Wall Street und Krypto-Trader haben Freitag lange im Kalender markiert. Die US-Börsenaufsicht SEC sollte über eine weitreichende Ausnahmeregelung für tokenisierte Wertpapiere entscheiden. Jetzt zeigt sich: Der große Wurf bleibt aus, verhandelt wird nur ein kleinerer Baustein.
Die Tokenisierungs-Ausnahme verschwindet von der Agenda
Die Journalistin Eleanor Terrett berichtete unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person, die SEC habe ihre geplante Ausnahmeregelung für tokenisierte Innovationen erneut verschoben. Details dazu bleiben vorerst unter Verschluss. Der Grund könnte in laufenden Verhandlungen zu Abschnitt 10505 des CLARITY Act liegen, der regelt, wie tokenisierte Wertpapiere künftig reguliert werden.
Die offizielle Tagesordnung für die SEC-Sitzung am 14. August um 10 Uhr Ostküstenzeit listet nur noch einen Vorschlag für ein „maßgeschneidertes Angebotsregime“ für bestimmte Krypto-Investmentverträge. Die Tokenisierungs-Ausnahme taucht dort nicht mehr separat auf. Terretts Einschätzung: Die Behörde zögert offenbar, ein eigenes Rahmenwerk vorzustellen, solange der Kongress noch über die entsprechenden Regelungen verhandelt. Ein eigenmächtiger Vorstoß der SEC könnte die mühsam austarierte Balance zwischen Senatoren und anderen Interessengruppen durcheinanderbringen.
Ganz vom Tisch ist das Thema damit nicht. Die Kommission berät am Freitag weiterhin über neue Regeln für ein maßgeschneidertes Angebotsregime bei Krypto-Investmentverträgen – nur eben getrennt von der ursprünglich erwarteten Tokenisierungs-Ausnahme. Bereits im Mai hatte die SEC einen ähnlichen Vorstoß zurückgezogen, damals ging es um eine breite Freigabe für den Handel mit tokenisierten Aktien durch US-Kryptofirmen. Der aktuelle Aufschub reiht sich also in ein Muster ein.
Kurs verteidigt die Marke von einem Dollar
XRP notiert aktuell bei 1,01 US-Dollar und kämpft seit Tagen um die psychologisch wichtige Ein-Dollar-Schwelle. Der Token war zuletzt erstmals in diesem Jahr unter diese Marke gerutscht, Käufer haben sie seither aber verteidigt. Zum 52-Wochen-Tief von 0,99 Dollar fehlen nur 1,8 Prozent – XRP bewegt sich damit näher an seinem Jahrestief als an jedem Erholungsszenario.
Der Blick auf die längere Frist zeigt das Ausmaß des Rückgangs deutlicher als der Tageskurs. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 45 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 67 Prozent. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,30 Dollar – XRP notiert damit 22 Prozent darunter und damit klar im technisch angeschlagenen Terrain.
Großanleger kaufen, während der Markt wartet
Trotz der Unsicherheit um den SEC-Termin zeigen On-Chain-Daten ein bemerkenswertes Bild. Große Wallet-Adressen haben laut Santiment in der vergangenen Woche mehr als 380 Millionen XRP zugekauft, konzentriert rund um die Ein-Dollar-Marke. Bestimmte Großanleger-Gruppen kommen dadurch auf kombinierte Bestände von rund 8,1 bis 8,13 Milliarden XRP.
Auch CryptoQuant-Daten stützen das Bild der Akkumulation. Die Order-Größen bewegen sich weiterhin im Bereich großer Wale, während das kumulative Volumen-Delta neutral bleibt. Das deutet auf ein Aufsaugen vorhandener Angebote hin, nicht auf aggressives Kaufen zu jedem Preis.
ETF-Nachfrage bricht drastisch ein
Während Großanleger zukaufen, kühlt die institutionelle Nachfrage über Spot-ETFs deutlich ab. Sieben XRP-ETFs handeln aktuell in den USA mit einem verwalteten Vermögen von rund einer Milliarde Dollar, die kumulierten Nettozuflüsse seit Start liegen bei 1,51 Milliarden Dollar. In der Woche bis zum 8. August brachen die wöchentlichen Zuflüsse um 93 Prozent ein – von 14,86 Millionen auf nur noch 1,01 Millionen Dollar.
Diese Diskrepanz zwischen Wal-Käufen und schwindender ETF-Nachfrage wirft ein Schlaglicht auf zwei unterschiedliche Anlegergruppen mit gegensätzlicher Einschätzung der aktuellen Lage.
Was die Sitzung für Ripple bedeutet
Auch ohne die große Tokenisierungs-Ausnahme hat der Freitagstermin Gewicht für XRP. Ripple treibt seinen Ausbau in Zahlungsverkehr und tokenisierter Abwicklung voran. Bloomberg berichtete, die SEC werde ein maßgeschneidertes Angebotsregime für bestimmte Krypto-Investmentverträge prüfen – ein Rahmenwerk, dessen spätere Tokenisierungs-Komponente Ripples Zahlungs- und Verwahrgeschäft direkt berühren würde. Im Gespräch sind strengere Regeln gegen Geldwäsche sowie die Vorgabe, dass Handelsplattformen als US-Unternehmen registriert sein müssen.
Für Trader bleibt damit ein schmaleres regulatorisches Ergebnis als erhofft. Ob und wann die eigentliche Tokenisierungs-Ausnahme kommt, hängt jetzt maßgeblich davon ab, wie die Verhandlungen zum CLARITY Act im Kongress ausgehen.
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