Ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht aus den USA reicht aus, um ein gehebeltes Silber-Produkt binnen einer Woche um fast 16 Prozent nach oben zu katapultieren. Der WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged ETC schloss zuletzt bei 8,54 Dollar, ein Tagesplus von 4,85 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Gewinn von 15,88 Prozent zu Buche. Treiber war eine kräftige Rally im Spotpreis für Silber, der um 2,24 Prozent auf 62,30 Dollar je Feinunze kletterte.
Schwache US-Jobzahlen drehen die Zinserwartung
Auslöser der Bewegung war der US-Arbeitsmarktbericht für Juni. Die Wirtschaft schuf nur 57.000 neue Stellen. Ökonomen hatten mit 110.000 bis 115.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, zusätzlich wurden die Werte der Vormonate nach unten korrigiert.
Der schwächelnde Arbeitsmarkt verändert die Erwartungen an die Federal Reserve. Laut FedWatch-Daten sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf etwa 50 bis 55 Prozent. Vor dem Bericht lag sie noch bei 66 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh erklärte beim EZB-Forum in Sintra zudem, die Inflationsrisiken hätten sich abgeschwächt. Das stützt die Erholung bei Edelmetallen zusätzlich.
Extreme Schwankungen bleiben die Regel
So stark der kurzfristige Sprung ausfällt: Das Produkt bleibt hochvolatil. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 149,68 Prozent. Trotz des Wochenplus von 15,88 Prozent steht über die vergangenen 30 Tage ein Verlust von 44,42 Prozent zu Buche.
Diese Diskrepanz zeigt, wie stark tägliches Rebalancing und Volatilitätsverfall bei dreifach gehebelten Produkten wirken. Der Relative-Stärke-Index des ETC liegt aktuell bei 36,0. Das deutet darauf hin, dass sich das Instrument gerade aus überverkauftem Terrain löst.
Beim Spotpreis gelten 60,00 und 55,25 Dollar als Unterstützungen. Auf der Oberseite liegen Widerstände bei 63,50, 70,00 und 71,80 Dollar.
Angebotslücke trifft auf Industrienachfrage
Fundamental bleibt der Silbermarkt angespannt. Für 2026 wird ein globales Defizit von 46,3 Millionen Unzen erwartet — das sechste Jahr in Folge mit Unterversorgung. Die Industrienachfrage, besonders aus dem Solarsektor, legte im Jahresvergleich um 8,9 Prozent zu.
Auf der physischen Seite meldete der iShares Silver Trust zwischen dem 30. Juni und 2. Juli einen Nettozufluss von 36,5 Tonnen Silber. Die Gesamtbestände kletterten damit auf 14.940 Tonnen. Gegenläufig entwickelte sich Indien: Die Silberimporte brachen im Mai um 87 Prozent auf rund 75,6 Millionen Dollar ein, nachdem die Regierung den Einfuhrzoll von 6 auf 15 Prozent angehoben hatte.
Nächste Woche im Fokus
Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf mehrere Termine. Am 8. Juli werden die Sitzungsprotokolle der Fed veröffentlicht, die tiefere Einblicke in die internen Diskussionen zur Zinspolitik liefern dürften. Dazu kommen der Erzeugerpreisindex und der ISM-Servicebericht.
Kurzfristige Prognosen sehen den Silber-Spotpreis bis zum 10. Juli bei 66,26 Dollar — ein Plus von 6,23 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. JPMorgan hat unterdessen seine Prognose für Gold im vierten Quartal 2026 auf 4.500 Dollar je Unze gesenkt und verweist auf schwankende Zinserwartungen sowie schwächere Nachfrage in einzelnen Sektoren. Das könnte die Dynamik bei Silber indirekt bremsen.
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