Western Digital hat einen turbulenten Handelsmonat hinter sich. Erst trieb die Aussicht auf einen anhaltenden KI-Speicherboom die Aktie kräftig nach oben, dann riss eine breite Verkaufswelle bei den großen Technologiewerten auch den Speicherhersteller mit nach unten. Am heutigen Freitag verliert das Papier 4,87 Prozent und notiert bei 465,60 Euro, nachdem es gestern noch bei 489,45 Euro geschlossen hatte. Auf Sicht von 30 Tagen steht damit ein Minus von 17,98 Prozent zu Buche – ein deutlicher Dämpfer nach der Rekordjagd der Vormonate.
Starke Zahlen, aber die Euphorie kühlt ab
Der Rücksetzer kommt trotz robuster Geschäftszahlen. Western Digital übertraf im dritten Quartal die Erwartungen: Der Gewinn je Aktie lag bei 2,72 Dollar gegenüber einer Schätzung von 2,39 Dollar, der Umsatz erreichte 3,34 Milliarden Dollar und damit 45,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Für das vierte Quartal stellte das Unternehmen einen Gewinn je Aktie zwischen 3,10 und 3,40 Dollar in Aussicht und erhöhte die Quartalsdividende auf 0,15 Dollar je Aktie. Auslöser der vorangegangenen Rally war jedoch weniger der eigene Zahlenkranz als die Ankündigung von Wettbewerber Micron, KI-Speicherverträge im Volumen von 100 Milliarden Dollar an Land gezogen zu haben – ein Signal, das Anleger als Bestätigung für die Dauerhaftigkeit der KI-getriebenen Speichernachfrage werteten und die Western-Digital-Aktie daraufhin zweistellig nach oben schickte. Zusätzlichen Rückenwind lieferten die Cloud-Zahlen von Alphabet, die den gesamten KI-Infrastruktur-Handel beflügelten.
Die Erholung bekam allerdings schnell einen Dämpfer. Laut Hedgeweek verloren die sogenannten „Magnificent Seven“ binnen eines Tages 797 Milliarden Dollar an Marktwert und büßten 4,8 Prozent ein – der stärkste Tagesverlust seit dem Zollschock im April 2025. Enttäuschende Ausblicke von Alphabet und Tesla lösten die Verkaufswelle aus, die auch Speicher- und Halbleiterwerte erfasste. Der Abstand von Western Digital zum 52-Wochen-Hoch von 696,30 Euro beträgt inzwischen 33,13 Prozent, während das Papier gegenüber seinem 52-Wochen-Tief von 58,61 Euro immer noch um ein Vielfaches höher steht.
Institutionelle Anleger bauen Positionen um
Auf Investorenseite zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. NewEdge Wealth LLC reduzierte seinen Bestand im ersten Quartal um 25,3 Prozent auf 23.460 Aktien im Wert von 6,35 Millionen Dollar, während Atika Capital Management neu einstieg und 37.717 Aktien im Volumen von rund 10,2 Millionen Dollar kaufte – laut eigenen Angaben die 18. größte Position im Portfolio. Auch der Bundesstaat Wyoming verringerte sein Engagement, verkaufte 1.608 Aktien und hält nun noch 2.475 Anteile im Wert von 669.000 Dollar. Insgesamt liegt der institutionelle Anteil an Western Digital bei über 92 Prozent.
Parallel dazu verkauften Insider in den vergangenen 90 Tagen knapp 29.000 Aktien im Gesamtwert von 12,63 Millionen Dollar. CEO Irving Tan trennte sich am 1. Mai von 20.000 Aktien zum Preis von 411,84 Dollar, Führungskraft Cynthia Tregillis veräußerte im Juni weitere 432 Papiere zu 545,60 Dollar. Solche Verkäufe sind bei stark gestiegenen Aktien nicht ungewöhnlich, dennoch beobachten Analysten sie genau. Die Kursziele der Häuser fallen entsprechend weit auseinander: Goldman Sachs sieht das Papier bei neutraler Einstufung nur bei 400 Dollar fair bewertet, während Citigroup mit einem Kaufvotum ein Ziel von 800 Dollar nennt. Barclays (Overweight) taxiert den fairen Wert auf 620 Dollar, Mizuho (Outperform) auf 685 Dollar. Der Analystenkonsens lautet auf „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 520,32 Dollar.
Speichermarkt zwischen Boom und Warnsignalen
Die Debatte um die Nachhaltigkeit des Speicherbooms prägt derzeit die gesamte Branche. Morgan-Stanley-Analyst Shawn Kim rechnet damit, dass die Vertragspreise für Speicherchips im vierten Quartal ihren Höhepunkt erreichen könnten – die Netto-Aufwärtsrevisionsrate der Gewinnschätzungen sei bereits von 92 auf 77 Prozent gefallen. Morgan Stanley sieht die jüngste Schwäche zwar als möglichen Einstiegspunkt, bevorzugt im KI-Handel aber weiterhin Chipdesigner wie Nvidia und Broadcom gegenüber reinen Speicherherstellern. ADATA-Chairman Chen Li-bai widerspricht dieser vorsichtigen Einschätzung deutlich: Er erwartet eine Speicherknappheit für weitere zehn Jahre, getrieben durch Rechenzentren, Roboter und autonome Fahrzeuge, und weist Warnungen vor einer KI-Blase zurück. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 99,04 Prozent bleibt Western Digital ein Papier für risikobereite Anleger, deren nächste Kursrichtung stark davon abhängen dürfte, welche dieser beiden Lesarten sich am Markt durchsetzt.
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