Während die Smartphone-Sparte unter Druck bleibt, wettet Goldman Sachs auf ein ganz anderes Xiaomi-Geschäft: Roboter. Die US-Bank bestätigt ihr „Buy“-Rating und verweist auf handfeste Fortschritte im Robotiksektor des chinesischen Konzerns. Die Aktie selbst zeigt sich davon am Dienstag unbeeindruckt – sie fällt um 2,41 Prozent auf 3,07 Euro.
Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 16 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt der Titel aber weiterhin deutlich im Minus, um 29,01 Prozent. Der Kontrast zeigt: Kurzfristige Erholung und langfristige Schwäche liegen bei Xiaomi derzeit dicht beieinander.
Goldman Sachs nennt drei konkrete Fortschritte
Goldman Sachs veröffentlichte den Research-Bericht am 20. Juli 2026. Die Bank hebt drei Entwicklungen hervor, die sie als bedeutend einstuft.
Erstens: Die operative Erfolgsrate humanoider Roboter in der eigenen Fabrik steigt. Die Maschinen übernehmen zudem neue Logistikaufgaben. Zweitens hat Xiaomi das generative Modell „Xiaomi-Robotics-U0“ eingeführt, mit 38 Milliarden Parametern. Es soll den Mangel an realen Trainingsdaten ausgleichen. Drittens stellte der Konzern das „Embodied AI“-Großmodell „Xiaomi-Robotics-1“ vor.
Roboter lernen in der Auto-Fabrik
Die Aufmerksamkeit für Xiaomis Robotik-Pläne war zuvor bereits gestiegen. Konzernchef Lei Jun veröffentlichte auf der Plattform X Aufnahmen aus einer Fabrik des Unternehmens. Sie zeigen menschenähnliche Roboter bei der Fertigung von Elektroautos.
Beim Tempo können die Maschinen noch nicht mit menschlichen Beschäftigten mithalten. Entscheidend ist stattdessen ihre Lernfähigkeit: Während der Arbeit erfassen die Roboter Bewegungen und Abläufe. Die Software wertet diese Daten aus und passt die nächsten Schritte an.
Das dahinterstehende KI-System heißt Xiaomi-Robotics-1. Es steuert die Roboter und verbindet Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidungsfindung. Das Training basiert nach Konzernangaben auf mehr als 100.000 Stunden realer Bewegungsdaten. Xiaomi nennt neben der Autoproduktion auch einfache Haushalts- und Verpackungsaufgaben als mögliche Einsatzfelder.
Das Smartphone-Geschäft bremst weiter
Der Robotik-Optimismus kann die Probleme im Kerngeschäft nicht überdecken. Xiaomi hat laut Marktanalysen im laufenden Jahr Marktanteile verloren, während Samsung und Apple zulegten. Zusätzlich drücken stark gestiegene Speicherchip-Preise auf die Margen im Smartphone-Segment – ein Belastungsfaktor, der den Konzern bereits seit Monaten begleitet.
Genau hier liegt der Kernkonflikt für Anleger: Auf der einen Seite steht ein Zukunftsfeld mit klarer Technologie-Story, das Goldman Sachs offensichtlich überzeugt. Auf der anderen Seite bröckelt das Geschäft, das aktuell noch den Großteil der Erlöse liefert.
Ob die Robotik-Fortschritte das Smartphone-Problem mittelfristig aufwiegen können, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen. Entscheidend wird dabei, wie stark die Margenbelastung durch die teuren Speicherchips tatsächlich ausfällt – und ob Xiaomi im Autogeschäft neue Wachstumsimpulse liefert, die über Roboter-Demos hinausgehen.
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