XRP notiert an diesem Wochenende bei 1,09 US-Dollar, nur wenig über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar. Der Kurs hält sich seit Wochen in einer engen Spanne. Unter der Oberfläche zeigt sich jedoch ein Bild, das nicht zur Ruhe am Chart passt: Die tatsächliche Nutzung des XRP Ledger fällt auf einige der schwächsten Werte des Jahres.
Netzwerkaktivität so niedrig wie selten
Die Blockchain-Analysefirma Santiment registrierte zuletzt nur noch 25.350 aktive Adressen pro Tag. Das war der zweitniedrigste Wert des Jahres. Die Zahl neu erstellter Wallets fiel auf 2.130 – der niedrigste Stand seit November 2024.
Seitdem ging es weiter abwärts. Aktive Adressen sanken zwischenzeitlich auf 22.888. Damit unterbietet das Netzwerk sogar die eigenen Tiefstwerte vom Frühsommer.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt dieses Rückgangs. Anfang Juni schwächelte die Aktivität bereits, am 15. Juni kam es dann zu einer kurzen Erholung: Käufer nutzten den Kursrücksetzer, die Zahl aktiver Adressen zog kurzzeitig an. Die Erholung hielt nicht lange. XRP korrigierte zurück in die vertraute Spanne zwischen 1,05 und 1,15 Dollar, während die Netzwerkaktivität erneut abbröckelte – und diesmal nicht mehr auf das Niveau vor der kurzen Rally zurückfand.
Die Diskrepanz ist ungewöhnlich für einen Coin, der sich stabil in der Nähe wichtiger Marken hält. Während XRP knapp unter der 1,10-Dollar-Marke verharrt und einen Bruch der Ein-Dollar-Schwelle bislang vermeidet, fallen aktive Adressen und Wallet-Neugründungen auf Mehrmonats- beziehungsweise Jahrestiefs. Bestehende Liquidität und größere Halter scheinen den Kurs zu stützen, während immer weniger Nutzer das Netzwerk aktiv verwenden.
Ein zweiter Datenpunkt verstärkt das vorsichtige Bild. Nach Zahlen von Xaif Crypto verschieben sich die Netto-Handelsströme von XRP deutlich zwischen den Börsen: Der Anteil von Coinbase an den Flows fiel von rund 28 Prozent auf nur noch 1,8 Prozent. Bittrex erfasste dagegen fast 30 Prozent – der höchste Wert seit Monaten für die kleinere Plattform.
Diese Verschiebung wird nicht als positives Signal gelesen. Wandert XRP von einer stark regulierten Börse zu einem kleineren Anbieter mit weniger institutioneller Aufsicht, deutet das häufig auf bevorstehenden Verkaufsdruck hin.
ETF-Serie wackelt
Parallel zur schwächelnden Netzwerkaktivität gerät eines der verlässlichsten bullischen Signale des Jahres unter Druck. Spot-ETFs auf XRP sammelten über neun Wochen in Folge Zuflüsse ein, kumuliert 1,48 Milliarden Dollar – selbst während heftiger Kursschwäche blieb die Serie intakt. Für die Woche bis zum 9. Juli meldeten die Fonds nun erstmals 7,29 Millionen Dollar an Nettoabflüssen.
Die finalen Zahlen für den Freitag stehen noch aus. Sie entscheiden, ob die Zuflussserie nach zehn Wochen reißt. Selbst falls sie endet, bleiben die kumulierten 1,48 Milliarden Dollar an Zuflüssen bestehen. Ein erster negativer Wochenabschluss wäre dennoch ein Stimmungssignal – ausgerechnet in dem Moment, in dem XRP seinen technisch wichtigsten Ausbruchsversuch des Jahres unternimmt.
Charttechnik: Enge Spanne, gemischte Signale
Der Kurs pendelt weiterhin zwischen 1,08 und 1,10 Dollar. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,17 Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,46 Dollar – beide deutlich über dem aktuellen Niveau. Die Marke von 1,07 Dollar gilt als nächste Unterstützung, 1,15 Dollar als entscheidender Widerstand am oberen Rand des fallenden Kanals.
Der RSI liegt aktuell bei 44,1 und hat sich von den überverkauften Ständen im Juni bereits erholt. Kursverlauf und RSI zeigen eine bullische Divergenz: Während der Preis neue Tiefs markierte, hielt der RSI höhere Tiefs – ein Hinweis auf aufbauende Dynamik trotz der Kursschwäche. Die komplette EMA-Struktur bleibt jedoch bärisch, mit dem 20-Tage-EMA bei 1,1119 Dollar als erster Hürde über dem aktuellen Kurs. Ein Tagesschluss oberhalb dieser Marke wäre das erste Signal, dass sich der aktuelle Ausbruchsversuch von den beiden gescheiterten Anläufen zuvor unterscheidet.
Auf Jahressicht steht XRP mit einem Minus von 41,75 Prozent da, auf Zwölfmonatssicht beträgt der Rückgang 54,55 Prozent. Vom Allzeithoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen den Coin derzeit gut 70 Prozent.
Mögliche neue Wachstumstreiber für die Netzwerkaktivität zeichnen sich bereits ab, auch wenn sie noch nicht greifen. Der Dollar-Stablecoin RLUSD könnte über mehr Transfers zwischen Börsen und Zahlungsplattformen zusätzliche Nutzung bringen. Auch tokenisierte Vermögenswerte und zusätzliche Unterstützung durch Dienstleister gelten als mögliche Wege zu neuer Netzwerkaktivität.
Ein nachhaltiger Ausbruch über 1,15 Dollar würde die aktuell bärische Struktur infrage stellen und den Weg zu einer Rally Richtung 1,20 bis 1,25 Dollar öffnen. Verliert XRP dagegen die Unterstützung bei 1,07 Dollar, rückt ein erneuter Test der psychologisch wichtigen Ein-Dollar-Marke in greifbare Nähe.
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