Ripple hat binnen weniger Tage gleich mehrere strategische Schritte verkündet – eine neue Stablecoin-Plattform, eine Investition in einen Compliance-Spezialisten, eine Brücke nach Solana und sogar ein Sponsoring im US-College-Sport. Der XRP-Kurs quittiert die Nachrichtenflut jedoch mit Zurückhaltung. Am 24. Juli notiert die Kryptowährung bei 1,11 US-Dollar, ein Minus von 2,70 Prozent im Tagesverlauf. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei -21,10 Prozent, ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Trend weiterhin nach unten zeigt. Zum 52-Wochen-Tief vom 26. Juni bei 1,01 US-Dollar beträgt der Puffer nur noch 9,68 Prozent.
Ripple Mint soll RLUSD für Institutionen öffnen
Im Zentrum der Unternehmensnachrichten steht der Start von Ripple Mint am 23. Juli. Die Plattform erlaubt Finanzinstituten, den Stablecoin RLUSD über eine Web-Oberfläche oder per API zu prägen, einzulösen und zu verwalten. Ripple Mint bietet zudem Webhooks und Referenz-IDs für automatisierte Prozesse und erweitert die Reichweite von RLUSD auf mehrere Chains – neben der XRPL EVM Sidechain auch Base, Optimism, Ink und Unichain. Emittiert wird der Stablecoin weiterhin von der bei der NYDFS lizenzierten Standard Custody & Trust.
Parallel dazu investierte Ripple strategisch in Notabene, einen Anbieter für Transaktions-Compliance, um RLUSD in dessen Netzwerk „Flow“ zu integrieren. Notabene verbindet nach eigenen Angaben mehr als 2.300 Finanzinstitute in über 100 Ländern und wickelt jährlich über zwei Billionen US-Dollar an Transaktionsvolumen ab. Jack McDonald, bei Ripple für den Bereich Stablecoins zuständig, erklärte, Compliance und Identitätsprüfung seien für institutionelle Adoption entscheidend – Technologieeffizienz allein reiche nicht aus. Notabene-Chef Pelle Braendgaard beschrieb die Marktstimmung so, dass Institutionen inzwischen nicht mehr fragten, ob sie Stablecoins nutzen sollen, sondern wie. Beide Unternehmen wollen zudem eine Vorab-Autorisierung von Transaktionen für Ripple Payments prüfen. Finanzielle Details der Beteiligung wurden nicht offengelegt.
Trotz der Expansion zeigt RLUSD selbst gemischte Signale. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar, aufgeteilt auf etwa 877 Millionen US-Dollar auf der XRP Ledger und 643 Millionen US-Dollar auf Ethereum. Das monatliche Transfervolumen ist um 25 Prozent auf 10,95 Milliarden US-Dollar gesunken, während die Zahl der Halter um 6 Prozent und die aktiven Adressen binnen 30 Tagen um 70 Prozent zulegten. Die Marktkapitalisierung selbst gab in diesem Zeitraum um rund 5 Prozent nach.
CLARITY Act steckt im Senat fest
Auf regulatorischer Ebene bleibt der Digital Asset Market Clarity Act die entscheidende offene Baustelle für die gesamte Branche. Senatsmehrheitsführer John Thune signalisierte, dass eine Verabschiedung vor der Sommerpause ab dem 10. August zunehmend unwahrscheinlich ist. Die Industrie hatte den 7. August als praktische Deadline vor den Zwischenwahlen betrachtet – dieses Datum ist inzwischen verstrichen, ohne dass der Entwurf zur Abstimmung kam. Strittig sind vor allem Ethikregeln für Amtsträger: Der Entwurf würde Präsident, Vizepräsident, Kongressmitgliedern und Bundesrichtern verbieten, digitale Vermögenswerte gegen Vergütung auszugeben oder zu fördern, mit ausschließlicher Durchsetzung durch das Justizministerium. Senatorin Elizabeth Warren kritisierte den Entwurf scharf und warf ihm vor, Kriminellen und Kartellen zu helfen, ohne Präsident Trump von Krypto-Geschäften abzuhalten. Senator Ruben Gallego bezeichnete die vom Weißen Haus gebilligte Ethik-Formulierung als „keinen ernsthaften Versuch“ und arbeitet mit dem Republikaner Thom Tillis an einem überparteilichen Gegenvorschlag.
Ripple-CEO Brad Garlinghouse drängte den Kongress zur Verabschiedung und mahnte, Perfektion dürfe nicht der Feind des Guten sein. Rechtschef Stuart Alderoty beschrieb das Gesetz als Verbraucherschutzvorlage mit strengen Vorgaben gegen Geldwäsche. Auch Finanzminister Scott Bessent drängte auf Tempo und rahmte die Regulierung als Frage nationaler Sicherheit. Charles Schwab, ein Vermögensverwalter mit 13 Billionen US-Dollar an verwalteten Werten, bezeichnete den CLARITY Act als „wirklich wichtigen fundamentalen Katalysator“, der verabschiedet werden müsse.
Kurs bleibt abgekoppelt von den Unternehmensnachrichten
Für XRP-Anleger bleibt die Diskrepanz zwischen Unternehmensnews und Kursverlauf das prägende Bild dieser Tage. XRP-Börsenfonds verzeichneten bis Ende Juni kumulierte Zuflüsse von 1,47 Milliarden US-Dollar, während die monatliche Neuausgabe von Token auf 200 bis 300 Millionen XRP geschätzt wird – Faktoren, die Analysten in der Bull-Bear-Debatte um den Coin gegeneinander abwägen. Zusätzlich brachte Ripple mit wXRP eine 1:1 gedeckte Version von XRP über Hex Trust und LayerZero auf Solana, was laut Garlinghouse auf wachsende Nachfrage nach der Kryptowährung außerhalb der eigenen Ledger hindeutet. Auch abseits der Finanzwelt expandiert die Marke: Ab Herbst 2026 ziert das XRP-Logo die Trikots der Kansas Jayhawks, das erste Krypto-Sponsoring dieser Art im großen US-College-Sport. Ob solche Signale reichen, um das technische Bild zu drehen, hängt letztlich davon ab, ob sich die Senatsblockade beim CLARITY Act löst.
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