Wer XRP in den vergangenen Wochen beobachtet hat, kennt das Muster: Kurs runter, Stimmung im Keller, dann ein plötzlicher Ruck nach oben. Genau das ist Anfang Juli wieder passiert. Am 3. Juli sprang der Kurs um 5 Prozent auf 1,14 US-Dollar, nachdem die Marke von 1,10 Dollar fiel und einen Short Squeeze auslöste.
Das Handelsvolumen an diesem Tag erreichte 1,7 Milliarden Dollar, die Marktkapitalisierung lag bei rund 71 Milliarden Dollar. Für XRP war es der höchste Stand seit drei Tagen. Die Erholung begann bereits am 1. Juli bei etwa 1,02 Dollar.
Aktuell notiert XRP bei 1,09 Dollar, ein Plus von 3,25 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Gewinn von 4,24 Prozent zu Buche. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings ein Minus von gut 10 Prozent — die kurzfristige Erholung ändert nichts am mittelfristigen Abwärtstrend.
Käufer drängen zurück in den Markt
Das Verhältnis von Taker-Käufen zu Taker-Verkäufen erreichte am 4. Juli den höchsten Stand des laufenden Jahres. Das deutet auf aggressives Kaufverhalten in den Perpetual-Märkten hin, selbst während sich der Preis nur in einer engen Spanne zwischen 1,11 und 1,15 Dollar bewegte.
Parallel dazu wurden die Netto-Wallet-Flows negativ. Größere Mengen XRP verließen die Börsen — ein Verhalten, das typischerweise auf Akkumulation durch größere Halter hindeutet. Einen solchen Trend gab es zuletzt im Juli 2025.
Nicht alle Signale zeigen in dieselbe Richtung. Die Coin-Days-Destroyed-Metrik verzeichnete den größten Sprung seit April 2026. Das bedeutet: Auch lange gehaltene Token wurden bewegt oder verkauft. Ein Teil der Investoren nimmt offenbar Gewinne mit, während andere zukaufen.
MVRV-Werte auf 12-Jahres-Tief
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Market-Value-to-Realized-Value-Kennzahl. Der 30-Tage-MVRV steht bei minus 45 Prozent, der 365-Tage-MVRV bei minus 47 Prozent. Zusammen markieren beide Werte den niedrigsten Stand seit 12 Jahren.
Historisch gingen solch tiefe „Unterwasser“-Positionen bei kurzfristigen wie langfristigen Haltern häufig einer Erholungsrally voraus. Der Verkaufsdruck erschöpft sich an solchen Punkten oft von selbst. Hinzu kommt: Die Network-Value-to-Transactions-Ratio schoss am 3. Juli um fast 471 Prozent binnen 24 Stunden auf 194,71 — ein Hinweis auf eine mögliche Divergenz zwischen Kurs und tatsächlicher Netzwerknutzung.
Der technische Chart liefert derweil gemischte Signale. Der RSI steht bei 42,9, also im neutralen Bereich ohne klare Überkauft- oder Überverkauft-Situation. Der Kurs notiert 10,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 27 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 1,49 Dollar. Zum 52-Wochen-Tief vom 26. Juni bei 1,01 Dollar beträgt der Abstand nur noch gut 7 Prozent.
Institutionen bleiben trotz Goldman-Ausstieg engagiert
Goldman Sachs hat seine XRP-ETF-Positionen im ersten Quartal 2026 komplett verkauft. Das geht aus einer Form-13F-Meldung bei der US-Börsenaufsicht SEC von Mai 2026 hervor. Ende 2025 hielt die Bank noch XRP-Fonds im Wert von knapp 154 Millionen Dollar.
Der Ausstieg eines großen Namens klingt zunächst nach einem Warnsignal. Die Fondsflüsse insgesamt erzählen aber eine andere Geschichte: Spot-XRP-ETFs verzeichnen seit acht Wochen in Folge Nettozuflüsse. Am 2. Juli kamen 6,55 Millionen Dollar hinzu, nachdem zuvor zwei Tage mit kleinen Abflüssen aufgetreten waren.
Seit dem Start des ersten Produkts von Canary Capital im November 2025 haben Spot-XRP-ETFs insgesamt 1,48 Milliarden Dollar eingesammelt. Ripple selbst wickelte am 1. Juli seine planmäßige monatliche Escrow-Routine ab: 1 Milliarde XRP wurden freigegeben, 700 Millionen davon — also 70 Prozent — erneut eingeschlossen.
Auf technischer Seite nähert sich das XRP-Ledger einem weiteren Meilenstein: 1 Million KI-gesteuerte Transaktionen, größtenteils getrieben durch das x402-Protokoll für autonome KI-Zahlungen. Über den eingebauten Fee-Burning-Mechanismus des Netzwerks entsteht dadurch ein leicht deflationärer Effekt auf das Angebot.
Auf regulatorischer Seite richtet sich der Blick nun auf den US-Senat. Für Ende Juli oder August 2026 wird eine Abstimmung über den CLARITY Act erwartet, der die rechtliche Einordnung von XRP als Asset klarer definieren könnte.
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