Auf den ersten Blick wirkt der Freitagshandel versöhnlich. Western Digital schloss mit einem Plus von knapp sechs Prozent bei glatt 500 Euro. Dahinter verbirgt sich allerdings ein massiver Umbruch im Speichermarkt. Die ganz großen Tech-Kunden ordnen ihre Lieferketten neu.
Seit Jahresbeginn bescherte der Konzern seinen Aktionären einen Gewinn von 212 Prozent. Das Rekordhoch aus dem Juni liegt jedoch bereits 28 Prozent entfernt. Die KI-Speicher-Rallye kühlt spürbar ab.
Der Apple-Faktor
Ein zentraler Auslöser für die jüngste Nervosität betrifft Apple. Der iPhone-Konzern prüft offenbar eine Partnerschaft mit dem chinesischen Speicherhersteller CXMT. Die Folge: massiver Preisdruck.
Wenn ein neuer Anbieter in Apples Lieferkette eindringt, sinkt die Preismacht etablierter Platzhirsche. Western Digital und Micron müssten bei lukrativen Verträgen für mobile Speicher nachgeben.
Meta baut selbst
Parallel dazu verändert sich das Bestellverhalten großer Cloud-Anbieter. Meta baut die eigene Infrastruktur aggressiv aus. Der Facebook-Mutterkonzern will Latenzzeiten senken und Daten besser kontrollieren.
Marktbeobachter sprechen bereits von einem Plateau bei der KI-Hardware-Nachfrage. Große Technologiekonzerne wechseln vom reinen Hardware-Kauf zur Optimierung ihrer Systeme. Meta überlegt sogar, ungenutzte Rechenkapazitäten weiterzuvermieten. Das schürt in der Branche Ängste vor Überkapazitäten.
Milliarden-Wetten der Profis
Große Adressen positionieren sich aktuell völlig unterschiedlich. Elevation Point Wealth Partners hat seine Position im ersten Quartal massiv ausgebaut. Der Pensionsfonds Strs Ohio verkaufte hingegen ein Fünftel seiner Anteile.
Die Analysten blicken mehrheitlich optimistisch auf den Wert. Sie setzen ihre Kursziele aber extrem weit auseinander:
- Bank of America: 732,00 Euro
- Wells Fargo: 575,00 Euro
- Konsensschätzung: 493,52 Euro
Die nächste Entscheidung fällt am 29. Juli 2026. Dann präsentiert Western Digital die Zahlen für das vierte Quartal. Der Markt erwartet einen Gewinn von 3,28 US-Dollar je Aktie. Der Fokus liegt dabei voll auf dem Ausblick des Managements. Nur eine starke Prognose für die NAND-Flash-Nachfrage kann die aktuellen Überkapazitäts-Sorgen zerstreuen.
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