Ein milliardenschweres Rückkaufprogramm läuft auf Hochtouren. Die Marktreaktion bleibt völlig aus. Bei Xiaomi klaffen die Maßnahmen des Managements und die Stimmung der Investoren weit auseinander. Aktuell notiert das Papier bei 2,44 Euro. Damit bewegt sich der Kurs nur hauchdünn über dem frischen 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Tech-Konzern fast 46 Prozent an Wert verloren.
Chip-Krise frisst Gewinne
Der Absturz hat eine klare strukturelle Ursache. Die Preise für Smartphone-Speicher explodieren. Große Zulieferer wie Samsung lenken ihre Kapazitäten auf KI-Rechenzentren um. Die Folge: akute Engpässe. Laut Xiaomi-Präsident Lu Weibing haben sich die Vertragspreise seit Ende 2025 verfünffacht.
Das trifft den Konzern im empfindlichsten Bereich. Rund 62 Prozent der verkauften Smartphones kosten weniger als 200 US-Dollar. In diesem Budgetsegment kann Xiaomi die gestiegenen Kosten kaum an die Kunden weitergeben. Die Bank Jefferies reagierte bereits und stufte die Aktie auf „Underperform“ ab. Analyst Edison Lee sieht das Renditeziel von acht Prozent akut gefährdet.
Die finanziellen Bremsspuren sind massiv. Im ersten Quartal brach der bereinigte Nettogewinn um über 43 Prozent ein. Der Umsatz sank auf 99,1 Milliarden Yuan. Für das laufende zweite Quartal erwartet Goldman Sachs sogar einen Gewinneinbruch von 50 Prozent.
Elektroautos belasten die Bilanz
Neben dem Smartphone-Geschäft verbrennt die Elektroauto-Sparte viel Geld. Im ersten Quartal verzeichnete dieser Bereich einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan. Das entspricht einem Minus von rund 5.600 US-Dollar je ausgeliefertem Fahrzeug.
Parallel dazu wackelt das ehrgeizige Jahresziel. Das Management will in diesem Jahr rund 550.000 Fahrzeuge ausliefern. Bis Ende Mai rollten aber erst gut 150.000 Einheiten zu den Kunden.
Um das Ziel zu erreichen, muss Xiaomi ab sofort monatlich etwa 57.500 Autos übergeben. Das übersteigt den bisherigen Rekord deutlich. Jefferies senkte die eigene Jahresprognose bereits auf knapp eine halbe Million Einheiten. Um den schwachen Absatz anzukurbeln, plant Xiaomi eine neue Submarke. Unter dem Namen Skynomad soll im vierten Quartal ein familienorientierter SUV auf den Markt kommen.
Leerverkäufer setzen auf weitere Verluste
Marktbeobachter werten die Lage zunehmend pessimistisch. Leerverkäufer haben ihre Positionen auf rund neun Prozent des Streubesitzes ausgebaut. Sie setzen massiv gegen das Unternehmen. Das laufende Rekord-Rückkaufprogramm über 20 Milliarden Hongkong-Dollar zeigt bisher keine Wirkung.
Hohe Zukunftsausgaben belasten die Margen zusätzlich. Der Forschungsaufwand stieg zuletzt um ein Drittel auf neun Milliarden Yuan. In den nächsten drei Jahren fließen weitere 60 Milliarden Renminbi in den Bereich Künstliche Intelligenz.
Am 26. August veröffentlicht Xiaomi die Zahlen für das zweite Quartal. Liefert der Bericht den von Goldman Sachs prognostizierten Gewinneinbruch, droht der Aktie ein weiterer Stresstest. Solange hohe Chip-Kosten die Marge im Kerngeschäft erdrücken, fehlt dem Kurs die Basis für eine Trendwende.
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