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XRP: Swift-Test mit 17 Banken

Ein Blockchain-Test von Swift mit 17 Banken treibt den XRP-Kurs kurz an, doch der Token selbst ist nicht Teil des Projekts.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Swift testet Blockchain mit 17 Banken
  • XRP-Kurs steigt kurz um 1,6 Prozent
  • Ex-Manager dämpft Euphorie um Token
  • Institutionelle Gelder fließen ab

Ein Swift-Pilotprojekt mit 17 Banken lässt den XRP-Kurs kurz aufleuchten. Ein ehemaliger Swift-Manager bremst die Euphorie postwendend aus. Der Token selbst spielt in dem Projekt offenbar keine Rolle.

Swift startet Blockchain-Test mit Bankenschwergewichten

Der Zahlungsdienstleister Swift hat ein blockchainbasiertes Pilotprojekt mit 17 Banken angekündigt. Darunter sind Standard Chartered und UBS, beide mit bestehenden Ripple-Verbindungen über Krypto-Verwahrdienste oder Zahlungsinfrastruktur auf Basis des XRP Ledgers. XRP reagierte mit einem Kurssprung von rund 1,6 Prozent.

Swift will testen, ob Distributed-Ledger-Technologie grenzüberschreitende Zahlungen zwischen den beteiligten Instituten unterstützen kann. Das Unternehmen beschreibt die neue Ledger-Infrastruktur als Grundlage für künftige Innovationen bei programmierbarem Geld und automatisiertem Handel. Die Ankündigung folgt auf einen weiteren Schritt: Ripple Treasury war im April 2026 dem Swift Certified Partner Program beigetreten und hatte damit die Beziehung zum globalen Zahlungsnetzwerk vertieft.

Skepsis bremst die Rally

Der Kursgewinn hielt nicht lange an. Ein Analyst wandte auf der Plattform X ein, das Pilotprojekt solle nicht automatisch als bullisch für den Token gewertet werden. Swifts geplantes Abwicklungsmodell setzt auf tokenisierte Bankeinlagen, nicht auf XRP.

Tom Zschach, ehemaliger Chief Innovation Officer von Swift, wies Online-Gerüchte zurück, wonach das Netzwerk XRP integrieren oder unterstützen wolle. Die kursierenden Behauptungen zitierten keine offizielle Swift-Stellungnahme und nannten auch keine Details zu einer angeblichen Integration. XRP bleibt zwar über einige angebundene Zahlungsdienste nutzbar — Swift hat den Token aber nicht zum verpflichtenden Bestandteil seines Netzwerks gemacht. Das tokenisierte Einlagenmodell stützt zwar Ripples grundsätzliche These zur Blockchain-Nutzung in der Bankenwelt. Eine garantierte Nachfrage nach dem Token selbst ergibt sich daraus nicht.

Kurs kämpft mit Widerstand, Institutionelle ziehen sich zurück

XRP notiert aktuell bei 1,09 US-Dollar, ein Plus von 0,39 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein moderates Plus von 0,63 Prozent zu Buche. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt dagegen ein Minus von 3,89 Prozent.

Die institutionellen Kapitalflüsse zeichnen ein deutlich kritischeres Bild als die Tagesbewegung. Laut SoSoValue verzeichneten Spot-XRP-ETFs am 8. Juli Nettoabflüsse von 7,29 Millionen US-Dollar — der größte Einzeltagesabfluss seit März 2026. Institutionelle Investoren reduzieren ihr Engagement demnach, während der Kurs versucht, sich über der Marke von einem Dollar zu stabilisieren.

Die Derivatemärkte spiegeln diese Vorsicht. Das Long-Short-Verhältnis ist laut CoinGlass auf 0,96 gefallen, bärische Positionen übertreffen also leicht die bullischen Wetten. Das offene Interesse sank im gleichen Zeitraum von 2,58 Milliarden auf 2,33 Milliarden US-Dollar. Spekulative Trader schließen demnach eher Positionen, statt neue zu eröffnen.

Auf Jahressicht zeigt sich das Ausmaß der Talfahrt deutlicher. Der Token notiert 41,75 Prozent unter dem Jahresstart und liegt 70 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,65 US-Dollar aus dem Juli 2025. Zum erst kürzlich markierten Jahrestief bei 1,01 US-Dollar beträgt der Abstand gerade einmal 8 Prozent.

Auch das Chartbild bleibt angespannt. Im 4-Stunden-Chart notiert XRP unterhalb des Supertrend-Indikators und scheitert wiederholt an einer fallenden Trendlinie. Der Widerstand liegt derzeit bei rund 1,094 US-Dollar, dem 78,6-Prozent-Fibonacci-Level nach dem jüngsten Ausverkauf. Der gleitende 50-Tage-Durchschnitt bei 1,17 US-Dollar liegt ebenfalls über dem aktuellen Kurs.

Regulatorischer Erfolg trifft auf ungeklärte Token-Frage

Das Swift-Pilotprojekt kommt nur wenige Tage nach einem separaten regulatorischen Meilenstein für Ripple. Die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF hat dem Unternehmen die volle MiCA-Lizenz als Crypto-Asset Service Provider erteilt. Damit darf Ripple Kryptodienstleistungen im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum anbieten — nach vorheriger vorläufiger Zulassung.

Ripple gehört damit zu einer kleinen Gruppe von Digital-Asset-Unternehmen mit vollständiger MiCA-Zulassung. Unlizenzierte Krypto-Firmen müssen ihren Betrieb in der Region dagegen einstellen.

Das Swift-Kapitel zeigt ein Muster, das sich 2026 bei XRP wiederholt: Echte institutionelle Fortschritte im Ripple-Zahlungsgeschäft erzeugen Schlagzeilen und kurzfristige Kursreaktionen. Die eigentliche Frage nach der direkten Nutzung des Tokens in Systemen wie Swifts neuer Ledger-Infrastruktur bleibt dabei ungeklärt. Solange schwächelnde spekulative Nachfrage, institutionelle Abflüsse und eine Chartstruktur mit Verkäuferübergewicht anhalten, dürfte der Widerstand um die 1,10-Dollar-Marke bestehen bleiben.

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Diskussion zu XRP

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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