Starke Nachfrage, schwache Kurse — bei Xiaomi klaffen Rückkaufprogramm und Marktrealität weit auseinander. Das Unternehmen pumpt Milliarden in eigene Aktien. Der Kurs fällt trotzdem.
Rekordprogramm ohne Wirkung
Xiaomi hat das größte Aktienrückkaufprogramm seiner Geschichte aufgelegt. Bis zu HK$20 Milliarden darf das Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten in eigene Class-B-Aktien investieren. Das Mandat trat am 2. Juni in Kraft und läuft bis zur Jahreshauptversammlung 2027.
Das Tempo ist bemerkenswert. Allein in einer Sitzung kaufte Xiaomi 10,5 Millionen Aktien für rund HK$298 Millionen zurück. Bis Mitte Juni waren es insgesamt 30,1 Millionen Anteile. Zuletzt aktivierte das Unternehmen eine Tranche von bis zu HK$4 Milliarden — mit Sondergenehmigung der Wertpapieraufsicht, die Käufe auch während Sperrfristen vor Quartalsergebnissen erlaubt.
Der Kurs interessiert das alles wenig. Die Aktie verlor in den vergangenen 30 Tagen rund 25 Prozent und notiert heute bei 2,56 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 2,51 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 43 Prozent.
Zahlen, die Vertrauen kosten
Der Grund liegt in den Fundamentaldaten. Im ersten Quartal 2026 brach der Konzernumsatz um 10,9 Prozent auf 99,1 Milliarden Yuan ein — Analysten hatten 103,4 Milliarden Yuan erwartet. Der bereinigte Nettogewinn fiel um 43,1 Prozent auf 6,07 Milliarden Yuan.
Haupttreiber ist der Speicherchip-Markt. DRAM-Preise für Smartphones haben sich verfünffacht, TV-Speicherpreise sogar verzehnfacht. CEO Lei Jun warnte, dieser Druck werde noch mindestens zwei weitere Jahre anhalten.
Hinzu kommt die EV-Sparte. Sie verzeichnete operative Verluste von 3,1 Milliarden Yuan — rund 5.600 US-Dollar je ausgeliefertem Fahrzeug. Nach zwei Quartalen mit ausgeglichenem Ergebnis ist das ein deutlicher Rückschritt. Die Bruttomarge im Automobilgeschäft sank von 23,2 auf 20,1 Prozent.
Investitionen laufen weiter
Trotz der Ergebniskrise hält Xiaomi den Investitionskurs. Die F&E-Ausgaben stiegen im ersten Quartal um 33,4 Prozent auf 9,0 Milliarden Yuan. Aktuell arbeiten 26.048 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung.
Der Vorstand betont, die finanziellen Mittel reichten aus, um das Rückkaufprogramm ohne Abstriche bei der Bilanzstabilität durchzuführen. Kein Wunder — das Vorgängerprogramm hatte bereits rund 399,6 Millionen Aktien im Wert von HK$14,6 Milliarden zurückgekauft.
Mit einem RSI von 21,3 gilt die Aktie technisch als stark überverkauft. Für eine echte Erholung dürfte es mehr brauchen als Rückkäufe: Entspannung bei den Speicherpreisen und steigende EV-Auslieferungszahlen wären die entscheidenden Katalysatoren. Am 26. August legt Xiaomi die nächsten Quartalszahlen vor.
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