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Wasserstoff-Aktien vor der Bilanzwoche: Bloom Energy stürzt, FuelCell kühlt ab

Fünf Wasserstoffwerte stehen vor entscheidenden Quartalszahlen. Bloom Energy und FuelCell Energy erleben heftige Kursausschläge, während Plug Power um Liquidität kämpft.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Bloom Energy mit 14 Prozent Tagesverlust
  • Plug Power kämpft um Liquidität
  • FuelCell Energy nach Rally unter Druck
  • Nel ASA und Ballard Power vor Zahlen

Fünf Wasserstoff-Werte, ein Termin: Innerhalb weniger Tage öffnen Bloom Energy und Ballard Power ihre Bücher, während Plug Power gegen eine selbstgesetzte Liquiditätsfrist läuft. Selten lag so viel Nervosität in einer einzigen Berichtswoche. Wer die Zahlen genau liest, erkennt schnell: Die eigentliche Geschichte spielt sich nicht in den Schlagzeilen über künstliche Intelligenz ab, sondern in den Cashflow-Tabellen.

Sektorüberblick: Bilanzwoche als Nervenprobe

Der Wasserstoff-Sektor pendelt seit Monaten zwischen Euphorie und Ernüchterung. Getrieben wurde das vor allem durch die Aussicht auf Stromnachfrage aus KI-Rechenzentren— ein Thema, das Bloom Energy und FuelCell Energy zu den prominentesten Namen der Branche gemacht hat. Nel ASA, Plug Power und Ballard Power kämpfen dagegen weiterhin mit klassischeren Problemen: schwacher Industrienachfrage, hohem Kapitalverbrauch und Verwässerung durch neue Aktien.

Bloom Energy legt seine Zahlen am 28. Juli vor, Ballard Power folgt am 31. Juli. Plug Power hat noch keinen Termin genannt, steckt aber mitten in einem Wettlauf gegen die eigene Kassenlage. Genau diese Gleichzeitigkeit macht die kommenden Tage zu einem der entscheidendsten Momente des Jahres für die gesamte Gruppe.

Nel ASA: Abwärtstrend hält trotz mehr Aufträgen an

Nel ASA bleibt technisch angeschlagen. Am Freitag schloss die Aktie bei 0,1968 Euro, ein Minus von 2,09 Prozent auf Tagesbasis. Über 30 Tage steht ein Rückgang von 7,17 Prozent zu Buche, auf Jahressicht liegt der Titel dennoch leicht im Plus mit 4,24 Prozent.

Der Blick auf die Fundamentaldaten zeigt gemischte Signale. Der Umsatz sank im zweiten Quartal auf 182 Millionen norwegische Kronen, nach 215 Millionen im Vorjahr, während das EBITDA wegen einer Vergleichszahlung an Iwatani deutlich negativ ausfiel. Positiver Kontrapunkt: Der Auftragseingang zog auf 230 Millionen Kronen an, der Auftragsbestand liegt bei 1,2 Milliarden Kronen bei einer Kassenposition von 1,3 Milliarden Kronen.

Technologisch setzt Nel auf Kostensenkung. Eine neue druckbeaufschlagte Alkali-Plattform soll Stellfläche und Investitionskosten deutlich reduzieren, erste Aufträge werden in den kommenden Monaten erwartet. Bis Ende 2026 strebt das Unternehmen 500 Megawatt Fertigungskapazität an, unterstützt durch EU-Fördermittel in Höhe von 135 Millionen Euro. Analysten bleiben trotzdem skeptisch— die Konsensbewertung fällt klar negativ aus, kein einziges Haus empfiehlt derzeit einen Kauf.

Plug Power: Wettlauf gegen die Kassenlage

Bei Plug Power dreht sich derzeit alles um Liquidität, nicht um Wachstum. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,84 Euro, ein Rückgang von 4,63 Prozent. Über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 20,42 Prozent, wobei der Titel auf Jahressicht mit 22,32 Prozent im Plus notiert.

Ein Verkauf des Texas-Projekts in Graham soll bis Ende Juli abgeschlossen werden und über 80 Millionen US-Dollar an kurzfristiger Liquidität einbringen. Ein Datenzentrum-Partner will bei Abschluss 50 Millionen Dollar beisteuern, weitere 26,5 Millionen sind an die Verifizierung von Netzkapazitäten gebunden. Zum Ende des ersten Quartals lag die unbeschränkte Kassenposition bei rund 162 Millionen Dollar— ein Rückgang gegenüber dem Vorquartal.

Verwässerung bleibt ein Dauerthema: Die gewichtete Aktienzahl stieg im Jahresvergleich um 47 Prozent. Analysten sind gespalten. Craig-Hallum und B. Riley hoben ihre Kursziele nach zwei Quartalen mit besserer Marge auf 5 Dollar an, während Morgan Stanley bei einem Ziel von nur 1,65 Dollar und einer Untergewichten-Einstufung bleibt.

Bloom Energy: Steiler Absturz vor der Schicksalsbilanz

Kein anderer Wasserstoff-Wert bewegte sich zuletzt so heftig wie Bloom Energy. Die Aktie schloss am Freitag bei 163,80 Euro, ein Einbruch von 14,33 Prozent an einem einzigen Tag. Über sieben Tage steht ein Minus von 12,69 Prozent, über 30 Tage sogar von 43,03 Prozent zu Buche— trotzdem liegt der Titel seit Jahresbeginn noch immer 118,25 Prozent im Plus.

Der Kursrutsch spiegelt wachsende Zweifel daran, ob Bloom seine eigenen Ziele erreichen kann. Der Konsens für das zweite Quartal liegt bei rund 767 Millionen Dollar Umsatz— um die Jahresprognose zu erfüllen, müsste das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte über eine Milliarde Dollar Umsatz pro Quartal erzielen. Verschärft wurde der Druck durch einen Short-Seller-Bericht, der Zweifel an den Offenlegungen des Unternehmens weckte— Bloom wies die Vorwürfe in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht zurück.

Die operativen Zahlen erzählen dennoch eine andere Geschichte. Der Produktumsatz stieg im ersten Quartal um rund 208 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Unternehmen hob seine Jahresprognose auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar an. Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 259 Dollar, Baird bestätigte kürzlich eine Outperform-Einstufung mit einem Ziel von 310 Dollar.

Ballard Power: Ruhige Analystenlage vor dem Bericht

Ballard Power geht vergleichsweise unaufgeregt in die Berichtssaison. Am Freitag schloss die Aktie bei 2,50 Euro, ein Minus von 4,80 Prozent. Über sieben Tage steht dagegen ein Plus von 6,03 Prozent, seit Jahresbeginn liegt der Titel 14,17 Prozent im Grün.

Fünfzehn Analystenhäuser bewerten das Papier derzeit mehrheitlich mit „Hold“, nur eine Handvoll traut sich an eine Kaufempfehlung. Der letzte Quartalsbericht Anfang Mai fiel besser aus als erwartet: Der Verlust je Aktie lag bei 0,04 Dollar statt der erwarteten 0,06 Dollar, wenngleich der Umsatz mit knapp 19 Millionen Dollar leicht unter den Erwartungen blieb.

Die Meinungen zum fairen Wert gehen auseinander. ATB Cormark hob sein Kursziel im Mai auf 4,30 Dollar an, während Weiss Ratings weiterhin eine Verkaufsempfehlung ausspricht. Der Bericht zum zweiten Quartal am 31. Juli soll zeigen, ob sich die Verlustverringerung fortsetzt— Erwartungen gehen von einer deutlichen Verbesserung des Ergebnisses je Aktie aus.

FuelCell Energy: Nach der Rally kommt die Verdauung

FuelCell Energy war der Star des Sommers, kühlt aber spürbar ab. Die Aktie schloss am Freitag bei 18,60 Euro, ein Tagesminus von 9,18 Prozent. Über sieben Tage steht dennoch ein Plus von 15,06 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mit 166,93 Prozent nahezu verdreifacht.

Angetrieben wurde die Rally durch eine Reihe kommerzieller Erfolge. Eine Vereinbarung mit Fit Energy deckt bis zu 380 Megawatt Grundlaststrom für Rechenzentren ab, ergänzt durch eine Kooperation mit Siemens für skalierbare Brennstoffzellensysteme sowie ein Exportfinanzierungspaket über 49 Millionen Dollar für Projekte in Südkorea. Mehrere Analysten hoben ihre Kursziele im Zuge dessen bis auf 32 Dollar an.

Die Euphorie bekam zuletzt einen Dämpfer durch eine Kapitalerhöhung. Eine Sekundärplatzierung über 225 Millionen Dollar zu einem Preis von 21 Dollar je Aktie löste kurzfristig deutliche Kursverluste im nachbörslichen Handel aus. Trotz des Rücksetzers bleibt die Jahresperformance beeindruckend— und wirft die Frage auf, ob die Bewertung den operativen Fortschritt noch angemessen widerspiegelt.

Sektordynamik: Wer wovon abhängt

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich sich das Wasserstoff-Thema je nach Endmarkt entwickelt:

  • Bloom Energy und FuelCell Energy profitieren am direktesten vom Rechenzentrums-Boom, kämpfen aber mit Verwässerung und Short-Seller-Attacken.
  • Plug Power befindet sich in einer akuten Liquiditätsphase, in der Vermögensverkäufe über die kurzfristige Zukunft entscheiden.
  • Ballard Power durchläuft eine langsame operative Wende mit stabiler, aber wenig euphorischer Analystenmeinung.
  • Nel ASA bleibt vom KI-Trend weitgehend abgekoppelt und hängt an der europäischen Elektrolyseur-Nachfrage.
  • Über alle fünf Namen hinweg bleibt die Kluft zwischen Auftragsbestand und tatsächlich realisiertem Umsatz das zentrale Spannungsfeld für Anleger.

Wasserstoff-Branche vor der Belastungsprobe

Die kommenden Tage liefern gleich mehrere Weichenstellungen. Bloom Energy muss am Dienstag zeigen, ob die für das zweite Halbjahr nötige Umsatzbeschleunigung realistisch ist. Ballard Power steht am 31. Juli vor der Frage, ob die jüngsten Margenfortschritte tragfähig sind. Für Plug Power dürfte der Abschluss des Texas-Verkaufs darüber entscheiden, ob sich der Kurs stabilisiert oder erneut unter Druck gerät.

FuelCell Energy muss beweisen, dass sich die jüngsten Partnerschaften zügig in Umsatz übersetzen lassen. Nel ASA sucht derweil weiter nach einem fundamentalen Boden, während die europäische Wasserstoff-Nachfrage schwach bleibt. Am Ende dürfte weniger die KI-Fantasie über die Kursentwicklung entscheiden als die nüchternen Fragen nach Cash-Generierung und Auftragsumsetzung.

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Diskussion zu Nel ASA

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.