Am gestrigen Montag kletterte die Aktie von Wienerberger um 3,8 % auf einen Schlussstand von 17,96 Euro. Eine konkrete Nachricht aus dem Unternehmen lag dieser Aufwärtsbewegung nicht zugrunde. Hinter dem österreichischen Baustoffkonzern liegen anstrengende Wochen, die von Umbesetzungen an der Konzernspitze, gedämpften Ertragserwartungen und strategischen Zukäufen geprägt waren.
Führungswechsel in unruhigem Marktumfeld
Vor über einem Monat trat der langjährige Vorstandschef Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurück; seither verlor der Wert 9,1 %. Die operative Führung übernahm daraufhin Gerhard Hanke als Interim-CEO, der zuvor als Deputy Chairman und Vorstand für die Region Central & East fungierte. Die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge an der Konzernspitze hält unverändert an.
Um den Dialog mit den Kapitalmärkten in dieser Übergangsphase neu auszurichten, vollzog Wienerberger am 15. September eine personelle Weichenstellung. Claus Ehrenbeck übernahm die Leitung des Bereichs Investor Relations als Senior Vice President.
Neubauschwäche dämpft die operative Ertragskraft
Die personelle Neuordnung fällt in eine geschäftlich anspruchsvolle Phase. Vor rund einem Monat kappte der Konzern seine Jahresprognose wegen der anhaltenden Flaute im Wohnneubau; die Aktie gab seither um 7,1 % nach. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Management nun ein operatives EBITDA von 700 Millionen Euro in Aussicht.
Der europäische Wohnungsbau leidet spürbar unter dem veränderten Zinsumfeld und zurückhaltenden Investoren. Für traditionelle Baustoffproduzenten bedeutet dies einen spürbaren Rückgang des Volumens bei gleichzeitigem Kostendruck in der Fertigung.
Die Halbjahresbilanz spiegelte diese Belastungen wider. Bei einem Umsatz von 2.434 Millionen Euro ging das operative EBITDA im Vorjahresvergleich deutlich auf 326 Millionen Euro zurück.
Zukäufe in Infrastruktur und Sanierung
Um die Abhängigkeit von der zyklischen Neubautätigkeit zu verringern, forciert Wienerberger den Wandel hin zum Systemanbieter. Das Management setzt dabei gezielt auf Segmente, die von Renovierungswellen und Sanierungsmaßnahmen profitieren.
So schloss der Konzern die Mehrheitsübernahme an der Italcer Group ab. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 350 Millionen Euro bei einer operativen Marge von mehr als 20 %. Mittelfristig soll Italcer einen Beitrag von über 100 Millionen Euro zum operativen Konzernergebnis beisteuern.
Zusätzliche Impulse verspricht sich der Konzern aus dem Infrastrukturgeschäft. Ende April schloss Wienerberger den Kauf der schwedischen NEWS Group ab, eines Anbieters von nachhaltigen Abwasserlösungen für Nordeuropa.
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