Die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance ist unter Dach und Fach – und prompt nutzen Top-Manager die Gelegenheit zum Ausstieg. CEO David Zaslav verkaufte Aktien im Wert von über 114 Millionen Dollar. Ist das ein Zeichen mangelnden Vertrauens in die Fusion oder schlicht die logische Konsequenz eines abgeschlossenen Deals?
Zaslav und weitere Führungskräfte liquidieren Beteiligungen
Kurz nach Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen öffnete sich für die Führungsriege von Warner Bros. Discovery das Fenster zum Aktienverkauf – und die Manager griffen zu. David Zaslav trennte sich Anfang März von gut vier Millionen Aktien im Gesamtwert von 114 Millionen Dollar.
Auch andere Schwergewichte nutzten die Gelegenheit: CFO Gunnar Weidenfels, Streaming-Chef JB Perrette, Strategie-Vorstand Bruce Campbell und International-Chef Gerhard Zeiler verkauften ebenfalls Anteile in Millionenhöhe. Zeiler allein veräußerte 600.000 Aktien für knapp 17 Millionen Dollar. Ein Teil der Erlöse fließt allerdings direkt ans Finanzamt, wie die SEC-Unterlagen zeigen.
Die Verkäufe erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um rund 142 Prozent zulegte. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 24,07 Euro.
Der Deal: Paramount Skydance setzt sich durch
Hintergrund der Insider-Verkäufe ist eine der spektakulärsten Übernahmeschlachten der jüngeren Mediengeschichte. Paramount Skydance sicherte sich Warner Bros. Discovery für rund 111 Milliarden Dollar – und ließ damit Netflix das Nachsehen.
Entscheidend für den Zuschlag: Paramount bot 31 Dollar je Aktie in bar, eine Ausfallgebühr von sieben Milliarden Dollar für den Fall gescheiterter Regulierungsgenehmigungen sowie die Übernahme der 2,8 Milliarden Dollar schweren Abfindung, die Warner Bros. Discovery an Netflix zahlen musste. Netflix hatte zuvor ein Angebot von 83 Milliarden Dollar auf dem Tisch, das nur Teile des Konzerns umfasste – Paramount griff dagegen nach allem, inklusive der linearen Kabelkanäle.
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FCC-Chef Brendan Carr bezeichnete den Deal als „sauberer“ als das Netflix-Angebot und stellte eine zügige Genehmigung in Aussicht.
Was wird aus HBO und den anderen Marken?
Paramount-CEO David Ellison versicherte Analysten, dass HBO unter seinem Chef Casey Bloys eine gewisse Autonomie behalten soll. Die umfangreiche Kanalsammlung von Warner Bros. Discovery – darunter CNN, TNT, Cartoon Network, Discovery Channel und Food Network – dürfte dagegen in die bestehende Kabelsparte von Paramount integriert werden.
Die ursprünglich geplante Abspaltung der Kabelkanäle in ein separates Unternehmen namens Discovery Global ist damit vom Tisch.
Schulden und Synergien
Die fusionierte Einheit soll 2026 einen Umsatz von 69 Milliarden Dollar erzielen, so die Prognose von Paramount. Das bereinigte EBITDA wird bei 18 Milliarden Dollar erwartet, Synergien in Höhe von sechs Milliarden Dollar sind eingeplant. Die Kehrseite: Die kombinierte Firma wird mit 79 Milliarden Dollar Schulden belastet sein – eine gewaltige Hypothek, die das Management durch die erhofften Einsparungen abfedern will.
Analysten reagierten verhalten: Raymond James stufte die Aktie auf „Underperform“ herab, TD Cowen bleibt bei „Hold“ mit einem Kursziel von 26 Dollar. Die Umsatzentwicklung bei Warner Bros. Discovery schwächelte zuletzt – im Quartal bis Ende September ging der Erlös um rund sechs Prozent zurück.
Der Deal markiert eine Zäsur für Hollywood. Mit der Genehmigung durch die Aktionäre rückt die Integration näher – und damit die Frage, wie sich Traditionsmarken wie Warner Bros. und HBO unter dem Dach von Paramount entwickeln werden.
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