XPeng kämpft an zwei Fronten. Auf der einen Seite steht ein Qualitätsproblem beim Flaggschiff-Modell X9, das den Konzern Ende Juni zur öffentlichen Entschuldigung zwang. Auf der anderen Seite treibt der chinesische Elektroautobauer seine Europa-Expansion voran. Wie beides zusammenpasst, zeigt sich gerade am Aktienkurs.
Am Freitag schloss das Papier bei 11,82 Euro, ein Minus von 3,90 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 3,50 Prozent. Die kurzfristige Erholung ändert nichts am größeren Bild: Seit Jahresbeginn hat die Aktie 34,52 Prozent verloren.
Garantie-Ausweitung nach Hitzeproblemen in Chongqing
Auslöser der aktuellen Debatte sind Berichte über Probleme an der Luftfederung des X9 während einer Hitzeperiode in Chongqing. XPeng reagierte am 15. Juli mit einer offiziellen Entschuldigung und einer erweiterten Garantie. Das vordere Luftfedersystem ist künftig 8 Jahre oder 160.000 Kilometer abgedeckt.
Wichtig dabei: Die Garantie hängt am Fahrzeug, nicht am Erstbesitzer. Das soll den Wiederverkaufswert stützen und Vertrauen im Gebrauchtwagenmarkt schaffen. Der Schritt zeigt, wie stark XPeng unter Druck steht, die Zuverlässigkeit seiner Hightech-Fahrassistenzsysteme zu belegen. Schnelles Wachstum und eine aggressive Niedrigpreisstrategie hatten zuvor strukturelle Risiken sichtbar gemacht.
Software als Wertanker gegen Alterung
Parallel zur Garantiefrage verfolgt XPeng eine zweite Strategie: Software soll den Wertverlust der Fahrzeuge bremsen. Über-die-Luft-Updates sollen dafür sorgen, dass auch ältere Modelle wie die erste Generation des G6 dieselben digitalen Funktionen erhalten wie aktuelle Baureihen.
Das Kalkül dahinter ist einfach. Trennt man die Hardware-Alterung vom Software-Funktionsumfang, verliert ein Fahrzeug nicht automatisch an Wert, nur weil ein neueres Modell auf den Markt kommt. XPeng positioniert seine Technologie damit als etwas, das mitwächst, statt zu veralten. Das soll gebrauchte Fahrzeuge auch international attraktiver machen.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Trotz der Wochenerholung bleibt die technische Lage schwierig. Der Kurs liegt 26,62 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 16,11 Euro. Der 14-Tage-RSI notiert bei 47,8 und signalisiert damit ein neutrales Momentum, weder überkauft noch überverkauft.
Immerhin: Die Aktie handelt aktuell 16,11 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 10,18 Euro, das erst am 26. Juni markiert wurde. Investoren wägen derzeit zwei Dinge gegeneinander ab. Auf der einen Seite steht der frisch gestartete Mona L03 in München, auf der anderen die laufenden Kosten für Garantieanpassungen und Qualitätskontrolle.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die erweiterte Garantie das Vertrauen der Kunden tatsächlich zurückgewinnt. Der Erfolg des Mona L03 in München wird dabei zum zweiten Prüfstein für die europäischen Ambitionen des Konzerns.
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