Western Digital erholt sich am Montag deutlich. Die Aktie legt um 4,93 Prozent zu und steigt auf 437,25 Euro. Am Freitag hatte das Papier noch bei 416,70 Euro geschlossen.
Der Sprung nach oben ist nur eine kleine Atempause. Auf Sieben-Tage-Sicht steht die Aktie noch immer 10,38 Prozent im Minus. Über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 33,04 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 696,30 Euro, erreicht am 18. Juni 2026, trennen das Papier noch immer 37,20 Prozent.
Ausverkauf ohne klaren Auslöser
Der Speicherchip-Sektor hat hinter sich einen der turbulentesten Monate seiner jüngeren Handelsgeschichte. Micron legte seit Jahresbeginn um 244 Prozent zu, SanDisk sogar um 640 Prozent. Auf diese außergewöhnliche Rally folgte nun eine breite Gewinnmitnahme-Welle.
Für Western Digital gibt es keinen unternehmensspezifischen negativen Auslöser. Die Aktie steckt im selben Spannungsfeld wie der gesamte Sektor: KI-getriebene Nachfrage-Euphorie auf der einen Seite, Gewinnmitnahmen nach einem außergewöhnlichen Lauf auf der anderen. Kein Wunder, dass Anleger nach diesem Ritt nervös bleiben.
Citigroup und UBS liegen 43 Prozent auseinander
Ungewöhnlich ist vor allem, wie weit die Einschätzungen der Analysten voneinander abweichen. Citigroup hob das Kursziel auf 800 Dollar an. UBS Group folgte mit einem Ziel von 560 Dollar und beließ das Rating bei „Neutral“.
Die Differenz zwischen beiden Zielen entspricht 43 Prozent des aktuellen Aktienkurses. Das ist eines der klarsten Signale dafür, wie unterschiedlich Bullen und Skeptiker die kurzfristige Obergrenze der Aktie einschätzen.
UBS erhöhte sein Kursziel um 49 Prozent, sieht aber kaum noch Luft nach oben. Citi hob sein Ziel dagegen nur um 17 Prozent an, rechnet aber mit weiteren 44 Prozent Kurspotenzial. Der Unterschied liegt in der Einschätzung des Ertragszyklus: Citi traut den aktuellen Margen eine lange Lebensdauer zu, UBS behandelt die Erholung als bereits eingepreist.
Im Kern dreht sich die Debatte nicht darum, ob künstliche Intelligenz mehr Daten erzeugt. Das ist unter Analysten längst Konsens. Die eigentliche Frage lautet, wie lange sich die Preise und Margen für Festplattenspeicher auf dem aktuellen Niveau halten lassen.
Cashflow wächst trotz Kursachterbahn
Unabhängig von den heftigen Kursschwankungen ist die Cash-Generierung des Unternehmens zuletzt kontinuierlich gestiegen. Im ersten Fiskalquartal erzielte Western Digital einen freien Cashflow von 599 Millionen Dollar, im zweiten waren es 653 Millionen. Im dritten Quartal kletterte der Wert auf 978 Millionen Dollar – über neun Monate summiert sich das auf 2,23 Milliarden Dollar.
CEO Irving Tan verweist auf die strukturelle Nachfrage durch KI-Workloads. Nahezu jede KI-Anwendung erzeuge Daten, so Tan – und damit anhaltenden Speicherbedarf, selbst wenn die eigentliche Rechenarbeit längst abgeschlossen ist.
Zahlen im August entscheiden
Der nächste wichtige Termin steht bereits fest. Western Digital veröffentlicht seine Ergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2026 am Mittwoch, den 5. August 2026, nach Börsenschluss. Die Telefonkonferenz folgt am selben Tag um 22:30 Uhr deutscher Zeit.
Im dritten Fiskalquartal war der Umsatz bereits um 45 Prozent auf 3,34 Milliarden Dollar gestiegen, bei einer Bruttomarge von 50,2 Prozent nach GAAP. Für das vierte Quartal rechnet das Management mit einem Umsatz von 3,65 Milliarden Dollar im Mittel, einer bereinigten Bruttomarge zwischen 51 und 52 Prozent sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie von rund 3,25 Dollar.
Mit einem RSI von 42,3 zeigt die Aktie derzeit weder eine Überkauft- noch eine Überverkauft-Situation. Sie handelt weiterhin deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 487,84 Euro. Die Kluft zwischen den Kurszielen von Citi und UBS macht deutlich: Der Ergebnisbericht im August wird zum Test dafür, ob sich das aktuelle Preisniveau für Festplattenspeicher halten lässt – und damit, welche Seite der Wall-Street-Debatte am Ende recht behält.
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