XPeng steckt in einer Zwickmühle: Während das Kerngeschäft mit E-Autos enttäuscht, spült die Robotik-Tochter frisches Kapital in Milliardenhöhe herein. Die Aktie honoriert das nicht – sie notiert bei 9,54 Euro nur noch 1,3 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief.
Umsatz und Ausblick verfehlen die Erwartungen
Der chinesische Elektroautobauer legte am Montag Zahlen für das zweite Quartal vor, die an der Börse für Ernüchterung sorgten. Der Umsatz stieg zwar um 8 Prozent auf umgerechnet 2,91 Milliarden Dollar, verfehlte damit aber die Konsensschätzung von 2,95 Milliarden Dollar.
Schwerer wog der Nettoverlust von umgerechnet 0,20 Milliarden Dollar, der sich gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich ausweitete. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 19 US-Cent und damit klar über den erwarteten 0,76 Yuan Konsens.
Auch der Ausblick auf das dritte Quartal fiel schwach aus: XPeng stellt einen Umsatz zwischen 21,70 und 23,40 Milliarden Yuan in Aussicht – deutlich unter der Konsenserwartung von 25,88 Milliarden Yuan.
Die Auslieferungsprognose für das dritte Quartal liegt bei 115.000 bis 121.000 Fahrzeugen, was im besten Fall ein leichtes Plus, im schlechtesten Fall sogar ein Minus gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde. Die Aktie reagierte auf die Zahlen mit einem Kursrutsch von rund 7 Prozent am Handelstag.
Positiver fiel die operative Entwicklung im Kerngeschäft aus: Die Bruttomarge kletterte im zweiten Quartal um 3,4 Prozentpunkte auf 20,7 Prozent, und die Auslieferungen legten gegenüber dem Vorquartal um 64,8 Prozent auf 103.295 Fahrzeuge zu.
Die Kassenposition belief sich zum 30. Juni auf umgerechnet 5,97 Milliarden Dollar. Auch das Servicegeschäft, das unter anderem Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen für andere Autohersteller umfasst, wuchs um 94 Prozent auf 2,70 Milliarden Yuan.
Robotik-Einheit sammelt 900 Millionen Dollar ein
Parallel zu den schwachen Kernzahlen meldete XPeng einen milliardenschweren Coup: Die Robotik-Tochter Dogotix Inc. schloss ihre erste Finanzierungsrunde über 900 Millionen Dollar ab, bei einer Bewertung von mehr als 6,3 Milliarden Dollar nach der Runde. 600 Millionen Dollar kamen von externen Investoren unter Führung von IDG Capital, mit Alibaba und Tencent als strategischen Geldgebern.
Die restlichen 300 Millionen Dollar teilen sich der XPeng-Mutterkonzern und das Management. Das Geld soll in humanoide Roboter-Hardware, das Training sogenannter Physical-AI-Modelle sowie den Aufbau von Fertigungskapazitäten fließen.
XPeng peilt für sein Roboter-Modell IRON eine Produktion von 1.000 Einheiten pro Monat bis Jahresende an, mit ersten Einsätzen im Einzelhandel und in der Industrie noch in diesem Jahr und breiterem kommerziellem Verkauf ab 2027.
Analysten werden vorsichtiger
Macquarie senkte am Montag das Kursziel für XPeng auf 18 Dollar und begründete den Schritt mit niedrigeren Bewertungsansätzen nach den Quartalszahlen. Der Kommentar spiegelt eine vorsichtigere Haltung zur kurzfristigen operativen Umsetzung wider. Die Mehrheit der Analysten stuft die Aktie weiterhin positiv ein, doch die jüngste Kürzung des Kursziels zeigt, dass die Profitabilitätssorgen nach den enttäuschenden Zahlen zunehmen.
Die Kursbewegung der vergangenen Wochen unterstreicht die Unsicherheit: Auf Monatssicht hat das Papier 15 Prozent verloren, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 47 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 33 signalisiert eine überverkaufte Aktie, was kurzfristig für eine technische Gegenbewegung sprechen könnte – die fundamentale Wachstumsverlangsamung im Kerngeschäft bleibt davon aber unberührt.
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