XRP fällt im Tagesverlauf um 5,76 Prozent auf 1,08 US-Dollar. Der Kurs liegt damit nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, erreicht Ende Juni. Ausgerechnet in dieser Schwächephase meldet das Netzwerk hinter der Kryptowährung einen Rekordwert, der so gar nicht zur Charttechnik passen will.
Tokenisierte Real-World-Assets auf der XRP Ledger haben ein Volumen von rund vier Milliarden US-Dollar erreicht. Das ist etwa das Vierfache dessen, was in den US-Spot-ETFs für XRP steckt — dort liegen aktuell rund 0,9 Milliarden Dollar. Das auf XRP spezialisierte Treasury-Unternehmen Evernorth veröffentlichte diese Zahlen am 6. Juli in einem breit beachteten Thread.
Institutionen testen das Netzwerk
Mehr als 500 Produkte verteilen sich mittlerweile auf das RWA-Segment der XRP Ledger. Ein Beispiel liefert bereits konkrete Anwendung: JPMorgan, Ondo und Mastercard wickelten eine Treasury-Rücknahme in rund vier Sekunden über die Ledger ab.
Evernorth ordnet den Fall nüchtern ein. Er beweise keine breite Adoption, sondern markiere einen frühen institutionellen Testlauf. Ein Unterschied, der für die Einschätzung der Entwicklung wichtig bleibt.
ETFs und Wallets wachsen parallel
Die Spot-XRP-ETFs verzeichnen inzwischen acht Wochen in Folge mit Netto-Zuflüssen. Allein in der letzten vollen Juniwoche kamen rund 23 Millionen Dollar hinzu, kumuliert stehen die Fonds bei etwa 1,47 Milliarden Dollar. Parallel dazu stieg die Zahl neu angelegter XRP-Wallets Ende Juni um rund 40 Prozent.
Evernorth beschreibt dies als Konvergenz mehrerer Nachfragequellen — tokenisierte Assets, institutionelles Kapital und neue Wallets wachsen gleichzeitig. Der Bericht bleibt dabei vorsichtig: Der Thread liefere eine Momentaufnahme, kein endgültiges Urteil über die Adoption. Ob sich die Trends verfestigen, hängt von künftiger institutioneller Beteiligung und anhaltenden ETF-Zuflüssen ab.
Börsenreserven schrumpfen weiter
Auf der Angebotsseite zeigt sich eine zusätzliche Verknappung. Die XRP-Reserven bei Binance sind auf 2,6 Milliarden Token gefallen, ein Rückgang von 20 Prozent seit November 2024. Der XRP Binance Scarcity Index erreichte damit einen 24-Monats-Höchststand von 0,77.
Weniger Token auf Börsen bedeuten weniger kurzfristig handelbares Angebot. Analysten werten das als potenziell preisunterstützend, da große Halter offenbar zunehmend in längerfristige Verwahrung wechseln. Schon moderate neue Nachfrage könnte dadurch schärfere Kursbewegungen auslösen — sichtbar etwa bei der jüngsten Wochen-Rallye von 8 Prozent auf 1,13 Dollar.
Charttechnik bremst die Story
Von dieser Rallye ist aktuell wenig übrig. XRP notiert 9 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,18 Dollar und rund 27 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,47 Dollar. Der RSI steht bei 42, was für eine neutrale bis leicht schwache Marktverfassung spricht.
Auf Jahressicht hat XRP mehr als 42 Prozent verloren, gegenüber dem Vorjahr sogar über 52 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen den Coin aktuell rund 70 Prozent.
Der fundamentale Fortschritt auf der Ledger und die technische Kursschwäche laufen damit klar auseinander. Als nächste Bewährungsprobe gilt ein Tagesschlusskurs oberhalb der Widerstandszone zwischen 1,18 und 1,20 Dollar — erst dann würde sich zeigen, ob aus der aktuellen Konsolidierung eine tragfähige Bewegung nach oben wird.
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