BofA traut Western Digital wegen steigender Festplattenpreise mehr zu. Analyst Wamsi Mohan hat heute sein Kursziel von 720 auf 800 US-Dollar angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Seine zentrale Begründung: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Auch gegenüber dem Vorquartal sieht er weiteres Preispotenzial.
Damit rückt die Preisgestaltung in den Mittelpunkt der Bewertung. Mohans positive Einschätzung beruht nicht allein auf einer hohen Nachfrage nach Festplatten. Entscheidend ist auch seine Erwartung, dass Western Digital die angespannte Versorgungslage für weitere Preiserhöhungen nutzen kann.
Die optimistische Analystenstimme begleitet eine Erholung der Aktie: Heute gewinnt das Papier 4,2%. Der Kursanstieg passt zur positiven Einschätzung, belegt aber noch nicht, dass sich die erwarteten Preisverbesserungen vollständig in den Geschäftsergebnissen niederschlagen.
Knappes Angebot stützt die Preiserwartung
Auch Morgan Stanley sieht den Festplattenzyklus nicht am Ende. Die Bank verweist auf stärkere Nachfrage, eine breitere Kundenbasis und beschleunigtes Preiswachstum. Hinweise auf unkontrolliertes Unterbieten oder ein durch zusätzliche Kapazitäten ausgelöstes Überangebot erkennt sie nicht.
Besonders deutlich zeigt sich die Anspannung nach Einschätzung der Analysten im Nearline-Geschäft. Dort liegen die Spotpreise erheblich über den gemischten Vertragspreisen. Außerhalb dieses Bereichs stiegen die Preise gegenüber dem Vorquartal laut Morgan Stanley um 15–30%.
Für Western Digital stützt diese Einschätzung Mohans Argumentation: Die Preisdynamik beschränkt sich demnach nicht auf einen einzelnen Marktbereich. KI-Labore und Cloud-Anbieter treiben laut Morgan Stanley die Nachfrage. Die Bank erwartet zudem, dass sich die branchenweite Angebotslücke im kommenden Jahr vergrößert.
Höhere Preise treffen auf Bewertungsrisiken
Für das Dezemberquartal veranschlagt Morgan Stanley bei Western Digital einen Gewinn von 5,25 US-Dollar je Aktie. Das liegt nach Angaben der Bank 10% über dem Konsens. Die Prognose verdeutlicht, wie stark ihre Ergebniserwartung von der durchschnittlichen Marktschätzung abweicht.
BofA und Morgan Stanley teilen damit eine positive Sicht auf die operative Entwicklung. Dennoch unterscheiden sich ihre Kursziele deutlich: Morgan Stanley setzt für Western Digital 643 US-Dollar an und hält an „Overweight“ fest.
Die Differenz ist für Anleger wesentlich. Morgan Stanley verweist trotz stärkerer Festplatten-Fundamentaldaten auf wachsende Unsicherheit über Wettbewerb und KI-Finanzierung. Gute Marktbedingungen und eine vorsichtigere Bewertung können also nebeneinanderstehen.
BofAs heutige Anhebung setzt den Gegenakzent: Mohan sieht in der Knappheit weiteres Preispotenzial. Die entscheidende Anlegerthese lautet damit nicht nur, dass mehr Speicher benötigt wird. Western Digital muss die hohe Nachfrage auch in dauerhaft bessere Preise und entsprechend höhere Ergebnisse übersetzen.
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