Report „Verteidigung neu gedacht“ erklärt, warum Wasserstoff als Schlüsseltechnologie für Energiesicherheit und Rüstung zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren rückt. Kostenlosen Verteidigungs-Report herunterladen

Bitcoin erholt sich, während Strategy die eigene Bilanz verteidigt. Nachdem Bitcoin Anfang Juli zeitweise unter 58.000 Dollar gefallen war – der tiefste Stand seit September 2024 –, kletterte die Kryptowährung bis Freitag wieder über 64.000 Dollar und steuert auf ein Wochenplus von rund 2 Prozent zu, getragen von der techlastigen Risikofreude an den US-Börsen. Bemerkenswert ist dabei nicht die Erholung, sondern ein Detail am Rande: Strategy, vormals MicroStrategy, verkaufte zwischen dem 29. Juni und 5. Juli 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar – der größte Einzelverkauf des Unternehmens seit Jahren, zu Durchschnittskursen von 59.256 und 60.773 Dollar, jeweils unter dem eigenen Einstandspreis von 75.476 Dollar.

Die Erlöse dienen der Finanzierung der Vorzugsaktien-Dividenden (STRC, STRF, STRE, STRK, STRD) und dem Wiederaufbau der Dollar-Reserve auf 2,55 Milliarden Dollar – nach Unternehmensangaben genug für rund 17 Monate Dividendenzahlungen. Mit 843.775 Bitcoin und einem Q2-Bestandszuwachs von 10 Prozent bleibt Strategy dennoch Netto-Käufer, meldet aber für das zweite Quartal einen Abschreibungsverlust von 8,32 Milliarden Dollar auf digitale Assets, größtenteils unrealisiert. Grayscale-Analyst Zach Pandl wertet den Verkauf als stabilisierend, nicht als Notverkauf – er könnte sogar einen dauerhaften Preisboden markieren und ist zugleich die letzte offene Bedingung für ein mögliches S&P-Rating-Upgrade. Die Quartalszahlen von Strategy stehen am 30. Juli nach US-Börsenschluss an – dann zeigt sich, ob diese Lesart trägt.

Was jetzt zählt. Für die kommenden Handelstage bleiben zwei Termine entscheidend: der US-CPI-Bericht am Dienstag, 14. Juli, der über die Fed-Zinserwartungen für September richten dürfte, und die Entwicklung an der Straße von Hormus, wo trotz fortgesetzter Angriffe offenbar weiterhin technische Gespräche laufen. UBS-Stratege Gerry Fowler hob am Donnerstag sein Stoxx-Europe-600-Kursziel auf 690 Punkte für 2026 und 760 Punkte für 2027 an – gestützt auch durch frische Kurszielanhebungen bei RWE (Jefferies, auf 68 Euro), Deutsche Börse (Warburg, auf 295 Euro vor den Zahlen am 22. Juli) und DHL Group (Deutsche Bank, auf 60 Euro).

Diese Zuversicht steht in einem gewissen Kontrast zu Goldman Sachs‘ Herabstufung des Deutsche-Bank-Kursziels auf 35 Euro. Der Widerspruch ist die eigentliche Botschaft dieser Woche: Die Erholung ist selektiv, nicht flächendeckend. Wer nach dem Iran-Schock pauschal auf Entwarnung setzt, übersieht, dass die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks gerade restriktiver werden, nicht lockerer – und dass diese beiden Kräfte, Geopolitik und Zinspfad, in den kommenden Wochen gegeneinander ausgespielt werden dürften.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.