XPeng unterbietet Tesla in Europa – und der Markt reagiert nervös statt begeistert. Die Aktie verliert am Freitag 5,07 Prozent und rutscht auf 11,62 Euro ab, nachdem der chinesische E-Auto-Bauer seinen neuen SUV L03 mit einem aggressiven Einstiegspreis lanciert hat. Investoren fragen sich nun, wie viel Marge bei diesem Preiskampf überhaupt noch übrig bleibt.
Der Preis-Angriff auf Tesla
XPeng brachte den L03 diese Woche in Europa auf den Markt. Der Einstiegspreis liegt bei 34.990 Euro – rund 3.400 Euro günstiger als Teslas Model Y in Deutschland. In Norwegen beträgt der Abstand sogar etwa 10.000 Dollar.
Der Start war für XPeng eine Premiere: Erstmals stellte das Unternehmen aus Guangzhou ein Modell gleichzeitig auf mehreren Kontinenten vor, vor 1.500 geladenen Gästen. In Frankreich und Belgien startet der L03 ebenfalls bei 34.990 Euro, in Deutschland bei 35.600 Euro, in Österreich bei 36.600 Euro und in den Niederlanden bei 36.990 Euro. Eine Variante mit Range Extender kostet je nach Markt zwischen 38.490 Euro in Belgien und umgerechnet knapp 39.600 Euro in Österreich.
Warum die Marge zum Streitpunkt wird
Die aggressive Preisgestaltung wirft eine unbequeme Frage auf: Was bleibt XPeng nach Abzug der EU-Zölle auf chinesische E-Autos überhaupt noch übrig? Nach Abzug des 30,7-Prozent-Zolls sinkt der tatsächliche Verkaufserlös auf umgerechnet 25.600 Dollar in Frankreich, 26.200 Dollar in Deutschland und 26.800 Dollar in den Niederlanden. Darin ist bereits die Marge der lokalen XPeng-Vertriebspartner enthalten.
Der Unterschied zwischen Listenpreis und tatsächlichem Erlös zeigt, wie stark die EU-Zölle die Kalkulation belasten. Genau das nährt Zweifel, ob sich das aggressive Pricing langfristig rechnet.
Der Preisdruck kommt nicht von ungefähr. Tesla hatte bereits im vergangenen Jahr mit dem abgespeckten Model Y Standard für 39.990 Euro auf schwächelnde Europa-Verkäufe reagiert. Trotzdem lag Teslas Marktanteil im europäischen BEV-Segment Ende Mai 2026 bei nur 6,3 Prozent – bei einem Verkaufsplus von 57,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Markt für Elektro-SUVs bleibt heiß umkämpft, und XPeng will sich ein Stück davon sichern.
Nachfrage stark, Analysten gespalten
Die Bestellzahlen sprechen bislang für XPeng. Im Juni registrierte das Unternehmen europaweit mehr als 4.645 Fahrzeuge. Deutschland führte mit 922 Einheiten – der vierte Rekordmonat in Folge. Auch Frankreich, Norwegen und Dänemark verzeichneten deutliche Zuwächse.
Global lieferte XPeng im Juni 40.126 Fahrzeuge aus, den stärksten Monat des Jahres 2026. Das Unternehmen peilt für das Gesamtjahr 550.000 bis 600.000 Auslieferungen an und will die Auslandsverkäufe bis 2030 auf eine Million pro Jahr verdoppeln.
An der Wall Street gehen die Einschätzungen auseinander. Deutsche Bank erwartet für den L03 im Schnitt rund 12.500 Verkäufe pro Monat. Barclays bleibt skeptischer: Die Bank senkte ihr Kursziel für XPeng von 16 auf 15 Dollar und hält an ihrem Underweight-Rating fest – auch wenn sie ihre Liefer-Prognosen für den Rest des Jahres unverändert lässt.
Google Maps als zusätzliches Argument
Neben der Preisdebatte nutzte XPeng den Münchner Launch für eine technische Ankündigung. Das Unternehmen integriert als erster Autobauer aus dem asiatisch-pazifischen Raum das Google Maps Auto SDK in seine Fahrzeuge. Die Kartendaten von Google sollen künftig auch das Fahrassistenzsystem NGP sowie die Basisversion Xpilot Assist unterstützen.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Die Aktie notiert 8,26 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 12,67 Euro und liegt satte 27,86 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 16,11 Euro. Der Markt wägt damit weiterhin ab, ob das Volumenpotenzial des L03 die dünneren Margen in Europa aufwiegen kann. Erste Auslieferungen des Modells beginnen im vierten Quartal 2026 – erst dann zeigt sich, ob die Unterbietungsstrategie tatsächlich Marktanteile bringt, ohne die Profitabilität weiter zu belasten.
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