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Wasserstoff-Aktien: FuelCell sichert 380-MW-Deal, HydrogenPro kämpft ums Überleben

FuelCell Energy und Bloom Energy profitieren von KI-Rechenzentren, während Nel und HydrogenPro unter Auftragsmangel und Kapitalproblemen leiden.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • FuelCell Energy sichert 380-MW-Deal
  • Bloom Energy mit über 220 Prozent Plus
  • Plug Power startet dänische Elektrolyseur-Anlage
  • Nel und HydrogenPro kämpfen ums Überleben

Ein 380-Megawatt-Vertrag für KI-Rechenzentren, ein dänischer Elektrolyseur-Meilenstein und eine Führungskrise in Oslo — die Wasserstoff-Branche driftet diese Woche so weit auseinander wie selten zuvor. Wer Brennstoffzellen für Rechenzentren liefert, feiert historische Aufträge. Wer auf grünen Wasserstoff aus Elektrolyseuren setzt, kämpft gegen schrumpfende Orderbücher und Kapitalnot.

FuelCell Energy: Der Rechenzentrum-Deal als Gamechanger

Am Dienstag verkündete FuelCell Energy eine strategische Vereinbarung mit Fit Energy USA über bis zu 380 Megawatt sauberer Grundlast-Stromerzeugung für Rechenzentren. Eine erste Anzahlung für 30 MW ist bereits geflossen, die Lieferung soll noch in diesem Jahr beginnen. Sollte der gesamte Rahmenvertrag umgesetzt werden, wäre es eine der größten Brennstoffzell-Installationen weltweit.

Die Langzeitwartungsverträge zu dem Deal laufen über 15 bis 20 Jahre pro Standort — ein massiver Umsatzanker. CEO Jason Few betonte, die Vereinbarung bestätige die Entscheidung, die eigene Produktionskapazität auf 500 MW hochzufahren.

Die Quartalszahlen liefern ein gemischtes Bild. Der Umsatz sank im zweiten Fiskalquartal leicht auf 35,6 Millionen Dollar, die Nettoverluste weiteten sich durch eine Groton-Abschreibung auf 77,6 Millionen Dollar aus. Positiv: Die bereinigte EBITDA-Entwicklung verbesserte sich, und die Projekt-Pipeline explodierte auf 4 GW — ein Anstieg um 250 Prozent, fast ausschließlich getrieben durch KI-bezogene Nachfrage.

Canaccord stufte die Aktie von Halten auf Kaufen hoch und setzte das Kursziel auf 30 Dollar. Aktuell notiert FuelCell Energy bei 16,95 Euro, rund 29 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Die Volatilität bleibt mit annualisiert knapp 170 Prozent enorm.

Bloom Energy: Rallye-Maschine mit Bewertungsfrage

Bloom Energy ist der unbestrittene Star der Wasserstoff-Branche in diesem Jahr. Die Aktie hat seit Jahresbeginn über 220 Prozent zugelegt und notiert bei 269,50 Euro — nur gut zwölf Prozent unter dem Allzeithoch. Innerhalb von zwei Wochen schoss der Kurs Mitte Juni um über 30 Prozent nach oben.

Die Treiber sind konkret und benennbar:

  • Oracle-Deal über bis zu 2,8 GW Brennstoffzell-Kapazität für KI-Rechenzentren
  • Nebius-Vertrag mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Dollar über die Laufzeit
  • Q1-Zahlen, die alles übertrafen: 751 Millionen Dollar Umsatz (plus 130 Prozent), ein Gewinn je Aktie von 0,44 Dollar statt erwarteter 0,13 Dollar
  • Angehobene Jahresprognose auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar Umsatz

Das Management stellte klar, kein neues Eigenkapital aufnehmen zu wollen — trotz der rasant steigenden Nachfrage. UBS hob das Kursziel auf 322 Dollar und verwies auf neue FERC-Regeln, die den Ausbau von Vor-Ort-Stromerzeugung für Rechenzentren erleichtern.

Barclays und Bernstein sehen die Technologie ebenfalls gut positioniert, mahnen aber Ausführungsrisiken und freie Cashflow-Schwächen an. Beide setzen ihr Ziel bei 276 Dollar. Der Durchschnitts-Konsens von 28 Analysten liegt bei 264,53 Dollar — deutlich unter dem aktuellen Kursniveau. Die wachsende Konkurrenz durch Gas- und Nuklearoptionen für Rechenzentren könnte den Bewertungsspielraum mittelfristig einengen.

Plug Power: Beweis der Lieferfähigkeit in Dänemark

Plug Power meldete am Dienstag den Abschluss einer entscheidenden Projektphase im dänischen Esbjerg. Die Måde Power-to-X-Anlage von European Energy ist mit einem 5-MW-GenEco-PEM-Elektrolyseur in Betrieb gegangen — inklusive Installation, Inbetriebnahme, Abnahmetests und Übergabe. Die Anlage soll jährlich rund 550 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren, zertifiziert nach dem ISCC-Standard als erneuerbarer Kraftstoff nicht-biologischen Ursprungs.

Das Projekt ist klein. Aber es zeigt, dass Plug Powers Elektrolyseur-Plattform in einem europäischen Praxisumfeld funktioniert — vom Aufbau bis zur Zertifizierung. CEO José Luis Crespo sprach von einem Übergang „von Einzelprojekten zu wiederholbarer Umsetzung“.

Die Quartalszahlen untermauern diese Erzählung vorsichtig. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 163,5 Millionen Dollar und übertraf die Erwartungen. Die Bruttomarge verbesserte sich um 42 Prozentpunkte. Ein positives bereinigtes EBITDA peilt das Management für das vierte Quartal 2026 an.

Die Aktie notiert bei 2,21 Euro, gut 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 16 Prozent. Der Analystenkonsens von 20 Experten lautet auf Halten mit einem Zwölf-Monats-Kursziel von 3,62 Dollar. Die Verluste bleiben hoch, Profitabilität erwarten Analysten frühestens in drei Jahren.

Nel ASA: CEO-Abgang trifft auf ausgedörrtes Orderbuch

Mitte Juni trat CEO Håkon Volldal zurück, um eine andere berufliche Chance wahrzunehmen. Die sechsmonatige Kündigungsfrist läuft, die Suche nach einem Nachfolger ist angelaufen. Die Aktie stürzte am Tag der Meldung um 8,65 Prozent ab.

Der Zeitpunkt könnte kaum schlechter sein. Im ersten Quartal brach der Auftragseingang um 73 Prozent ein, der Umsatz rutschte auf 148 Millionen Norwegische Kronen. Rund 20 Prozent der norwegischen Belegschaft wurden bereits abgebaut. Der Verlust je Aktie vertiefte sich auf minus 0,08 NOK.

Dabei hat Nel gerade ein Produkt vorgestellt, das das Potenzial hätte, den Markt aufzumischen. Die neue alkalische Druckelektrolyseur-Plattform soll Gesamtkosten von unter 1.450 Dollar pro Kilowatt ermöglichen — weniger als die Hälfte der üblichen 3.000 Dollar und mehr. Die EU hat die Industrialisierung am Standort Herøya mit bis zu 135 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds gefördert und übernimmt bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten.

Nur: Ohne CEO und mit kollabierender Nachfrage muss der Vorstand jemanden finden, der diese Technologie kommerzialisieren kann, bevor der Wettbewerbsvorsprung verpufft. Die Aktie notiert bei 0,21 Euro, knapp 43 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. 13 Analysten bewerten Nel im Konsens mit Verkaufen. Am 15. Juli stehen die Halbjahreszahlen an — der nächste Belastungstest.

HydrogenPro: Kapitalspritze zum Ramschpreis

HydrogenPro hat am 22. Juni eine Privatplatzierung über 30 Millionen neue Aktien abgeschlossen und damit rund 15 Millionen NOK eingenommen. Der Ausgabepreis: 0,50 NOK je Aktie — ein Abschlag von über 76 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag. Die Verwässerung ist massiv, das neue Grundkapital verteilt sich nun auf 125,5 Millionen Aktien.

Das Geld kauft Zeit, nicht Vertrauen. In einem Business-Update stellte das Unternehmen zwei Elektrolyseur-Verträge im Volumen von rund 300 Millionen NOK in Aussicht, die im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden sollen. Die breitere Pipeline beziffert HydrogenPro auf eine Milliarde NOK an Projekten, die in den nächsten zwölf Monaten eine finale Investitionsentscheidung erreichen könnten.

Die Realität am Markt sieht anders aus. Die Internationale Energieagentur hat ihre Prognose für saubere Wasserstoffproduktion bis 2030 um rund 40 Prozent auf sechs Millionen Tonnen pro Jahr gekürzt. Die Aktie spiegelt diese Skepsis brutal wider: Mit 0,07 Euro hat sie innerhalb von 30 Tagen über 75 Prozent verloren. Die Wochenvolatilität übersteigt 75 Prozent aller norwegischen Titel.

Zwei Welten im Wasserstoff-Sektor

Die Kluft innerhalb der Branche ist struktureller Natur und lässt sich auf einen Faktor herunterbrechen: Endmarktzugang.

Brennstoffzell-Unternehmen wie Bloom Energy und FuelCell Energy bedienen Kunden, die Strom sofort brauchen — Betreiber von KI-Rechenzentren, die nicht auf Netzausbauten warten können. Die Aufträge sind hinterlegt, die Zeitpläne konkret, die Margen steigen.

Elektrolyseur-Hersteller wie Nel und HydrogenPro hängen dagegen an grünen Wasserstoffprojekten, die regulatorische Genehmigungen, Subventionssicherheit und lange Investitionsentscheidungsprozesse erfordern. Projektverzögerungen und -streichungen haben die Orderbücher ausgehöhlt. Die Insolvenz des Batterieherstellers Northvolt hat die Stimmung für europäische Cleantech-Werte zusätzlich belastet.

Plug Power steht zwischen beiden Welten — operativ auf dem Weg der Besserung, aber weiterhin verlustbringend und abhängig von Steuerkredit-Monetarisierung und europäischen Projektgewinnen.

Rechenzentren als Scheidelinie für die Branche

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die aktuelle Kluft weiter wächst. Bei FuelCell Energy steht die termingerechte Lieferung der ersten 30 MW an Fit Energy im Fokus — ein Erfolg würde die Konvertierung der restlichen 350 MW wahrscheinlicher machen. Bloom Energy muss mit den nächsten Quartalszahlen Ende Juli beweisen, dass die auf bis zu 3,8 Milliarden Dollar angehobene Jahresprognose haltbar ist.

Nel ASA braucht vor allem eins: einen neuen CEO, der die vielversprechende Elektrolyseur-Technologie vom Labor in den Markt bringt. Für HydrogenPro wird das dritte Quartal zur Existenzfrage — materialisieren sich die angekündigten 300-Millionen-NOK-Verträge nicht, dürfte die nächste Kapitalrunde unvermeidlich sein.

Das Thema Rechenzentrum-Strom hat sich als dominanter Kurstreiber im Wasserstoff-Sektor etabliert. Unternehmen ohne klaren Zugang zu diesem Markt werden zunehmend als eigene, weniger attraktive Anlageklasse gehandelt.

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