XPeng kämpft sich zurück: Nach dem heftigen Kurseinbruch infolge der Quartalszahlen vom Montag legt die Aktie am Mittwoch um 2,9 Prozent auf 10,24 Euro zu. Der Titel bleibt damit klar unter dem Niveau vor der Berichtssaison, doch die Erholung zeigt, dass Anleger die Nachrichtenlage differenzierter bewerten als noch zu Wochenbeginn.
Schwache Prognose belastet, Robotik-Milliarden stützen
Auslöser des Ausverkaufs war ein enttäuschender Ausblick für das dritte Quartal. XPeng stellte einen Umsatz zwischen 21,7 und 23,4 Milliarden Yuan in Aussicht – deutlich unter der Konsensschätzung von 26,69 Milliarden Yuan. Zugleich fiel der bereinigte Verlust je American Depositary Share mit 1,29 Yuan höher aus als die von Analysten erwartete 0,91 Yuan.
Das Kerngeschäft mit Elektrofahrzeugen bleibt damit unter Druck, auch wenn die Lieferungen im zweiten Quartal um 65 Prozent zum Vorquartal auf 103.295 Fahrzeuge sprangen und der Umsatz um 8 Prozent im Jahresvergleich auf 19,74 Milliarden Yuan stieg.
Parallel dazu sorgte die Finanzierung der Robotik-Sparte für positive Schlagzeilen. XPeng Robotics sammelte mehr als 900 Millionen US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 6,2 Milliarden US-Dollar ein, angeführt von IDG Capital mit strategischer Beteiligung von Tencent und Alibaba.
Der humanoide Roboter IRON verfügt über 76 Freiheitsgrade und wird von drei Turing-KI-Chips angetrieben. Die Serienproduktion ist für das Jahresende geplant, externe Auslieferungen sollen 2027 folgen. Diese Kapitalspritze gilt als wichtiger Grund, warum sich der Kurs nach dem Einbruch stabilisieren konnte.
Margen halten sich, Ausblick bleibt verhalten
Ein Lichtblick im ansonsten schwachen Zahlenwerk war die Bruttomarge, die trotz branchenweiter Kostendrucks bei 20,7 Prozent verharrte – die Fahrzeugmarge lag bei 12,1 Prozent. Auch die Auslandsgeschäfte entwickelten sich robust: Die Auslieferungen außerhalb Chinas übertrafen im zweiten Quartal 20.000 Einheiten, ein Plus von 81 Prozent zum Vorjahr, und internationale Erlöse machten im ersten Halbjahr mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes aus.
Für das dritte Quartal rechnet XPeng mit 115.000 bis 121.000 ausgelieferten Fahrzeugen, ein Plus zwischen 11,3 und 17,1 Prozent zum Vorquartal. Das würde operative Fortschritte signalisieren, reicht aber offenbar nicht, um die Umsatzlücke zur Konsensschätzung zu schließen.
Mehrere Analysehäuser reagierten mit Kurszielsenkungen: Tiger Securities strich sein Kursziel von 20 auf 15 US-Dollar zusammen und verwies auf die gemischten Quartalszahlen sowie den schwächeren kurzfristigen Ausblick. Macquarie senkte sein Ziel auf 18 US-Dollar, bekräftigte jedoch die Einstufung „Outperform“ und begründete den Schritt mit niedrigeren Bewertungen bei Wettbewerbern.
Charttechnik zeigt tiefe Spuren
Die charttechnische Bilanz bleibt trübe: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 43 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 51 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 24,40 Euro, erreicht Mitte November, trennen den Titel derzeit 58 Prozent.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 11,02 Euro besteht weiterhin ein Abstand von 7,1 Prozent nach unten, was die kurzfristige Schwäche unterstreicht. Ob die Robotik-Fantasie ausreicht, um das schwächelnde Kerngeschäft mit Elektrofahrzeugen langfristig zu kompensieren, dürfte die entscheidende Frage für Anleger in den kommenden Monaten bleiben.
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