XRP notiert bei 1,38 US-Dollar und hat in den vergangenen sieben Tagen 5,1 Prozent verloren. Der Rücksetzer fällt in eine Woche, in der gleich mehrere strukturelle Nachrichten für die Kryptowährung zusammenkommen – vor allem aber eine: Die US-Börsenaufsicht SEC hat am Donnerstag die Registrierung der XRP-Treasury-Firma Evernorth für wirksam erklärt und damit den Weg für einen Börsengang an der Nasdaq freigemacht.
SEC-Freigabe ebnet Weg zur Nasdaq
Evernorth soll über eine Fusion mit dem Mantelunternehmen Armada Acquisition Corp. II an die Nasdaq gehen, unter dem Ticker XRPN. Die Aktionäre von Armada stimmen am 30. September über den Zusammenschluss ab. Hinter Evernorth stehen unter anderem Ripple, SBI Group, Pantera Capital, Kraken, GSR und Arrington Capital – die Firma soll mehr als eine Milliarde US-Dollar einsammeln.
Ripple selbst will 126,8 Millionen XRP in das Konstrukt einbringen. Nach eigenen Angaben hält Evernorth bereits rund 473 Millionen XRP im Gegenwert von etwa 672 Millionen US-Dollar, verzeichnete darauf zuletzt aber unrealisierte Verluste von rund 78 Millionen US-Dollar.
Die Firma positioniert sich damit explizit als börsennotiertes Vehikel, dessen Geschäft im Aufbau und Halten von XRP-Beständen besteht – vergleichbar den Bitcoin-Treasury-Modellen, die zuletzt an Wall Street Schule gemacht haben.
Parallel zur Evernorth-Nachricht meldeten Marktbeobachter einen ungewöhnlich großen Abfluss von der Handelsbörse Binance: Großinvestoren zogen dort 231 Millionen XRP im Wert von über 335 Millionen US-Dollar ab, das Achtfache des 90-Tage-Durchschnitts.
Solche Abflüsse gelten häufig als Signal für langfristige Positionierung abseits der Börsen, während das Netto-Taker-Volumen auf Binance gleichzeitig ein für das Jahr ungewöhnlich starkes Verkaufsungleichgewicht zeigte – ein Widerspruch, der die Nervosität im Markt zusätzlich befeuert.
Kursbild bleibt angespannt
Der jüngste Rücksetzer von 5 Prozent binnen eines Tages hat charttechnisch Bedeutung: Analysten verweisen auf eine Unterstützung nahe 1,37 US-Dollar und einen Widerstand um 1,50 bis 1,55 US-Dollar.
Trotz der Schwäche der vergangenen Tage steht XRP auf Sicht von 30 Tagen noch mit 29 Prozent im Plus, was die Erholung von den Tiefstständen im August unterstreicht. Über die vergangenen zwölf Monate bleibt die Bilanz mit einem Minus von 53 Prozent aber deutlich negativ, und seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 25 Prozent zu Buche.
Technische Weiterentwicklung und Zahlungsverkehr
Neben der Treasury-Story treibt auch technische Weiterentwicklung das Ökosystem voran. Das Amendment „fixCleanup3_3_0“ für das XRP Ledger hat eine Zustimmung von 82,86 Prozent unter den Validatoren erreicht und befindet sich nun im zweiwöchigen Aktivierungsfenster – bei anhaltender Unterstützung über 80 Prozent könnte es am 11. September aktiv werden. Es betrifft unter anderem Single Asset Vaults, das Lending-Feature, automatisierte Marktmacher und die permissioned DEX.
Ripple selbst kündigte zudem an, mehr als 10.000 Zeilen ungenutzten Codes aus der XChainBridge-Funktion zu entfernen, bevor das Lending-Protokoll in Version 1.1 live geht – nach einem KI-gestützten Sicherheitsaudit, der frühere Prüfungen mit 94 validen Schwachstellen ergänzt.
Auf der Zahlungsverkehrsseite wuchs die Umlaufmenge des auf dem XRP Ledger emittierten Stablecoins RLUSD auf über eine Milliarde US-Dollar, mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von 2,091 Milliarden US-Dollar über XRPL und Ethereum hinweg.
Zudem hat Ripple mit „Delta One“ einen neuen Service für institutionelle Derivate-Kunden auf der Plattform Ripple Prime gestartet, der in direkte Konkurrenz zu Angeboten von Goldman Sachs, JPMorgan und Coinbase Prime tritt. Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Institutionelle Infrastruktur und regulatorische Fortschritte stehen einem kurzfristig angeschlagenen Kursbild gegenüber.
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