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Wasserstoff-Aktien: Ballard Power expandiert, ITM Power wartet auf Fördergeld

Bloom Energy profitiert vom KI-Boom, während ITM Power auf eine Förderentscheidung hofft. Ballard Power sichert sich mit GeoPura neue Märkte.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Bloom Energy profitiert von KI-Strombedarf
  • Ballard Power übernimmt GeoPura in UK
  • ITM Power hofft auf Fördergeld-Entscheidung
  • Nel ASA beendet Rechtsstreit, Aufträge brechen ein

Fünf Wasserstoff-Werte, fünf völlig unterschiedliche Wochen. Während Bloom Energy trotz Insider-Verkäufen im Rekordmodus bleibt, sichert sich Ballard Power mit einer britischen Übernahme ein neues Standbein. ITM Power dagegen hängt an einer einzigen Behördenentscheidung, die über die nächsten Monate der Aktie bestimmen dürfte.

Sektorüberblick: Zwei Geschwindigkeiten

Der Wasserstoff-Sektor läuft 2026 auf zwei Spuren. Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die vom Strombedarf der KI-Rechenzentren profitieren. Auf der anderen Seite kämpfen klassische Elektrolyseur-Hersteller weiter mit Förderzusagen, Auftragsflauten und langen Verkaufszyklen.

Bloom Energy hat sich zur wohl bemerkenswertesten Aktiengeschichte des Jahres entwickelt, getragen von der Nachfrage nach dezentraler Stromversorgung für KI-Rechenzentren. ITM Power und Nel ASA bewegen sich dagegen in einem deutlich zäheren Umfeld, das stärker von Subventionsfristen und Auftragsbüchern als von akuter Nachfrage geprägt ist.

Auch auf der Unternehmensseite war zuletzt einiges los. Ballard Power greift mit einer Übernahme in Großbritannien nach neuen Geschäftsfeldern, ITM Power profitiert von einer Kooperation mit Rheinmetall, AFC Energy setzt weiter auf seine Ammoniak-Cracking-Technologie, und Nel ASA hat einen Rechtsstreit beigelegt, kämpft aber mit einem massiven Auftragseinbruch. Die Analystenmeinungen zum Sektor gehen entsprechend auseinander.

ITM Power: Reicht der Rheinmetall-Deal für die Neubewertung?

ITM Power zeigt derzeit, wie volatil der Sektor sein kann. Die Aktie legte binnen sieben Tagen um 14,01 Prozent zu und schloss am Freitag bei 1,48 Euro. Zum bisherigen Jahreshoch von 2,58 Euro, aufgestellt Ende Mai, fehlen dennoch weiterhin gut 42 Prozent.

Auslöser der jüngsten Rally war die angekündigte Kooperation mit Rheinmetall im Rahmen des Giga-PtX-Projekts, das dezentrale Power-to-X-Anlagen von bis zu 50 Megawatt Leistung über ganz Europa verteilen soll, zunächst in Großbritannien. Operativ hat sich einiges getan: Der Auftragsbestand erreichte zuletzt 152 Millionen britische Pfund, der Umsatz im ersten Halbjahr kletterte auf einen Rekordwert von 18 Millionen Pfund, und der Anteil profitabler Aufträge im Bestand stieg von 60 auf 71 Prozent.

Der entscheidende Katalysator liegt jetzt bei einer Behörde. Die britische Wettbewerbsaufsicht hat ihre Bewertung des Sheffield-Fördervolumens in Höhe von 46,5 Millionen Pfund veröffentlicht, die endgültige Entscheidung über die Auszahlung liegt aber weiterhin beim zuständigen Energieministerium. Ein positiver Bescheid würde den Produktionshochlauf der Chronos-Anlage absichern, eine Verzögerung dagegen neue Kursbelastung bringen.

Die Analystenlager sind gespalten wie selten. Morgan Stanley hat das Kursziel von 60 auf 170 Pence mehr als verdoppelt und die Einstufung auf „Overweight“ angehoben — die erste positive Bewertung eines Wasserstoff-Ausrüsters seit fünf Jahren, begründet mit der Erwartung, ITM Power könne bereits im Geschäftsjahr 2028 die operative Gewinnschwelle erreichen. Berenberg zog mit einer Anhebung auf 200 Pence nach, während UBS bei „Neutral“ und einem Kursziel von 60 Pence bleibt. Der Bewertungsstreit ist damit alles andere als entschieden.

Nel ASA: Rechtsfrieden trifft auf Auftragseinbruch

Nel ASA hat einen langjährigen Rechtsstreit in den USA beigelegt. Im Verfahren mit Iwatani Corporation of America, das sich um Lieferverträge für Wasserstoff-Tankstellen in Kalifornien drehte, einigten sich beide Seiten außergerichtlich. Nel zahlt dafür 7,5 Millionen US-Dollar, vermeidet damit aber weitere Prozesskosten und Rechtsunsicherheit.

Das eigentliche Problem der Aktie liegt jedoch woanders. Der Auftragseingang brach im ersten Quartal um 73 Prozent auf nur noch 85 Millionen norwegische Kronen ein, der Auftragsbestand schrumpfte um 24 Prozent auf rund 1,113 Milliarden Kronen. Der Umsatz sank ebenfalls, wenn auch moderater.

Immerhin bleibt die Kassenlage mit gut 1,4 Milliarden Kronen ein Stabilitätsanker. Am Kapitalmarkt hilft das bislang wenig: Der durchschnittliche Kursziel-Konsens liegt bei 2,118 Kronen, die Einstufung der Analysten fällt mit „Underperform“ skeptisch aus. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,21 Euro, nach einem Wochenplus von 4,90 Prozent, steht aber auf Monatssicht mit 31,63 Prozent im Minus. Der nächste Stimmungstest folgt mit dem Halbjahresbericht am 15. Juli.

Bloom Energy: KI-Boom trotzt Insider-Verkäufen

Bloom Energy bleibt der klare Ausreißer im Sektor. Die Aktie schloss am Freitag bei 245,00 Euro, nach einem Wochenplus von 10,61 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 191,01 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 1.094,25 Prozent.

Ein Insiderverkauf hatte Anfang Juli kurzzeitig für Druck gesorgt und den Kurs von Ständen über 300 Dollar deutlich zurückgeworfen. Fundamental bleibt die Wachstumsgeschichte jedoch intakt. Im ersten Quartal übertraf Bloom die Gewinnerwartungen der Analysten mit 0,44 Dollar je Aktie deutlich, der Umsatz kletterte um 130,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das Management hat daraufhin die Jahresprognose für den Gewinn je Aktie auf eine Spanne von 1,85 bis 2,25 Dollar angehoben, deutlich über dem bisherigen Analystenkonsens.

Wie ernst der Markt die Wachstumsstory nimmt, zeigt die Partnerschaft mit Brookfield Asset Management. Das gemeinsame Finanzierungsrahmenwerk für KI-Stromversorgung wurde von 5 auf 25 Milliarden Dollar aufgestockt — ein Signal für das Ausmaß, das beide Seiten dem Brennstoffzellen-Geschäft im Rechenzentrumsmarkt zutrauen.

Ballard Power: GeoPura-Übernahme als neuer Wachstumshebel

Ballard Power war zuletzt der aktivste Dealmaker im Sektor. Im Zentrum steht die Übernahme des britischen Wasserstoff-Anbieters GeoPura für 301 Millionen britische Pfund, kurz nachdem das Unternehmen bereits einen Auftrag über eine stationäre 15-Megawatt-Brennstoffzellenanlage für einen netzunabhängigen Stromkunden gesichert hatte. Die Aktie schloss am Freitag bei 3,15 Euro, nach einem Tagesplus von 2,01 Prozent, bleibt aber mit einem Minus von 39,67 Prozent auf Monatssicht deutlich unter Druck.

Operativ hat sich die Lage seit dem ersten Quartal spürbar verbessert. Der Umsatz stieg um 26 Prozent auf 19,4 Millionen Dollar, die Bruttomarge verbesserte sich um 37 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr, und die Kassenreserven lagen bei 516,8 Millionen Dollar. Ein wichtiger Kommerzialisierungserfolg kam im März hinzu: Der Busbauer New Flyer bestellte 500 FCmove-HD+-Brennstoffzellenmodule mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt — der größte Einzelauftrag, den New Flyer je vergeben hat.

Trotz dieser Fortschritte bleiben die Analysten vorsichtig. Der Konsens der vierzehn abdeckenden Häuser lautet weiterhin „Reduce“. Immerhin hat TD Cowen die Einstufung jüngst von „Sell“ auf „Hold“ angehoben und verweist dabei auf Restrukturierung, Kostensenkungen und den Rückzug aus China und Texas als Schritte, die kurzfristige Risiken abbauen. Für 2026 rechnet das Haus im Wasserstoff-Sektor insgesamt dennoch weiter mit einem schwierigen Umfeld.

AFC Energy: Ammoniak-Cracking gewinnt langsam an Fahrt

AFC Energy hat sich bei britischen Nebenwerte-Investoren zuletzt zurückgemeldet. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,14 Euro, ein Plus von 4,72 Prozent gegenüber dem Vortag und von 7,41 Prozent auf Wochensicht. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Minus von 19,59 Prozent zu Buche.

Im Zentrum der Strategie steht die firmeneigene Ammoniak-Cracking-Technologie. Die erste Hy5-Einheit soll am Standort Port Clarence der Industrial Chemicals Group in Betrieb gehen, mit kommerzieller Wasserstoffproduktion im Verlauf des ersten Halbjahres 2026, vorbehaltlich der Genehmigungen. Eine frühere Anpassung der Forschungs- und Entwicklungserlaubnis durch die britische Umweltbehörde erlaubt es dem Unternehmen bereits jetzt, Wasserstoff aus der Pilotanlage an Abnehmer zu verkaufen — ein Schritt, der die Umsatzgenerierung um mehrere Monate vorzieht.

Der Analystenkonsens bleibt trotz der noch dünnen Umsatzbasis optimistisch mit einer „Strong Buy“-Einstufung. Peel Hunt bekräftigte zuletzt seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 23 Pence, basierend auf einem Kapitalkostensatz von 15 Prozent.

Sektordynamik im Überblick

  • Bloom Energy: Profiteur des KI-Strombedarfs, Marktkapitalisierung übersteigt den Rest des Sektors zusammen
  • Ballard Power: Diversifikation über GeoPura-Übernahme und stationäre Brennstoffzellen-Aufträge
  • ITM Power: Rekord-Auftragsbestand trifft auf offene Fördergeld-Entscheidung
  • Nel ASA: Rechtsstreit beigelegt, Auftragseingang aber eingebrochen
  • AFC Energy: Ammoniak-Cracking-Nische mit früher Genehmigung für Wasserstoffverkäufe

Wasserstoff-Branche zwischen Rechenzentrum-Boom und Förderpoker

Die kommenden Wochen liefern konkrete Prüfsteine für den gesamten Sektor. Nel ASA zeigt mit seinem Halbjahresbericht am 15. Juli, ob sich der Auftragseinbruch stabilisiert. ITM-Power-Aktionäre warten weiter auf die verbindliche Entscheidung der britischen Regierung zum Sheffield-Fördergeld, dem zentralen Katalysator für den Chronos-Produktionshochlauf.

Bei Ballard Power dürfte sich zeigen, ob die GeoPura-Integration und der Vorstoß in stationäre Anwendungen die anhaltende Schwäche im Bus- und Bahngeschäft ausgleichen können. Bloom Energy bleibt der Gradmesser für die Stimmung im gesamten Sektor — seine Fähigkeit, das KI-getriebene Wachstum in der zweiten Jahreshälfte zu bestätigen, dürfte angesichts der mittlerweile enormen Marktkapitalisierung überproportional auf die Wahrnehmung der übrigen Wasserstoff-Werte ausstrahlen. AFC Energy schließlich muss mit der kommerziellen Inbetriebnahme in Port Clarence zeigen, dass die optimistische Analystenbewertung mehr ist als eine Wette auf die Zukunft.

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Diskussion zu ITM Power

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.