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Western Digital Aktie: HAMR-Rückstand gegenüber Seagate

Western Digital verzeichnet starkes Umsatzwachstum, doch die Aktie fällt nach schwacher Margenprognose und HAMR-Rückstand deutlich.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzplus von 44 Prozent
  • Aktie verliert nach Zahlen 11 Prozent
  • HAMR-Rückstand gegenüber Seagate
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Selten habe ich einen Quartalsbericht gesehen, der so widersprüchlich aufgenommen wurde wie der von Western Digital. Der Speicherhersteller meldete am 5. August für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz von 3,75 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag nach US-GAAP bei 8,21 US-Dollar, bereinigt bei 3,56 US-Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr wuchs der Umsatz um 36 Prozent auf 12,919 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie mehr als verdoppelte sich auf 10,22 US-Dollar. Der freie Cashflow erreichte 3,511 Milliarden US-Dollar. Zahlen, mit denen viele Unternehmen ihre Aktionäre beglücken würden. Western Digital dagegen brach ein – die Aktie verlor nach der Vorlage 11 Prozent.

Für mich zeigt genau diese Reaktion, wie weit die Erwartungshaltung an diesen Titel inzwischen gestiegen ist. Nach einem Kursanstieg, der die Aktie im laufenden Jahr mehr als verdreifacht hat, reichte offenbar ein gutes Quartal nicht mehr. Der Markt wollte ein makelloses. Bekommen hat er stattdessen eine Margenprognose für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 von 55 bis 56 Prozent bereinigter Bruttomarge – solide, aber unterhalb der Erwartungen, die Konkurrent Seagate zuvor gesetzt hatte.

HAMR-Rückstand als eigentlicher Auslöser

Der wunde Punkt liegt aus meiner Sicht weniger in den Zahlen selbst als in der technologischen Positionierung. Analysten machten den Ausverkauf am Folgetag vor allem an einem Detail fest: Western Digitals HAMR-Technologie (Heat-Assisted Magnetic Recording) befindet sich noch in der Kundenqualifizierung, während Seagate seine 44-Terabyte-Mozaic-4+-Laufwerke bereits seit März 2026 im großen Stil an Hyperscaler ausliefert. In einem Markt, in dem Speicherkapazität pro Laufwerk zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden ist, wiegt ein solcher Zeitvorsprung schwer. Das Management selbst räumte laut Berichten von Barron’s ein, dass ein Teil der Margenlücke auf quartalsweise Preisschwankungen zurückgehe, die sich mit neuen langfristigen Lieferverträgen zu höheren Preisen wieder glätten sollten. Das klingt nach einer plausiblen Erklärung – aber eben auch nach einem Versprechen auf die Zukunft, nicht nach einer Garantie.

CEO Irving Tan betonte im Gespräch mit Bloomberg, der KI-Infrastrukturausbau schaffe anhaltende Nachfrage nach Datenspeicherung, selbst wenn Anleger auf den kurzfristig schwächeren Ausblick reagierten. Diese Aussage halte ich für den eigentlichen Kern der Investmentthese: Wer an das strukturelle Wachstum durch KI-Rechenzentren glaubt, muss über einzelne enttäuschende Margenquartale hinwegsehen können. Wer dagegen kurzfristig denkt, wird von der Volatilität dieser Aktie regelmäßig überrascht – und die 30-Tage-Volatilität von aktuell 100,53 Prozent annualisiert spricht für sich.

Analysten uneins, Kurs unter Druck

Bezeichnend ist, wie gespalten die Analystenzunft reagierte. TD Cowen erhöhte am Donnerstag das Kursziel zwar auf 540 US-Dollar von zuvor 500 US-Dollar, hielt die Kaufempfehlung aufrecht, merkte aber explizit an, die Ergebnisse seien unter den Erwartungen der Käuferseite geblieben. Citi-Analystin Asiya Merchant hingegen bekräftigte am selben Tag ihr Kursziel von 800 US-Dollar mit Kaufempfehlung und verwies auf den Hochlauf der 40-Terabyte-Nearline-Laufwerke sowie die KI-Nachfrage als langfristige Treiber. Dass Goldman Sachs am gleichen Tag bei einer neutralen Einstufung blieb und Summit Insights die Aktie sogar von Kaufen auf Halten zurücknahm, zeigt: Ein einheitliches Bild gibt es derzeit nicht.

Am Kurs selbst ist die Skepsis unübersehbar. Zum Freitagsschluss stand die Aktie bei 375,55 Euro, ein Minus von 4,28 Prozent an diesem Tag und von 20,50 Prozent über die vergangene Woche. Bemerkenswert finde ich dabei, dass sie trotz dieses harten Rückschlags noch immer 25,66 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt notiert – die mittelfristige Aufwärtsbewegung ist also angekratzt, aber nicht gebrochen.

Hinzu kommen zwei Nebenschauplätze, die ich nicht überbewerten würde, aber im Blick behalte: Western Digital führte laut Medienberichten im Juli erneut Gespräche mit dem japanischen Speicherhersteller Kioxia über eine mögliche Zusammenlegung der Flash-Speicher-Sparten, nachdem frühere Annäherungen an Bewertungsfragen und regulatorischen Bedenken gescheitert waren. Und Firmendirektor Martin Cole verkaufte Ende Juli Aktien im Wert von rund 1,7 Millionen US-Dollar – ein Signal, das ich eher als Randnotiz denn als Warnsignal einordne, da er weiterhin einen substanziellen Bestand hält.

Unterm Strich sehe ich in dieser Korrektur weniger den Anfang vom Ende als eine überfällige Verschnaufpause nach einer außergewöhnlichen Rally. Die operative Story – wachsende Umsätze, steigende Margen, KI-getriebene Speichernachfrage – bleibt intakt. Der technologische Rückstand gegenüber Seagate ist real und dürfte kurzfristig weiter auf der Bewertung lasten. Für mich überwiegt aber die Einschätzung, dass der Markt hier gerade Perfektion einpreist, wo solides Wachstum eigentlich ausreichen sollte.

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Diskussion zu Western Digital

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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