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Washingtons H200-Freigabe, Googles Chip-Deal — Nvidia, AMD und Marvell im Höhenrausch

US-Regierung genehmigt Nvidia H200-Verkäufe nach China. AMD und Marvell erreichen neue Höchststände, während ASML unter politischem Druck leidet.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nvidia erhält Exportgenehmigung für China
  • SK Hynix mit Rekordmarge von 72 Prozent
  • AMD übertrifft Erwartungen im Servergeschäft
  • Marvell profitiert von Google-Partnerschaftsgerüchten

Zehn chinesische Konzerne dürfen wieder Nvidias KI-Chips kaufen. Was wie eine Randnotiz klingt, hat diese Woche die gesamte Halbleiterbranche elektrisiert — und gleichzeitig einen politischen Gegenwind entfacht, der vor allem ASML hart trifft. Fünf Chipwerte zwischen Rekordmarken und geopolitischem Minenfeld.

Nvidia: H200-Verkäufe nach China genehmigt — und die 79-Milliarden-Prüfung steht bevor

Die Nachricht schlug ein wie ein Katalysator: Das US-Handelsministerium hat rund zehn chinesischen Unternehmen den Kauf von Nvidias H200-KI-Chips genehmigt. Alibaba, Tencent, ByteDance und JD.com gehören zu den Käufern, hinzu kommen Distributoren wie Lenovo und Foxconn. Jeder Abnehmer darf bis zu 75.000 Chips erwerben.

Die strategische Dimension ist enorm. Vor der Verschärfung der Exportkontrollen beherrschte Nvidia rund 95 % des chinesischen Markts für fortschrittliche Chips. CEO Jensen Huang beziffert allein das chinesische KI-Marktpotenzial auf 50 Milliarden Dollar in diesem Jahr. China trug zuletzt 13 % zum Konzernumsatz bei — Spielraum nach oben ist also erheblich.

Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Nvidia einen Umsatz von 215,94 Milliarden Dollar, ein Plus von gut 65 % gegenüber dem Vorjahr. Die Aktie markierte in dieser Woche ein neues Allzeithoch, gab am Freitag allerdings 3,56 % nach und schloss bei 193,90 Euro. Nun richtet sich der Blick auf die am 20. Mai anstehenden Q1-Zahlen für das Geschäftsjahr 2027. Analysten erwarten einen Quartalsumsatz von rund 79 Milliarden Dollar — fast doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.

Cantor Fitzgerald hob das Kursziel auf 350 Dollar an. Analyst CJ Muse begründete den Schritt damit, dass die verfügbare Rechenkapazität „außerordentlich knapp“ bleibe und Nvidia für 2026 und 2027 praktisch ausverkauft sei. Im Schnitt sehen 37 Analysten die Aktie als „Strong Buy“ mit einem Zwölf-Monats-Ziel von 272,54 Dollar.

SK Hynix: Nullkapazität, 72 % operative Marge — und Big Tech will die Fabriken finanzieren

Der südkoreanische Speicherchip-Gigant liefert Zahlen, die selbst in einem Boom-Sektor herausstechen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 52,58 Billionen Won — ein Anstieg von 198 % im Jahresvergleich. Die operative Marge erreichte 72 % und übertraf damit sogar Nvidias 65 %. Für das Gesamtjahr wird ein Sprung des operativen Gewinns von 47 auf 230 Billionen Won erwartet.

Was noch bemerkenswerter ist als die Finanzdaten: Große Technologiekonzerne bieten SK Hynix an, neue Produktionslinien am Yongin-Halbleitercluster zu finanzieren und sogar ASML-EUV-Lithographieanlagen zu bezahlen — nur um sich Chiplieferungen zu sichern. Der Grund für diese Verzweiflung liegt in der Kapazitätsauslastung. Die verfügbare Reservekapazität liegt bei effektiv null, zusätzliches Volumen für einzelne Kunden existiert schlicht nicht.

SK Hynix agiert dennoch vorsichtig. Eine Fremdfinanzierung der Fabriken könnte die eigene Preissetzungsmacht untergraben. Die Aktie hat sich seit Jahresanfang mehr als verdreifacht und notiert bei 1.819.000 Won — nach einem Rücksetzer von knapp 8 % am Freitag. UBS erhöhte das Kursziel im Mai von 1,55 auf 1,7 Millionen Won und hob die Gewinnprognosen für 2026 und 2027 um 22 bzw. 29 % an. Die Analysten sprechen von einem „Memory-Superzyklus“, wie er seit fast 30 Jahren nicht mehr aufgetreten sei.

Ein Risiko bleibt: Samsung hat für seinen HBM4-Chip die Qualifizierung für Nvidias Vera-Rubin-Plattform erhalten. Gelingt die Massenproduktion in der zweiten Jahreshälfte 2026, könnte SK Hynix‘ HBM-Marktanteil auf 50 bis 60 % sinken.

AMD: Rekordumsatz im Servergeschäft — und 92 % Plus seit Jahresanfang

AMD hat in diesem Jahr eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt. Die Aktie hat sich seit Jahresende 2025 nahezu verdoppelt, der bereinigte Gewinn je Aktie lag im ersten Quartal bei 1,37 Dollar und schlug die Erwartungen von 1,29 Dollar. Der Umsatz stieg um 38 % auf 10,25 Milliarden Dollar, das Rechenzentrumsgeschäft legte um 57 % auf 5,8 Milliarden Dollar zu.

Die Marktanteilsdaten von Mercury Research unterstreichen den Aufstieg. AMD kontrolliert inzwischen 46,2 % aller x86-Server-CPU-Umsätze — bei einem Stückzahlanteil von rund einem Drittel. Die Kluft zwischen Stück- und Umsatzanteil spiegelt deutlich höhere Durchschnittspreise wider. Im gesamten x86-Markt hält AMD nun 38,1 % des Umsatzanteils.

Für das zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von etwa 11,2 Milliarden Dollar in Aussicht — über den Analystenerwartungen von 10,52 Milliarden Dollar. Die Aktie reagierte am Tag nach den Zahlen mit einem Plus von über 18 %. Am Freitag folgte allerdings ein Rücksetzer um 4,80 % auf 365,55 Euro.

Die Analystenreaktionen fielen euphorisch aus:

  • Bernstein stufte AMD auf „Outperform“ hoch, Kursziel 525 Dollar (zuvor 265 Dollar)
  • Barclays und Cantor Fitzgerald erhöhten auf jeweils 500 Dollar
  • Bank of America hob auf 450 Dollar an

Als Treiber nannten die Häuser unter anderem den Einsatz von AMD-Chips in Metas 6-GW-Partnerschaft, bei OpenAI-Deployments und in Oracles 50.000-GPU-Helios-Supercluster. Die zentrale Frage bleibt, ob AMD die hochgesteckten Erwartungen in der zweiten Jahreshälfte auch erfüllen kann.

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ASML: Starkes Kerngeschäft, aber der MATCH Act bedroht das China-Geschäft

Während andere Chipwerte diese Woche Rekorde feierten, geriet ASML unter Druck. Die Aktie verlor am Freitag 5,02 % auf 1.295,20 Euro. Der Auslöser: Beim US-chinesischen Gipfeltreffen blieben Halbleiter-Vereinbarungen aus, und gleichzeitig brachten US-Gesetzgeber den MATCH Act auf den Weg.

Dieses Gesetzesvorhaben hätte weitreichende Konsequenzen. Es würde auch ASMLs DUV-Lithographiemaschinen vom Export nach China ausschließen — jene weniger fortschrittlichen Systeme, die chinesische Chipfertiger bislang noch kaufen durften. JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande schätzt, dass ASMLs Gewinn je Aktie um bis zu 10 % sinken könnte. Zwar würden die Verkäufe in andere Regionen steigen, den Wegfall der China-Umsätze aber nicht vollständig kompensieren.

Ein weiterer Dämpfer: TSMC, einer der wichtigsten Kunden, verschiebt den Einsatz von ASMLs hochmodernen High-NA-EUV-Maschinen auf frühestens 2029. Das belastet die kurzfristige Nachfrage nach den margenstärksten Produkten.

Das Kerngeschäft bleibt trotz allem robust. Im ersten Quartal erzielte ASML einen Nettoumsatz von 8,8 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen von 8,5 Milliarden Euro. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben, nach zuvor 34 bis 39 Milliarden Euro. Bernstein, Berenberg und Goldman Sachs bestätigten im Mai ihre Kaufempfehlungen. ASMLs Monopolstellung bei EUV-Lithographie bleibt der Anker der langfristigen These — das politische Umfeld aber diktiert den kurzfristigen Kurs.

Marvell Technology: Google-Gerüchte treiben die Aktie auf Rekordhoch

Marvell Technology hat diese Woche ein neues Allzeithoch bei 192,15 Dollar markiert. Berichte über eine Partnerschaft mit Alphabet zur Entwicklung maßgeschneiderter KI-Chips trieben die Aktie am 14. Mai um knapp 6 % nach oben. Im Raum stehen mehrere Projekte: ein auf Inferenz optimierter Tensor-Chip und eine Memory Processing Unit.

Offiziell bestätigt hat Marvell die Zusammenarbeit nicht. Bereits die Gerüchte reichten aus, um die Aktie auf Rekordniveau zu katapultieren. Seit Jahresanfang hat sich der Kurs verdoppelt — zwölf neue Allzeithochs allein in diesem Jahr. Am Freitag schloss die Aktie bei 152,64 Euro, ein Minus von 2,14 % im Tagesverlauf.

Zusätzlich befeuerte ein Detail aus AMDs jüngster Portfoliooffenlegung die Fantasie: AMD hält mittlerweile 65.516 Marvell-Aktien im Wert von rund 11,6 Millionen Dollar. Bei zwei Unternehmen, die so eng im KI-Ökosystem verflochten sind, lässt das auf eine Vertiefung der Geschäftsbeziehung schließen.

Die Analysten zogen mit. Bank of America erhöhte das Kursziel von 125 auf 200 Dollar und ernannte Marvell zur bevorzugten Investition im Custom-Silicon-Bereich. Goldman Sachs hob auf 125 Dollar an, TD Cowen verdoppelte das Ziel von 90 auf 180 Dollar. Die Bewertung ist allerdings ambitioniert: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 61,34, und das Unternehmen hängt stark von einer begrenzten Zahl an Hyperscaler-Kunden ab. Am 27. Mai folgen Marvells Quartalszahlen — sie werden zeigen müssen, ob die Bewertung gerechtfertigt ist.

Geopolitik als gemeinsamer Nenner

Was alle fünf Chipwerte in dieser Woche verbindet, ist die dominierende Rolle der US-chinesischen Handelspolitik. Nvidia profitierte direkt von Washingtons H200-Genehmigungen, ASML litt unter dem Ausbleiben breiterer Halbleiter-Abkommen. SK Hynix gewinnt indirekt durch jede Beschränkung chinesischer Speicherchip-Konkurrenten, während AMDs Servergeschäft weitgehend isoliert von direkter China-Abhängigkeit operiert.

Die strukturelle Angebotsknappheit untermauert die Sektorstärke zusätzlich:

  • Goldman Sachs hob die DRAM-Angebotslücke für 2026 von 3,3 % auf 4,9 % an — der schwerste Engpass seit 15 Jahren
  • Die drei größten Speicherchip-Hersteller haben ihre Kapazitäten für dieses Jahr praktisch vollständig verbucht
  • Neue Wafer-Fabriken benötigen vier bis fünf Jahre Bauzeit, frische Kapazitäten fallen in diesem Jahr also nicht ins Gewicht
  • UBS erwartet keine Verlangsamung im Server-CPU-Markt, der 2025 bereits um 21 % wuchs
  • Hyperscaler-Investitionen in Rechenzentren sollen im Jahresvergleich um fast 81 % steigen

Südkoreas Kospi-Index hat in diesem Jahr über 80 % zugelegt, getrieben von der Dominanz weniger KI-Gewinner. Die wachsende Konzentration auf eine Handvoll Titel nährt allerdings auch Sorgen über Klumpenrisiken.

Zwei Quartalsberichte, ein geopolitisches Minenfeld

Der Halbleitersektor geht mit zwei schwerwiegenden Katalysatoren in die letzten Mai-Wochen: Nvidias Q1-Zahlen am 20. Mai und Marvells Bericht am 27. Mai. Nvidia muss belegen, dass die Investitionsbereitschaft in KI-Infrastruktur unvermindert anhält — CEO Huang prognostiziert jährliche KI-Infrastrukturausgaben von drei bis vier Billionen Dollar bis 2030. Marvell braucht offizielle Bestätigung der Alphabet-Partnerschaft, um die Bewertung zu rechtfertigen.

SK-Group-Chairman Chey Tae-won warnte, die Wafer-Knappheit könnte bis 2030 andauern. ASML steht und fällt kurzfristig mit dem Fortgang des MATCH Act im US-Kongress. Und AMD muss beweisen, dass der steile Kursanstieg von über 91 % seit Jahresanfang auf solidem Fundament steht — nicht nur auf Euphorie.

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Diskussion zu Nvidia

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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