Am XRP-Terminmarkt ist der Hebeleinsatz deutlich gesunken. Nach Angaben von CryptoQuant fiel die Leverage-Ratio auf Binance in weniger als einem Monat um 26,2 %. Die verbliebenen Händler setzen allerdings überwiegend auf steigende Kurse. Damit hat sich ein Teil des spekulativen Risikos abgebaut, ohne dass die Positionierung ausgewogen wäre.
Hebelabbau ist keine Entwarnung
Die Binance-XRP-Leverage-Ratio sank von rund 0,229 im September auf 0,169 heute. Der Rückgang zeigt einen geringeren Hebeleinsatz. Er bedeutet jedoch nicht, dass die verbliebenen Marktteilnehmer weniger einseitig aufgestellt sind.
Auch auf OKX ging das offene Interesse an XRP-Futures zwischen dem 22. September und dem 16. Oktober zurück. Anschließend zog es wieder etwas an. Der Abbau spekulativer Positionen verlief damit nicht geradlinig.
Gestern lag das Verhältnis von Long- zu Short-Konten auf OKX bei 3,45. Konten mit Positionen auf steigende Kurse waren somit deutlich in der Überzahl. Das Kontenverhältnis beschreibt allerdings die Verteilung der Konten, nicht die Größe ihrer jeweiligen Positionen.
Für Anleger sind das zwei unterschiedliche Signale: Weniger Hebel spricht für einen Rückgang der zuvor aufgebauten Spekulation. Die starke Long-Neigung zeigt zugleich, dass die verbleibenden Händler weiterhin klar auf eine Erholung setzen.
Short-Liquidierungen begleiten den Anstieg
Parallel dazu meldet TRdesk heute liquidierte XRP-Positionen im Wert von 4,4 Mio. US-Dollar innerhalb eines Tages. Davon entfielen rund 3,6 Mio. US-Dollar beziehungsweise etwa 80 % auf Short-Positionen.
Die erzwungene Schließung von Wetten auf fallende Kurse begleitete damit die Erholung. Das unterscheidet solche Liquidierungen von freiwilligen neuen Käufen: Sie dokumentieren zunächst den Druck auf falsch positionierte Händler, nicht automatisch eine dauerhaft stärkere Nachfrage.
XRP gewinnt heute 4,2 % und notiert bei 1,39 USD. Die Kursreaktion passt zum Druck auf Short-Positionen. Aus dem gleichzeitigen Auftreten lässt sich jedoch nicht ableiten, welcher Anteil des Anstiegs auf Liquidierungen zurückgeht.
ETF-Nachfrage bestätigt die Bewegung nicht
Bei den XRP-Spot-ETFs fehlt bislang ein entsprechendes Zuflusssignal. In der Woche bis Freitag verzeichneten die Produkte Nettoabflüsse von 1,84 Mio. US-Dollar. Für Montag und gestern weist SoSoValue keine Zuflüsse aus.
Damit ergibt sich ein gemischtes Bild. Am Terminmarkt sinkt der Hebeleinsatz, während Short-Positionen unter Druck geraten. Bei den börsengehandelten Spot-Produkten ist dagegen noch keine neue Nachfragewelle erkennbar.
Die entscheidende Unterscheidung lautet deshalb: XRP zeigt eine Erholung bei geringerer Hebelbelastung, aber noch keinen durch ETF-Zuflüsse bestätigten Nachfrageaufschwung. Die weiterhin einseitige Positionierung auf steigende Kurse bleibt dabei ein wichtiger Vorbehalt.
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