Wienerberger-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Steiner hat am 20. August Aktien des Baustoffkonzerns gekauft. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Nur wenige Tage zuvor war das Papier auf ein Fünf-Jahres-Tief von 18,83 Euro gefallen. Stückzahl und Kaufpreis der Transaktion legte das Unternehmen nicht offen, dennoch wird der Schritt als Vertrauenssignal gewertet.
Steiner reiht sich damit in eine Serie von Insider-Käufen ein, die seit dem Kurseinbruch der vergangenen Wochen zu beobachten sind. Für Anleger ersetzt ein solcher Kauf keine fundamentale Neubewertung des Unternehmens – die Kurserholung blieb bislang aus, die Aktie notiert aktuell bei 19,38 Euro und damit nur knapp über dem jüngsten Tief.
Belastete Bilanz nach schwachem Halbjahr
Der Hintergrund für die gedrückte Stimmung reicht weiter zurück. Vor rund einem Monat hatte Wienerberger seine Halbjahreszahlen vorgelegt und dabei eine deutlich gesenkte EBITDA-Guidance für 2026 präsentiert – von ursprünglich 810 Millionen auf 700 Millionen Euro.
Seither hat die Aktie rund 7,2 Prozent verloren. Verantwortlich für die Schwäche zeichnet vor allem der Wohnneubau in den USA, Kanada und Großbritannien, der die Kostendeckung und Auslastung belastet.
Wenige Tage danach folgte mit dem gesundheitsbedingten Rücktritt von Langzeit-CEO Heimo Scheuch der nächste Einschnitt für die Anleger. Interimschef Gerhard Hanke, zuvor Finanzvorstand und zuletzt Betriebschef für Zentral- und Osteuropa, führt die Geschäfte nun, während der Vorstand eine strukturierte Nachfolgersuche eingeleitet hat. Seit diesem Führungswechsel hat das Papier weitere 9,7 Prozent eingebüßt.
Rechtsstreit beigelegt, Übernahmen verdaut
Immerhin einen Unsicherheitsfaktor konnte Wienerberger parallel zu den Halbjahreszahlen aus dem Weg räumen: Die US-Tochter Pipelife Jet Stream einigte sich in einem Antitrust-Verfahren auf einen Vergleich über 52,4 Millionen US-Dollar. Die Zahlung soll noch 2026 erfolgen und wird als einmaliger Sonderposten verbucht, ohne Einfluss auf das operative Ergebnis.
Zusätzliche Wachstumsimpulse liefern zwei im April abgeschlossene Zukäufe: Die italienische Italcer-Gruppe sowie die schwedische NEWS Group, ein Anbieter nachhaltiger Abwasserlösungen, sollen laut Unternehmensangaben bereits spürbar zu Umsatz und Ergebnis beitragen. Ob diese Diversifikation ausreicht, um die Schwäche im nordamerikanischen und britischen Wohnbau zu kompensieren, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
Ausblick: Preiserhöhungen sollen gegensteuern
Das Management setzt zur Stabilisierung auf zwei Hebel: Preiserhöhungen von bis zu 5 Prozent bis Jahresende sowie das Sparprogramm „Fit for Growth“, das 2026 Einsparungen von 25 Millionen Euro bringen soll, mit stärkerer Wirkung in der zweiten Jahreshälfte. Ob dies reicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Wohnneubaus in den betroffenen Kernmärkten ab.
Der nächste konkrete Prüfstein für das Unternehmen folgt mit dem für November angesetzten Bericht zum dritten Quartal 2026. Bis dahin dürfte der Insider-Kauf von Steiner vor allem eines bleiben: ein Signal, dem die Kursentwicklung noch nicht gefolgt ist.
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