Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
es gibt Momente an der Börse, die sich erst im Rückblick als Wendepunkt erweisen. Beim chinesischen Elektrofahrzeughersteller XPeng könnte ein solcher Moment gerade passiert sein. Das Unternehmen meldete für das vierte Quartal 2025 erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Quartalsgewinn. Kein symbolisches Ergebnis auf dem Papier, sondern ein Nettogewinn von 380 Millionen Renminbi, umgerechnet rund 55 Millionen US-Dollar. Für ein Unternehmen, das in den Jahren zuvor Milliardenverluste schrieb, ist das eine bemerkenswerte Zäsur.
Die Frage für Anleger lautet nun: War das ein Einmaleffekt oder der Beginn einer echten Profitabilitätskurve?
Zahlen, die das Bild verändern
Das vierte Quartal 2025 lieferte XPeng auf mehreren Ebenen starke Resultate. Der Gesamtumsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 38,2 Prozent auf 22,25 Milliarden Renminbi. Damit übertraf das Unternehmen die Markterwartungen, die einen Verlust von rund 20 Millionen Renminbi prognostiziert hatten. Stattdessen kam Schwarz heraus.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung der Bruttomarge. Sie kletterte im vierten Quartal auf 21,3 Prozent gegenüber 14,4 Prozent im Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr 2025 lag die Bruttomarge bei 18,9 Prozent, ein Anstieg um 4,6 Prozentpunkte gegenüber 2024. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines gezielten Wandels im Produktmix hin zu margenstarken Modellen sowie konsequenter Kostensenkungen in der Fertigung.
Die Auslieferungen lagen im Schlussquartal bei 116.249 Fahrzeugen. Für das Gesamtjahr 2025 meldete XPeng rund 429.445 Auslieferungen, ein Plus von 126 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen schloss das Jahr mit einem Kassenbestand von 47,66 Milliarden Renminbi, umgerechnet knapp 6,8 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow belief sich auf rund 5 Milliarden Renminbi. XPeng ist finanziell gut aufgestellt, um die nächste Wachstumsphase zu finanzieren.
Physical AI: Das eigentliche Investitionsthema
XPeng ist längst mehr als ein Elektroauto-Hersteller. Das Unternehmen positioniert sich als Anbieter von sogenannter Physical AI, künstlicher Intelligenz, die nicht nur in digitalen Systemen, sondern in physischen Maschinen wirkt: in Fahrzeugen, Robotaxis und humanoiden Robotern.
Den Kern dieser Strategie bildet der hauseigene Turing-KI-Chip. Dieser wurde im dritten Quartal 2025 in die Serienproduktion überführt. Bis Ende des ersten Quartals 2026 wurden bereits mehr als 200.000 Einheiten ausgeliefert. Ab dem zweiten Quartal 2026 sollen alle XPeng-Modelle mit dem Turing-SoC ausgestattet sein. Das Ziel für das Gesamtjahr: knapp eine Million Einheiten. Volkswagen ist der erste externe Abnehmer des Chips, ein Signal für die Wettbewerbsfähigkeit der Technologie weit über die Grenzen Chinas hinaus.
Parallel dazu hat XPeng sein autonomes Fahrsystem VLA 2.0 offiziell ausgerollt. Das System basiert auf einem eigens entwickelten Sprachmodell für die physische Welt und soll die Lücke zwischen Level-2-Fahrunterstützung und vollständig autonomem Fahren schließen. Nach internen Tests berichtete das Management, dass Passagiere kaum unterscheiden konnten, ob ein Mensch oder die KI fuhr. Seit dem Start im März 2026 haben sich die Anzahl der Probefahrten in den XPeng-Stores monatlich mehr als verdoppelt. Das Unternehmen sieht darin einen klaren Hebel für steigende Conversion-Raten und höhere Durchschnittspreise.
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Robotaxis und Roboter: Die nächste Stufe
Für das zweite Halbjahr 2026 plant XPeng den Start eines Robotaxi-Pilotbetriebs in China – zunächst noch mit Sicherheitsfahrer. Für Anfang 2027 ist der fahrerlosen Betrieb geplant. Die GX-Robotaxi-Variante hat bereits die Genehmigung für Straßentests in Guangzhou erhalten. Parallel laufen Gespräche über strategische Partnerschaften für internationale Märkte.
Noch ambitionierter sind die Pläne rund um den humanoiden Roboter IRON. Angetrieben von drei Turing-SoCs und einer auf das Fahrzeugsystem aufbauenden KI-Architektur soll IRON bis Ende 2026 in die Serienproduktion gehen. Das Produktionsziel liegt bei mehr als 1.000 Einheiten pro Monat bis Jahresende. Erste Einsatzbereiche sollen kommerzielle Anwendungen in XPeng-Stores und auf Unternehmensgeländen sein, ehe das System schrittweise in industrielle und schließlich in private Haushalte vordringt.
Das Management sieht im Markt für Physical AI über die nächsten fünf bis zehn Jahre ein Potenzial, das die heutige Automobilindustrie übersteigen könnte. Allein die Märkte für Robotaxis und humanoide Roboter werden intern auf jeweils ein- bis zehnstellige Billionen-Dollar-Volumina taxiert.
Kursschwäche trotz operativer Stärke
Trotz der operativen Fortschritte notiert die XPeng-Aktie derzeit rund zwölf Prozent unter dem Niveau von vor einem Jahr und liegt damit nahe dem Ausgabepreis des Börsengangs. Der Grund ist vor allem der Ausblick auf das erste Quartal 2026: Das Unternehmen erwartet Auslieferungen zwischen 61.000 und 66.000 Fahrzeugen, ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz wird mit 12,2 bis 13,2 Milliarden Renminbi prognostiziert. Der schwierige Vergleichsquartal aus 2025 sowie Verzögerungen im Modellanlauf belasten die kurzfristige Optik.
Marktbeobachter sehen die Schwäche allerdings als temporär. Die Kursziele renommierter Investmenthäuser liegen teils deutlich über dem aktuellen Handelsstand. Während eines Kursbereichs von rund 17 bis 18 US-Dollar sehen Analysten Aufwärtspotenzial von 30 bis über 80 Prozent, abhängig vom Zeithorizont und den Annahmen zur Profitabilitätsentwicklung.
Globale Expansion als Wachstumstreiber
XPeng wächst auch außerhalb Chinas. Die Auslandsauslieferungen verdoppelten sich 2025 auf rund 45.000 Einheiten und generierten bereits mehr als 15 Prozent des Gesamtumsatzes. Europa ist der größte Auslandsmarkt, allen voran die nordischen Länder sowie die großen Märkte Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
Für 2026 ist erneut eine Verdoppelung der Auslandsauslieferungen geplant, der Umsatzanteil soll auf über 20 Prozent steigen. Zudem plant XPeng den Aufbau eines eigenen Schnellladenetzwerks in zehn internationalen Märkten sowie die Eröffnung von 680 Vertriebs- und Servicepunkten weltweit, doppelt so viele wie Ende 2025.
Denkanstoß für Anleger
XPeng hat gezeigt, dass der Weg von der Wachstumsstory zur profitablen Technologieplattform keine Utopie ist. Der erste Quartalsgewinn ist ein Meilenstein. Kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis mehrerer Jahre konsequenter Investitionen in Technologie, Margen und globale Skalierung. Die kurzfristige Schwäche im ersten Quartal 2026 bietet auf diesem Fundament eine interessante Ausgangsbasis.
Was auch für die Aktie gilt. Diese befindet sich allerdings immer noch in einer charttechnisch herausfordernden Situation mit einerseits Chancen auf einen Ausbrich nach oben, andererseits weiteren Abwärtsrisiken, die dann wenige rim Unternehmen selber liegen, sondern im globalen Umfeld. Trotzdem gilt in der weiteren Perspektive: Wer langfristig in das Thema Physical AI investieren möchte, findet in XPeng eine der wenigen Adressen, die sowohl die technologische Kompetenz als auch die operative Umsetzungsstärke mitbringen.
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