Ripple Labs geht in die Offensive. Am 28. Mai reichte das Unternehmen einen technischen Vorschlag bei der SEC Crypto Task Force ein – mit weitreichenden Forderungen. Die Kernpunkte: niedrigere Kapitalanforderungen für Stablecoins und eine regulatorische Aufwertung von XRP auf das Niveau von Bitcoin und Ethereum.
Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt. Denn parallel dazu wächst Ripples eigene Stablecoin RLUSD rasant – und die XRP-Notierung fällt unter die psychologische Marke von 1,30 Dollar.
Null-Prozent-Abschlag für Stablecoins
Herzstück des Antrags ist eine Änderung von Rule 15c3-1. Derzeit müssen Broker-Dealer 2 Prozent des Werts von Stablecoins als Kapitalabschlag („Haircut“) abziehen, wenn diese als Sicherheit dienen. Ripples Analyse, die auf Fünf-Jahres-Volatilitätsdaten basiert, bezeichnet diese 2 Prozent als mathematisch überzogen.
Die Forderung: ein 0-Prozent-Haircut für Stablecoins mit direktem Mint-and-Burn-Mechanismus – konkret für Ripples eigenes RLUSD und für USDC. Gleichzeitig beantragt Ripple, XRP als „readily marketable“ einzustufen. Das würde XRP in der Kapitalberechnung für Broker-Dealer auf eine Stufe mit Bitcoin und Ethereum stellen.
Ein brisanter Vorstoß, der die gesamte Krypto-Regulierung neu justieren könnte.
RLUSD knackt 1,7 Milliarden Dollar
Die regulatorische Offensive fällt mit einem beeindruckenden Wachstumsschub zusammen. Ripples Dollar-Stablecoin RLUSD hat am 28. Mai die Marke von 1,7 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung überschritten. Vollständig besichert durch US-Staatsanleihen und Bargeld bei der BNY Mellon, wird RLUSD zunehmend von Großbanken für institutionelle Abwicklungen genutzt.
Dahinter steckt eine strategische Neuausrichtung. Nach der 1,25-Milliarden-Dollar-Übernahme von Hidden Road – inzwischen in Ripple Prime umbenannt – hat das Unternehmen neue Markenrechte für Prime Brokerage, Wertpapierleihe und Clearing-Dienstleistungen angemeldet. Ripple will nicht länger nur Zahlungsdienstleister sein, sondern eine vollwertige Infrastruktur-Plattform für institutionelle Finanzen.
Technisches Upgrade auf dem XRP Ledger
Erst am 27. Mai aktivierte das Netzwerk das Upgrade fixCleanup3_1_3. Die XRPL-Version 3.1.3 behebt gleich mehrere kritische Infrastrukturprobleme:
- Automatische Entfernung abgelaufener NFT-Angebote – Schluss mit „toten“ Daten auf dem Ledger
- Korrektur von Trust-Line-Limits und Buchungsfehlern im Lending-Protokoll
- Verbesserte Auszahlungsmechanismen für Single Asset Vaults
Kurs unter Druck – Institutionen bleiben interessiert
Trotz der regulatorischen und technischen Fortschritte: Der XRP-Kurs leidet unter den geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Iran. Am 28. Mai fiel der Kurs unter die Unterstützung von 1,30 Dollar und touchierte kurzzeitig 1,27 Dollar. Aktuell notiert XRP bei 1,33 Dollar – ein Minus von 2,6 Prozent in der Woche, 29 Prozent seit Jahresbeginn.
Analysten registrieren einen Rückgang der Großtransaktionen über eine Million Dollar um 57 Prozent in den letzten neun Tagen. Institutionen verhalten sich abwartend. Gleichzeitig flossen im Mai 2026 netto 118 Millionen Dollar in XRP-basierte ETFs. Die institutionelle Nachfrage ist also intakt – sie wartet offenbar auf klare regulatorische Signale. Ripple hat die Vorlage dafür gerade eingereicht.
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