Die Privatwirtschaft im Euroraum hat im September das stärkste Wachstum seit fast dreieinhalb Jahren verzeichnet. Getragen von einer anziehenden Inlandsnachfrage und kräftigen Exportzuwächsen beschleunigte sich die Aktivität in Industrie und Dienstleistungssektor spürbar. Allerdings bringt der Aufschwung eine unerwünschte Nebenwirkung mit sich: Der Preisdruck zieht parallel wieder an.
Der aggregierte Einkaufsmanagerindex für die Eurozone kletterte im September auf 53,1 Punkte, nach 52,0 Zählern im Vormonat. Damit liegt das Stimmungsbarometer solide über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der Dienstleistungssektor legte mit einem Indexstand von 53,0 Punkten ebenfalls deutlich zu.
Breite Belebung in den großen Mitgliedstaaten
Das Wachstum stützt sich auf ein solides Fundament. Erstmals seit November verzeichneten alle großen Volkswirtschaften der Währungsunion zeitgleich Zuwächse. Spanien führt das Feld mit einem Indexwert von 56,8 Punkten weiter an.
In Deutschland gewann die Erholung ebenfalls an Dynamik. Der deutsche Gesamtindex stieg von 51,8 Punkten im August auf 53,8 Zähler im September. Das ist der kräftigste Wert seit fast einem Jahr und einer der stärksten Zuwächse seit Anfang 2022. Auch Frankreich kehrte mit 51,1 Zählern in den Wachstumsbereich zurück, während sich das Tempo in Italien auf 51,0 Punkte verlangsamte.
Verantwortlich für das Tempo ist ein spürbarer Auftragszuwachs. Das Neugeschäft verbesserte sich so schnell wie seit 41 Monaten nicht mehr, wobei die Auslandsbestellungen den stärksten Sprung seit über viereinhalb Jahren machten. Zum ersten Mal seit Juni 2022 bauten die Unternehmen in der Eurozone sogar wieder Auftragsrückstände auf.
Aufflammender Preisdruck weckt Zinssorgen
Der Aufschwung treibt jedoch die Kosten. Sowohl die Einkaufspreise als auch die Verkaufspreise legten im September wieder mit höherem Tempo zu, vor allem in der verarbeitenden Industrie. Ökonomen weisen darauf hin, dass dieser erneute Preisschub auf eine Teuerungsrate hindeutet, die sich eher der Vier-Prozent-Marke annähert.
Das robuste Wachstum von signalisierten 0,4 Prozent für das laufende Quartal stärkt die Konjunktur. Zusammen mit den anziehenden Preisen nährt diese Dynamik an den Märkten Spekulationen über eine wieder restriktivere Geldpolitik. Obendrein bleibt die Stimmung in den Führungsetagen zurückhaltend: Der Geschäftsausblick für die kommenden zwölf Monate liegt historisch betrachtet weiterhin auf einem gedämpften Niveau.
