Ripple baut sein Stablecoin-Geschäft aus. Gleichzeitig schrumpft das Transaktionsvolumen von RLUSD in einem Monat um ein Viertel. Diese Kluft zwischen Ausbau und tatsächlicher Nutzung wirft ein Schlaglicht auf die Zahlungsstrategie des Unternehmens.
XRP selbst notiert bei 1,09 US-Dollar und bewegt sich damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar. Zum Jahreshoch von 3,55 Dollar aus dem Juli 2025 fehlen fast 70 Prozent. Der RSI von 45,8 zeigt weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale — der Markt wartet ab.
Zwei neue Bausteine für RLUSD
Ripple hat mit „Ripple Mint“ eine automatisierte Plattform gestartet. Institutionelle Kunden können darüber den Dollar-Stablecoin RLUSD erstellen, einlösen und zwischen Netzwerken transferieren. Bislang lief das manuell: Firmen mussten die Ausgabe direkt mit Ripple abstimmen und auf die Bearbeitung warten.
Die neuen Schnittstellen automatisieren diesen Prozess komplett. Firmen können Prägung und Rückgabe jetzt direkt aus ihren eigenen Systemen auslösen. Jede Transaktion lässt sich vom Dollartransfer bis zur Onchain-Abwicklung nachverfolgen. Ripple erweitert RLUSD zudem auf weitere Netzwerke, darunter Base, Optimism, Ink und die XRPL-EVM-Sidechain.
Parallel dazu investiert Ripple strategisch in das Compliance-Netzwerk Notabene. RLUSD wird in dessen Plattform für Firmenzahlungen integriert. Notabene verbindet nach eigenen Angaben mehr als 2.300 Institutionen in über 100 Rechtsräumen und wickelt jährlich Transaktionen im Wert von über zwei Billionen Dollar ab.
Mehr Halter, weniger Umsatz
Die Nutzungszahlen von RLUSD zeichnen ein widersprüchliches Bild. Der Stablecoin kommt aktuell auf einen Marktwert von rund 1,5 Milliarden Dollar, verteilt auf das XRP Ledger mit etwa 877 Millionen Dollar und Ethereum mit rund 643 Millionen Dollar.
Die Zahl der Halter wuchs im vergangenen Monat um 6 Prozent, aktive Adressen sogar um 70 Prozent. Trotzdem fiel die Marktkapitalisierung um fast 5 Prozent. Das monatliche Transfervolumen brach von 14,6 Milliarden auf 11 Milliarden Dollar ein — ein Rückgang von rund 25 Prozent.
Mehr Wallets halten den Coin also, aber weniger Geld bewegt sich hindurch. Genau das ist der Kern des Problems: RLUSD wird zunehmend gehalten statt genutzt.
Warum Ripple auf Compliance setzt
Ripples Strategie stützt sich stark auf regulatorische Legitimität. RLUSD wird von Standard Custody & Trust ausgegeben, einem Institut mit einer eingeschränkten Treuhandlizenz der New Yorker Finanzaufsicht. Diese Lizenz ist Ripples wichtigstes Argument im Werben um Banken, in einem Markt, in dem regulatorische Klarheit den entscheidenden Vorteil verschafft.
Ein Stablecoin-Angebot auszubauen ist die eine Herausforderung. Institutionen dazu zu bringen, echtes Volumen darüber abzuwickeln, ist die schwerere Aufgabe. Genau darauf zielen die neuen Produkte.
An anderer Stelle im XRP-Ledger-Ökosystem laufen die Geschäfte besser. Das Ripple-nahe Unternehmen Evernorth meldet, dass RLUSD-Handelspaare seit dem Start mehr als 2,5 Milliarden Dollar Handelsvolumen generiert haben. Allein das Paar RLUSD/XRP kam in sechs Monaten auf rund 900 Millionen Dollar.
Der Test steht noch aus
Ripple hat bislang keine Volumenziele, Kundenprognosen oder einen Zeitplan für Adoptionsdaten zu den beiden neuen Produkten veröffentlicht. Ob Ripple Mint und die Notabene-Integration den Rückgang beim Transfervolumen umkehren können, bleibt damit offen. Marktbeobachter werden genau darauf achten, ob sich die automatisierten Prägeprozesse in den kommenden Monatszahlen niederschlagen — ein Metrik, die direkt mit der Erzählung um institutionelle Akzeptanz des XRP Ledgers verknüpft ist.
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