Starke Netzwerknutzung, schwache Kurse — bei XRP klaffen Realität und Stimmung Ende Mai 2026 weit auseinander. Während Großinvestoren ihre Aktivitäten auf ein Mehrwochentief zurückfahren, strömen Kleinanleger in Scharen auf das Ledger. Diese Diskrepanz prägt den Markt in einer Phase, in der gleich mehrere regulatorische Entscheidungen in Washington anstehen.
Der Blick auf den Kurs liefert derzeit wenig Grund zur Euphorie. XRP notiert bei 1,35 US-Dollar und hat damit seit Jahresbeginn rund 28 Prozent an Wert verloren. Vom Allzeithoch bei 3,56 US-Dollar im vergangenen Juli ist der Token weit entfernt.
Parallel dazu ziehen sich die Großinvestoren zurück. Innerhalb weniger Tage brach die Zahl der millionenschweren XRP-Transaktionen um gut 57 Prozent ein. Konkret fiel der Wert von 157 auf lediglich 67 Großbewegungen. Marktbeobachter werten dies als Abwarten der Wale, da Börsenabflüsse weiterhin auf eine Akkumulation hindeuten.
Ganz anders agieren die Kleinanleger. Am 20. Mai verzeichnete das Netzwerk rund 4.300 neue Wallets an einem einzigen Tag. Das markiert den viertstärksten täglichen Zuwachs des laufenden Jahres. Die aktiven Adressen klettern auf Höchststände und signalisieren eine robuste Basisnutzung.
Politisches Tauziehen in Washington
Die Zurückhaltung der Großadressen dürfte eng mit dem politischen Kalender verknüpft sein. Der Bankenausschuss des US-Senats hat den CLARITY Act Mitte Mai mit 15 zu 9 Stimmen verabschiedet. Zwei Demokraten wechselten dabei die Seiten und unterstützten den Entwurf. Das Gesetz würde den Status von XRP als Rohstoff auf Bundesebene festschreiben.
Ein weiterer Schauplatz eröffnet sich bei Ripples Stablecoin RLUSD. Die an den US-Dollar gekoppelte Währung erhielt Ende 2025 eine bedingte Zulassung der Aufsichtsbehörde OCC. Nun fordert US-Senatorin Elizabeth Warren die Herausgabe der Zulassungsakten bis zum 1. Juni 2026. Sie bezeichnet die Genehmigung in einem formellen Schreiben als illegal und sieht Risiken für das Bankensystem.
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Rakuten-Integration und ETF-Zuflüsse
Abseits der US-Politik schreitet die reale Nutzung voran. Sechs Wochen nach dem Start der Rakuten-Integration können 44 Millionen japanische Nutzer XRP bei über fünf Millionen Händlern ausgeben.
Das System verknüpft die Kryptowährung mit einem der größten Treuepunkte-Netzwerke Japans, in dem aktuell Punkte im Wert von rund 23 Milliarden US-Dollar zirkulieren. Für das dritte Quartal 2026 plant Rakuten zudem eine direkte Bankanbindung für Millionen von Kunden.
Auch die institutionellen Anlageprodukte zeigen relative Stärke. In der jüngsten Handelswoche verzeichneten XRP-ETFs frisches Kapital in Höhe von knapp 13 Millionen US-Dollar. Seit der Auflegung flossen den Spot-ETFs kumuliert 1,36 Milliarden US-Dollar zu.
JPMorgan Chase prognostiziert für das erste Jahr Zuflüsse zwischen vier und acht Milliarden US-Dollar. Pensionskassen warten laut Bloomberg Intelligence jedoch ab – bisher stammen 84 Prozent der investierten Gelder von Privatanlegern, die auf rechtliche Klarheit hoffen.
Technisches Upgrade steht an
Auf technischer Ebene rüstet sich das Netzwerk derweil für die nächsten Schritte. Das anstehende Wartungs-Upgrade „fixCleanup3_1_3“ soll Fehler bei NFTs und dem Lending-Protokoll beheben. Zeitgleich wird die Kernsoftware in „xrpld“ umbenannt, um die Reife der Codebasis zu unterstreichen. Die eigentlichen Impulse für den Kurs dürften jedoch aus Washington kommen: Im Juni steht die finale Abstimmung des gesamten US-Senats über den CLARITY Act auf der Agenda.
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