Ein Netzwerk wächst, ein Kurs schwächelt. XRP knackt die Marke von acht Millionen Wallet-Adressen, während der Token gleichzeitig unter Druck steht und eine kritische Unterstützungszone testet. Zwei Signale, eine Frage: Wiegt das fundamentale Wachstum schwerer als der charttechnische Rückschlag?
Am 28. Juli bestätigten On-Chain-Daten den Meilenstein. Acht Millionen einzigartige Adressen auf dem XRP Ledger markieren eine deutliche Verbreiterung der Nutzerbasis. Interessant ist dabei weniger die reine Zahl als die Verschiebung der Besitzstruktur.
Vermögensverteilung verschiebt sich
Wer heute 2.151 XRP hält, zählt bereits zu den obersten 10 Prozent aller Wallets. Für die Top-1-Prozent-Marke braucht es inzwischen rund 44.000 XRP. Diese Schwellenwerte sinken tendenziell, je mehr Kleinanleger einsteigen.
Analysten lesen daraus ein Zeichen sinkender Konzentration. Privatanleger drängen nach, während große Halter — die sogenannten Wale — offenbar Kursrückgänge weiterhin zum Nachkaufen nutzen. Beide Gruppen wachsen parallel, nur mit unterschiedlichem Tempo.
Der CLARITY Act als Kurstreiber
In Washington bleibt die Regulierung der entscheidende Hebel für XRP. Die republikanischen Senatoren Tim Scott und John Boozman drängen auf eine Abstimmung zum CLARITY Act. Das Gesetz soll XRP als digitales Rohstoffgut unter Bundesaufsicht einordnen und damit regulatorische Klarheit schaffen.
Die Wettplattform Polymarket zeigt die Stimmung der Marktteilnehmer: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Act noch 2026 unterschrieben wird, stieg diese Woche auf 38 Prozent. Ein mögliches Abstimmungsfenster sehen Experten in der Woche ab dem 3. August, kurz vor der Kongresspause.
ETFs und ein neuer AI-Standard
Institutionelle Anleger bauen ihre Positionen weiter aus. Sieben US-Spot-ETFs auf XRP verwalten inzwischen zusammen rund 1,5 Milliarden Dollar. Die täglichen Zuflüsse haben sich zwar auf unter eine Million Dollar abgeschwächt, Anbieter wie Franklin Templeton und Bitwise halten aber an ihren langfristigen Allokationen fest.
Auf der technischen Seite hat der XRP Ledger den Mastercard-Standard „Verifiable Intent“ integriert, umgesetzt durch den Anbieter t54.ai. Das System erlaubt autonome, KI-gesteuerte Transaktionen. Kryptografische Nachweise autorisieren Zahlungen und setzen Ausgabelimits — eine Grundlage für das, was als „agentisches“ KI-Handeln bezeichnet wird.
Charttechnik unter Druck
Der Kurs notiert aktuell bei 1,05 Dollar und liegt damit rund 69 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,37 Dollar aus dem August 2025. Auf Tagesbasis verlor XRP zuletzt 5,12 Prozent, der RSI von 39,8 signalisiert keine überverkaufte, aber schwache Marktlage.
Entscheidend ist jetzt die Zone zwischen 1,05 und 1,08 Dollar. Rutscht XRP darunter, rückt eine zweite Unterstützung bei 0,88 Dollar in den Blick — sie deckt sich mit dem 111-Monats-EMA. Für ein bullisches Signal braucht es dagegen einen Tagesschluss über 1,15 Dollar, mit Anschlusszielen bei 1,18 und 1,21 Dollar.
Das Handelsvolumen ist binnen 24 Stunden um über 63 Prozent auf etwa 956 Millionen Dollar gesprungen. Ein deutlicher Anstieg der Aktivität, gerade während der Test der Unterstützungszone läuft. Ob die Marke hält, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen — die Abstimmung zum CLARITY Act Anfang August könnte dabei den nächsten Impuls liefern.
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