Der globale Smartphone-Markt erlebt sein schwächstes zweites Quartal seit 13 Jahren. Xiaomi trifft es besonders hart. Der chinesische Hersteller streicht sein Flaggschiff-Modell und senkt sein Jahresziel massiv – die Ursache liegt in einer beispiellosen Speicherchip-Krise.
Absatz auf historischem Tiefstand
Marktforscher von Counterpoint Research und Omdia melden für das zweite Quartal 2026 einen Einbruch der weltweiten Auslieferungen. Counterpoint zählt ein Minus von bis zu 11 Prozent, Omdia kommt auf 4 Prozent.
Beide Werte markieren das schwächste zweite Quartal seit 2013. Hauptgrund ist die Preisexplosion bei Speicherchips.
DRAM- und NAND-Komponenten kosten inzwischen vier- bis fünfmal so viel wie vor einem Jahr. Das sprengt die Kalkulation im Massenmarkt.
Samsung behauptet trotzdem seine Führungsposition mit einem Marktanteil von 22 bis 24 Prozent. Apple erreicht mit 20 Prozent sogar einen Rekordwert für ein zweites Quartal. Xiaomi fällt dagegen auf 11 bis 12 Prozent zurück und rutscht hinter die Top Zwei.
Flaggschiff-Modell gestrichen
Die hohen Komponentenkosten treffen Xiaomi bereits operativ. Berichten zufolge senkt der Konzern sein Auslieferungsziel für 2026 auf rund 95 Millionen Einheiten. Das entspricht einem Rückgang von etwa 44 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung.
Noch deutlicher wiegt eine andere Entscheidung. Xiaomi soll die Entwicklung des geplanten Topmodells „Xiaomi 18 Ultra“ komplett gestoppt haben. Grund sind die explodierenden Speicherkosten. Das „Xiaomi 18 Pro Max“ soll nun als vorläufiges Spitzenmodell dienen.
Bei Budget-Geräten machen Speicherkomponenten inzwischen über 60 Prozent der gesamten Materialkosten aus.
Xiaomi-Präsident Lu Weibing deutete bereits an, dass Flaggschiff-Preise in China bis Ende 2026 die Marke von 10.000 Yuan überschreiten könnten. Umgerechnet sind das rund 1.470 US-Dollar.
Kurs bleibt technisch angeschlagen
Die Aktie notiert aktuell bei 2,95 Euro und gibt damit 0,12 Prozent nach. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von fast 13 Prozent.
Seit Jahresbeginn bleibt dagegen ein deutliches Minus von 34,39 Prozent. Der Titel liegt gut 24 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 3,87 Euro.
Die Erholung der vergangenen Woche ändert daran wenig. Fundamental bleibt der Druck durch die Speicherkrise hoch.
Zum 52-Wochen-Tief von 2,34 Euro aus dem Juni besteht noch ein Abstand von knapp 26 Prozent. Vom Jahreshoch bei 6,51 Euro trennen die Aktie weiterhin mehr als die Hälfte.
Die technischen Indikatoren zeichnen dennoch ein gemischtes Bild.
Der RSI von 60,4 signalisiert eine neutrale bis leicht konstruktive kurzfristige Verfassung. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 74,81 Milliarden Euro. Die 30-Tage-Volatilität von knapp 42 Prozent zeigt weiterhin erhebliche Unsicherheit.
Enge Gratwanderung ohne schnelle Entlastung
Die Chip-Knappheit dürfte laut Omdia und Counterpoint bis weit ins Jahr 2027 anhalten. Eine Entlastung bei den Speicherpreisen erwarten Experten frühestens für das zweite Halbjahr 2027.
Für Xiaomi bedeutet das eine schwierige Wahl. Höhere Preise könnten die Nachfrage im preisbewussten Massenmarkt dämpfen. Bleiben die Preise stabil, drohen weiter sinkende Margen.
Apple hält seine Preise dagegen stabil und profitiert von einem starken iPhone-Zyklus. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen Marktforscher branchenweit mit einem Rückgang der Smartphone-Auslieferungen um rund 14 Prozent. Xiaomi muss sich in diesem Umfeld zwischen Preiserhöhung und Margenerosion entscheiden – eine echte dritte Option zeichnet sich bisher nicht ab.
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