Es gibt diese Momente in einem Aktienchart, in denen Zahlen und Erzählung auseinanderdriften. Bei XPeng ist genau das gerade zu beobachten. Das Unternehmen liefert operative Fortschritte fast im Wochentakt – und der Kurs will es trotzdem nicht honorieren.
Am Dienstag notiert das Papier bei 9,31 Euro, nur gut ein Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 48 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 47 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 34 Prozent nach unten. Das ist kein Rückschlag, das ist ein anhaltender Vertrauensschwund.
Ausbau der Modellpalette, während die Prognose belastet
Die Kernbelastung liegt weiter in der Guidance für das dritte Quartal 2026: XPeng hatte bei der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal, mit einem Umsatz von 19,74 Milliarden Yuan und einem Nettoverlust von 1,34 Milliarden Yuan, eine Auslieferungsspanne von 115.000 bis 121.000 Fahrzeugen genannt – deutlich unter den Erwartungen des Marktes. Diese Prognose bleibt der Fixpunkt, an dem sich die Anleger derzeit orientieren.
Parallel dazu läuft das operative Geschäft weiter. Im August lieferte XPeng 39.107 Fahrzeuge aus, vier Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das Modell G9L feierte am 11. August sein offizielles Debüt und startete den Vorverkauf in Festlandchina.
In Guangzhou erhielt das Unternehmen zudem eine Genehmigung, vernetzte Fahrzeuge auf ausgewiesenen Strecken ohne Sicherheitsfahrer an Bord zu testen – ein Schritt, der die technologische Ambition jenseits des reinen Autoverkaufs unterstreicht.
Auch geografisch expandiert XPeng: Für September ist der Markteintritt auf den Philippinen mit den Modellen X9 und L03 angekündigt. Das passt zu einem Muster, das sich bei chinesischen Elektroautoherstellern immer wieder zeigt – Wachstum wird zunehmend außerhalb des Heimatmarkts gesucht, weil der Wettbewerb in China selbst brutal bleibt.
Die Robotik-Frage bleibt im Hintergrund
Vor rund zwei Wochen hatte XPeng die erste externe Finanzierung seiner Robotik-Sparte vermeldet, angeführt von IDG Capital mit Beteiligung von Gaorong Ventures sowie strategischer Unterstützung durch Tencent und Alibaba, bei einer Bewertung von über 6,3 Milliarden Dollar. Seither hat der Kurs weitere 2,5 Prozent verloren – ein Beleg dafür, dass diese Diversifikationsstory die Sorgen um das Kerngeschäft derzeit nicht auszugleichen vermag.
Und genau das ist die eigentliche Frage hinter dieser Aktie: Reicht technologische Breite – von autonomen Testfahrten über Robotik bis zu neuen Exportmärkten – aus, um eine schwache Kern-Guidance zu kompensieren? Der Markt beantwortet sie derzeit mit Nein.
Analystenblick bleibt gespalten
Barclays senkte Ende August das Kursziel auf 14,00 US-Dollar von zuvor 15,00 US-Dollar und beließ die Einstufung bei Underweight, mit Verweis auf den schwachen Ausblick für die Auslieferungen im dritten Quartal.
Jefferies dagegen justierte sein Kursziel Ende August auf 75,70 Hongkong-Dollar von zuvor 98,30 Hongkong-Dollar, hielt aber an einer Kaufempfehlung fest. Die Spanne zwischen diesen beiden Einschätzungen zeigt, wie unterschiedlich die Investmenthäuser die Balance aus kurzfristiger Schwäche und langfristiger Substanz gewichten.
Technisch bleibt das Bild angeschlagen: Der Relative-Stärke-Index von 34,5 signalisiert keine extreme Überverkauftheit, aber auch keine Stabilisierung. Bei einer Volatilität von 42 Prozent auf Jahressicht bleibt die Aktie ein Papier für Anleger mit starken Nerven.
Am Ende bleibt ein Widerspruch bestehen: Ein Unternehmen, das gleichzeitig neue Märkte erschließt, in Robotik investiert und autonome Testfahrten vorantreibt, wird derzeit vom eigenen Kernprodukt ausgebremst. Die Frage, ob die Diversifikation irgendwann schwerer wiegt als die Sorge um die Fahrzeugauslieferungen, bleibt vorerst unbeantwortet.
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