Warner Bros. Discovery startet mit einem ungewöhnlich scharfen Übernahmekonflikt in die neue Woche. Die Aktie legt heute moderat zu und bewegt sich zwischen den Angebotspreisen von Netflix und Paramount Skydance. Im Zentrum steht die Frage, ob sich der Konzern zerschlagen lässt oder komplett den Eigentümer wechselt – und wie stark Politik und Wettbewerbshüter den Ausgang beeinflussen.
Zwei rivalisierende Angebote
Die Auseinandersetzung dreht sich um zwei sehr unterschiedliche Szenarien für die Zukunft des Unternehmens.
Der Vorstand hält an einer Vereinbarung mit Netflix fest, die am 5. Dezember 2025 geschlossen wurde. Netflix soll die Studio- und Streaming-Aktivitäten (unter anderem Warner Bros. Pictures, HBO und DC Studios) für 27,75 US‑Dollar je Aktie übernehmen. Das Deal-Konstrukt bewertet diese Vermögenswerte mit einem Unternehmenswert von 82,7 Milliarden US‑Dollar. Parallel dazu sollen die klassischen TV-Sender bis Mitte 2026 in ein eigenständiges Unternehmen mit dem Namen „Discovery Global“ abgespalten werden.
Dem gegenüber steht ein feindliches Übernahmeangebot von Paramount Skydance. Paramount bietet 30,00 US‑Dollar in bar je Aktie für den gesamten Konzern. Damit wird Warner Bros. Discovery mit rund 108,4 Milliarden US‑Dollar bewertet. Trotz des Aufschlags auf das Netflix-Niveau hat der Aufsichtsrat das Angebot am 10. Januar erneut einstimmig als „unzureichend“ zurückgewiesen und auf die finanziellen Risiken verwiesen.
Politischer Druck und Regulierung
Die Auseinandersetzung hat am Wochenende eine deutliche politische Dimension bekommen. Präsident Donald Trump äußerte sich auf Truth Social kritisch zur geplanten Netflix-Transaktion. Unter der Überschrift „Stop the Netflix Cultural Takeover“ warnte er vor einer Konzentration „beispielloser kultureller Macht“ bei Netflix.
Diese Intervention ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Paramount-Führungskräfte gezielt den direkten Draht zur Regierung gesucht haben sollen. Ein Erwerb durch Paramount – einschließlich des Nachrichtensenders CNN – könnte im Weißen Haus demnach auf mehr Wohlwollen stoßen als ein weiterer Ausbau von Netflix.
Parallel dazu versucht Paramount, die Wettbewerbsebene offensiv zu bespielen. Am 9. Januar wandte sich der Chefjustiziar des Konzerns, Makan Delrahim, in einem Schreiben an einen kartellrechtlichen Unterausschuss des US-Kongresses. Darin bezeichnete er die geplante Kombination von Netflix und Warner Bros. Discovery als „vermutlich rechtswidrig“. Paramount argumentiert, dass ein Zusammenschluss mit HBO und Warner Bros. Studios Netflix eine dominierende Stellung im Streaming-Markt verschaffen würde.
Risikoaufschlag vs. Sicherheit
An der Börse spiegeln sich die Spannungen im Kursniveau wider. Mit 28,89 US‑Dollar liegt die Aktie zwischen dem Netflix-Preis (27,75 US‑Dollar) und dem Paramount-Gebot (30,00 US‑Dollar. Der Markt preist damit eine Mischung aus möglicher Nachbesserung der Angebote und einem längeren juristischen und regulatorischen Ringen ein.
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Der Vorstand um CEO David Zaslav begründet seine Ablehnung der Paramount-Offerte vor allem mit der geplanten Finanzierung. Nach Darstellung des Unternehmens müsste Paramount zur Umsetzung der Transaktion mehr als 50 Milliarden US‑Dollar an neuen Schulden aufnehmen. In der aktuellen Zinslandschaft stuft das Management diesen Hebel als zu riskant ein. Die Vereinbarung mit Netflix wird intern dagegen als „sauberere“ Lösung gesehen: klare Trennung der Geschäftsfelder und unmittelbarer Schuldenabbau, auch wenn der rechnerische Preis pro Aktie niedriger liegt als beim feindlichen Gebot.
Insidertransaktionen und Investoren
Auf Unternehmensebene sorgt eine große Insidertransaktion für Aufmerksamkeit. Finanzvorstand Gunnar Wiedenfels hat jüngst 242.994 Aktien zu einem durchschnittlichen Kurs von rund 29,50 US‑Dollar veräußert, was einem Volumen von über 7,1 Millionen US‑Dollar entspricht. Solche Verkäufe können verschiedene Gründe haben, fallen inmitten eines Übernahmekampfes aber besonders ins Gewicht, da sie nahe am Niveau des feindlichen Angebots liegen.
Auf der anderen Seite steht ein deutliches Engagement institutioneller Investoren. Nisa Investment Advisors LLC hat seine Beteiligung im dritten Quartal um 57,4 % ausgebaut und hält laut aktueller Meldung inzwischen über 300.000 Aktien. Das signalisiert, dass größere Adressen weiter auf einen werthaltigen Ausgang des Prozesses setzen.
Strategischer und historischer Kontext
Der Machtkampf ist ein weiterer Höhepunkt im globalen Konsolidierungsprozess der Medienbranche. Warner Bros. Discovery ringt seit der Fusion von WarnerMedia und Discovery im Jahr 2022 mit einer hohen Schuldenlast. Der geplante Verkauf der „Kronjuwelen“ – Studios und HBO – an Netflix bei gleichzeitiger Ausgliederung des rückläufigen linearen TV-Geschäfts stellt einen tiefen Einschnitt dar. Ziel ist es, den lange belasteten Aktienwert zu heben.
Die Offensive von Paramount Skydance sticht auch strukturell hervor. Der Konzern, dessen Börsenwert bei rund 14 Milliarden US‑Dollar liegt, versucht mit massiver Fremdfinanzierung und Unterstützung der Ellison-Familie einen deutlich größeren Wettbewerber zu übernehmen. Die klare Absage von Warner Bros. Discovery unterstreicht das Misstrauen des Boards gegenüber dieser Konstruktion.
Gleichzeitig erinnert die politische Komponente an frühere Medientransaktionen, bei denen die Stimmung in Washington gezielt genutzt wurde. Trumps öffentliche Wortmeldungen erhöhen das Risiko, dass das Justizministerium die Netflix-Transaktion unter dem Aspekt eines möglichen „kulturellen Monopols“ besonders kritisch prüft.
Ausblick: Drei zentrale Stellschrauben
In den kommenden Wochen stehen mehrere Wegmarken an, die die Richtung vorgeben dürften:
- Kartellrecht: Die Hart-Scott-Rodino-Anmeldungen für den Netflix-Deal sind eingereicht. Die erste Reaktion des Justizministeriums wird zum zentralen Katalysator, zumal Trumps Aussagen den Druck auf die Behörden verstärken könnten.
- Zahlenvorlage: Am 20. Februar legt Warner Bros. Discovery die nächsten Quartalszahlen vor. Die Veröffentlichung ist entscheidend, um zu belegen, welchen Eigenwert das Unternehmen im Fall eines Scheiterns beider Transaktionen noch hat.
- Aktionärsdruck: Solange der Kurs unterhalb der 30 US‑Dollar des Paramount-Angebots bleibt, könnte der Druck auf den Aufsichtsrat steigen, mit Paramount doch in Gespräche einzutreten – insbesondere falls sich für die Netflix-Vereinbarung deutliche regulatorische Hürden abzeichnen.
Aus technischer Sicht zeigt die Aktie mit einem RSI von 61,83 einen soliden Aufwärtstrend, bleibt jedoch klar unter der Marke von 30 US‑Dollar, die sich durch das feindliche Angebot als unmittelbarer Widerstand etabliert hat. Die Kombination aus politischem Eingreifen, kartellrechtlicher Unsicherheit und konkurrierenden Offerten spricht für anhaltend hohe Schwankungen in nächster Zeit.
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