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XRP: Zwischen Rekordabfluss und institutionellem Rückenwind

XRP verzeichnet starke institutionelle ETF-Zuflüsse aus Europa, während neue Treasury-Lösungen von Ripple und der CLARITY Act die regulatorische Zukunft prägen könnten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Starke ETF-Nachfrage aus europäischen Märkten
  • Ripple launcht neue Treasury-Plattform für Unternehmen
  • CLARITY Act als entscheidender regulatorischer Meilenstein
  • Analyst senkt Kurzfristziel, hebt Langfristprognose an

Sechs Monate in Folge fallende Kurse — und das trotz regulatorischer Fortschritte, neuer Partnerschaften und einer Commodity-Klassifizierung durch SEC und CFTC. XRP steckt in einem Widerspruch: Die Fundamentaldaten verbessern sich, doch das makroökonomische Umfeld hat jeden Erholungsversuch bislang abgewürgt.

Ripple baut Treasury-Infrastruktur für Unternehmen

Im April 2026 hat Ripple zwei neue Funktionen innerhalb seiner Treasury-Plattform gelauncht: Digital Asset Accounts und Unified Treasury. Damit können CFOs und ihre Teams Fiat- und digitale Liquidität — darunter XRP und den Stablecoin RLUSD — erstmals in einem einzigen System verwalten, ohne separate Plattformen oder manuelle Abstimmungsprozesse.

Der Schritt baut auf der GTreasury-Übernahme aus dem Jahr 2025 auf. Die Plattform wickelte im selben Jahr Zahlungen im Volumen von 13 Billionen US-Dollar ab. Laut einer Ripple-Umfrage unter mehr als 1.000 Finanzführungskräften weltweit sehen 72 % eine Digital-Asset-Lösung als Wettbewerbsvoraussetzung — scheitern aber bislang an der Integration in bestehende Workflows. Genau hier setzt das neue Angebot an.

Geplant sind weitere Funktionen: grenzüberschreitendes Settlement und 24/7-Rendite auf liquide Mittel über Overnight-Repo.

ETF-Zuflüsse kommen aus Europa, nicht aus den USA

Während Bitcoin- und Ethereum-Produkte am 7. April Abflüsse von 159 Millionen bzw. 64,67 Millionen US-Dollar verzeichneten, zogen XRP-ETFs netto 3,30 Millionen US-Dollar an — angeführt von Bitwise und Franklin.

Auf Wochensicht war das Bild noch deutlicher: XRP führte die globalen Krypto-ETP-Zuflüsse mit rund 120 Millionen US-Dollar an, mehr als die Hälfte des gesamten Marktzuflusses von 224 Millionen US-Dollar. Die fünf in den USA gelisteten Spot-XRP-ETFs — von Canary, Bitwise, Franklin, 21Shares und Grayscale — trugen dazu kaum etwas bei. Das Gesamtnettovermögen dieser Produkte liegt bei 940 Millionen US-Dollar, die Tagesflows waren zuletzt nahezu null. Die Nachfrage kam fast ausschließlich aus Europa und internationalen Märkten.

CLARITY Act als regulatorischer Schlüsselmoment

XRP liegt aktuell rund 62 % unter dem Zyklusrekord von 3,65 US-Dollar vom Juli 2025 — die längste Verlustserie seit über einem Jahrzehnt. Dreimal scheiterte der Token seit März an der Marke von 1,35 US-Dollar, bevor eine Entspannung im geopolitischen Umfeld zuletzt eine breitere Markterholung auslöste.

Regulatorisch rückt der CLARITY Act in den Fokus. Gelingt dem Senate Banking Committee der Markup-Schritt bis Ende April, würde XRP dauerhaft als digitales Commodity nach Bundesrecht klassifiziert — was institutionelle ETF-Zuflüsse in erheblichem Umfang anstoßen könnte. Scheitert das Vorhaben nach Mai, dürfte die Midterm-Politik das Gesetz für den Rest des Jahres blockieren. Ein SEC-Roundtable am 16. April könnte erste Signale zur regulatorischen Richtung liefern.

Standard-Chartered-Analyst Geoffrey Kendrick senkte sein XRP-Kursziel für 2026 deutlich von 8 auf 2,80 US-Dollar — der größte Schnitt in allen Krypto-Prognosen der Bank. Sein Langfristausblick bleibt jedoch intakt: Für 2028 hebt er das Ziel auf 12,60 US-Dollar an, das 2030-Ziel von 28 US-Dollar behält er bei. Die Wal-Akkumulation liegt laut Kendrick auf einem 10-Monats-Hoch — ein Indikator, den er als Zeichen einer möglichen Trendwende wertet.

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Diskussion zu XRP

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.