Fast zwei Jahre lang hat XRP die psychologische Marke von einem Dollar verteidigt. Diese Serie steht jetzt auf der Kippe. Ein Bridge-Hack, ein geplatztes SEC-Meeting und ein Kongress in der Sommerpause setzen dem Coin zu — und der Kurs testet gerade die untere Grenze seiner charttechnischen Unterstützung.
Am Dienstag notiert XRP bei rund 0,9952 Dollar. Erst am Wochenende, am 15. August, markierte der Coin bei 0,9887 Dollar ein neues 52-Wochen-Tief. Auf Jahressicht steht ein Minus von 46 Prozent zu Buche, gegenüber dem Hoch von 3,18 Dollar aus dem September 2025 fehlen sogar 69 Prozent.
Die Serie von 635 Tagen steht auf dem Prüfstand
Seit November 2024 hat XRP an 635 aufeinanderfolgenden Handelstagen über der Ein-Dollar-Marke geschlossen. Diese Serie geriet in der vergangenen Woche gleich zweimal unter Druck. Käufer konnten den Kurs bislang jedes Mal zurück über die Parität schieben.
Ausgelöst wurde die jüngste Schwäche durch einen Sicherheitsvorfall, der am 11. und 14. August bekannt wurde. Über eine Bridge zwischen der TX Chain und dem XRP Ledger erbeuteten Angreifer umgerechnet rund 200.000 Dollar. Gemessen an der Marktkapitalisierung von 63 Milliarden Dollar ist der Schaden gering. Trotzdem reichte die Nachricht, um die Ein-Dollar-Marke im untertägigen Handel kurzzeitig zu durchbrechen.
SEC sagt Krypto-Meeting ab
Parallel zur technischen Schwäche wächst die regulatorische Unsicherheit. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte für Freitag, den 14. August, ein offenes Meeting zum Thema „Regulation Crypto Assets“ angesetzt. Dabei sollte ein Rahmenwerk für digitale Investmentverträge und tokenisierte Wertpapiere diskutiert werden.
Die Behörde sagte den Termin jedoch kurzfristig ab, noch am geplanten Tag selbst. Zeitgleich ging der US-Kongress in die August-Pause, ohne den sogenannten CLARITY Act voranzubringen. Das zentrale Krypto-Regulierungsgesetz wird nun frühestens ab dem 15. September wieder zur Abstimmung stehen.
Technisches Upgrade und ETF-Zuflüsse als Gegengewicht
Während Kurs und Regulierung belasten, macht das XRP Ledger technisch Fortschritte. Das Netzwerk wechselte kürzlich zur Version 3.3.0. Das Upgrade bringt vertrauliche Transaktionen, Sammelüberweisungen und ein neues Berechtigungssystem — Funktionen, die vor allem institutionelle Nutzer und die Tokenisierung realer Vermögenswerte ansprechen sollen.
Am 6. August entfernten die Entwickler zudem fünf veraltete Protokoll-Erweiterungen, darunter den ursprünglichen „Clawback“-Code. Der Codebasis soll das schlanker und wartungsfreundlicher machen.
Auf der institutionellen Seite bleibt das Bild gemischt, aber positiv. Die sieben zugelassenen Spot-XRP-ETFs in den USA verwalten mittlerweile zusammen 994 Millionen Dollar. Die wöchentlichen Zuflüsse sind allerdings vom Juli-Hoch von 14,86 Millionen Dollar auf zuletzt 2,25 Millionen Dollar gesunken — immerhin bleibt der Trend positiv.
Was die Charttechnik zeigt
Der Relative-Stärke-Index steht bei 35,2 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Der Kurs liegt inzwischen 7,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und ganze 22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt bei 1,28 Dollar. Das signalisiert einen intakten Abwärtstrend über mehrere Zeithorizonte.
Besonders brisant: Marktdaten zeigen etwa 380 Millionen XRP, die von größeren Haltern nahe der Ein-Dollar-Marke akkumuliert wurden. Gleichzeitig stehen auf großen Börsen gehebelte Long-Positionen im Wert von 1,5 Milliarden Dollar im Feuer. Bricht die 635-Tage-Serie endgültig, drohen Liquidationskaskaden.
Sollte die Unterstützung fallen, nennen Charttechniker die Marken bei 0,95 und 0,90 Dollar als nächste Anlaufstellen. Bis dahin bleibt die Ein-Dollar-Linie der Punkt, an dem sich Käufer und Verkäufer messen.
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