Der österreichische Baustoffhersteller Wienerberger durchlebt derzeit eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Einem massiven Ergebniseinbruch im ersten Halbjahr steht eine Neuausrichtung an der Unternehmensspitze gegenüber, während das schwierige Marktumfeld im internationalen Wohnungsbau die Bilanzen belastet.
Nullrunde beim Nettoergebnis trotz Umsatzplus
Die jüngsten Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2026 zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Zwar konnte Wienerberger den Quartalsumsatz im zweiten Jahresviertel um 13 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro steigern, doch schlug sich dieses Wachstum nicht in den Profiten nieder. Das operative EBITDA sank im gleichen Zeitraum um 9 Prozent auf 230 Millionen Euro. Besonders deutlich wird der Rückgang beim Blick auf das Nettoergebnis: Dieses brach im ersten Halbjahr 2026 auf 0 Euro ein, nachdem das Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von 106 Millionen Euro erzielt hatte.
Maßgeblich für das Umsatzwachstum waren vor allem strategische Zukäufe. Laut Unternehmensangaben trugen die jüngsten Akquisitionen, darunter die Mehrheitsbeteiligung am italienischen Unternehmen Italcer sowie der Erwerb der nordischen FANN SKT, im zweiten Quartal rund 16 Millionen Euro zum Umsatz bei. Dies entspricht einem Anteil von etwa 8 Prozent am Gesamtwachstum. Ohne diese Zukäufe wäre die Bilanz angesichts der schwachen Verfassung der globalen Märkte deutlich magerer ausgefallen.
Personalwechsel in unruhigen Zeiten
Zusätzlich zur operativen Schwäche muss der Konzern einen abrupten Wechsel an der Führungsspitze bewältigen. Am 10. August legte der langjährige CEO Heimo Scheuch sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung nieder. Der Aufsichtsrat reagierte umgehend und ernannte Gerhard Hanke zum interimistischen Vorstandsvorsitzenden. Hanke, der zuvor als CFO und stellvertretender CEO fungierte, übernimmt das Ruder in einer Zeit, in der das Marktumfeld für Baustoffe als äußerst schwierig gilt.
Das Management identifizierte vor allem den schwächelnden Wohnungsneubau in den USA, Großbritannien und Kanada als wesentliche Belastungsfaktoren für das laufende Geschäftsjahr. Dennoch hält das Unternehmen an seinen Zielen fest: Wienerberger bestätigte am 12. August die Guidance für 2026 und erwartet weiterhin ein operatives EBITDA von rund 700 Millionen Euro.
Analysten senken Kursziele – Aktie unter Druck
An der Börse spiegeln die Kurse die aktuelle Unsicherheit wider. Am heutigen Mittwoch verzeichnete die Aktie einen Rückgang von 2,0 Prozent und notierte bei 19,39 Euro. Damit bewegt sich das Papier in unmittelbarer Nähe seines 52-Wochen-Tiefs, das bei 19,00 Euro liegt. Seit Jahresbeginn hat der Wert bereits deutlich an Boden verloren.
Die Reaktion der Analysten auf die Halbjahreszahlen und den Chefwechsel fiel verhalten aus. Medienberichten zufolge senkte der Marktkonsens das durchschnittliche Kursziel für Wienerberger am 15. August um 17 Prozent auf 23,73 Euro. Trotz der reduzierten Erwartungen beim Kurs sahen die Experten einen Lichtblick bei der Profitabilität pro Aktie: Die EPS-Prognose für das Gesamtjahr 2026 wurde leicht auf 2,17 Euro angehoben.
Im Aktionärskreis gab es zuletzt gegenläufige Bewegungen. Während die UBS Group AG Ende Juli ihre Beteiligung auf insgesamt 5,09 Prozent ausbaute, reduzierte Marathon Asset Management Limited seine Stimmrechte am 31. Juli geringfügig auf 4,97 Prozent. Anleger blicken nun auf den 12. November, wenn Wienerberger die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal vorlegen wird.
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