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VW-Krise, CATL-Rekord: E-Mobilität zwischen Extremen

Die Autobranche zeigt extreme Gegensätze: Während CATL glänzt, kämpfen VW und Tesla mit massiven Problemen. Deutz profitiert von Insiderkäufen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Deutz-Aktie steigt dank Insiderkäufen
  • Porsche SE drängt VW zu Werksschließungen
  • XPeng verfehlt Erwartungen trotz Wachstum
  • CATL überzeugt mit starkem Gewinnwachstum

Fünf Aktien, fünf komplett unterschiedliche Geschichten – und trotzdem ein gemeinsamer Nenner. Während Porsche SE öffentlich einen „historischen Wendepunkt“ bei Volkswagen ausruft, kauft sich das Deutz-Management massenhaft in die eigene Aktie ein. Gleichzeitig kämpft Tesla mit einem der heftigsten Kursrückgänge der jüngeren Firmengeschichte, während CATL trotz sinkender Margen operativ glänzt. Der Automobil- und E-Mobilitätssektor zeigt derzeit ein Bild extremer Gegensätze.

Deutz AG: Insiderkäufe treiben den Kurs

Beim Kölner Motorenbauer sorgte diese Woche eine ungewöhnlich breite Insiderkauf-Welle für Aufsehen. Vorstandsmitglied Sebastian C. Schulte griff mit einem Volumen von knapp einer Million Euro zu, mehrere Aufsichtsratsmitglieder – darunter Dietmar Voggenreiter, Melanie Freytag, Oliver Neu und Katharina Krüger – investierten jeweils fünf- bis sechsstellige Summen in eigene Anteile.

Der Markt honorierte das Signal. Deutz schloss am Freitag bei 10,44 Euro, ein Plus von 4,19 Prozent binnen eines Tages und 17,44 Prozent auf Monatssicht. Seit Jahresbeginn steht damit ein Zuwachs von 22,82 Prozent zu Buche, auch wenn der Titel noch 16,41 Prozent unter seinem Rekordhoch von 12,49 Euro aus dem Februar notiert.

Der eigentliche Testfall steht aber erst noch bevor. Am 24. August entscheiden die Aktionäre über eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung der FFG-Übernahme, dem größten Zukauf der Unternehmensgeschichte. Warburg Research bleibt mit einem Kursziel von 13,20 Euro bei seiner Kaufempfehlung, andere Häuser halten sich mit Modellanpassungen zurück – das Verwässerungsrisiko lässt sich vor der Abstimmung schlicht schwer beziffern.

Volkswagen: Porsche SE erhöht den Druck

Der größte Volkswagen-Aktionär lässt keinen Zweifel an der Dringlichkeit. Porsche-SE-Chef Hans Dieter Pötsch sprach in Stuttgart von einem historischen Wendepunkt für den Konzern und drängt auf eine rasche Einigung bei Werksschließungen und Stellenabbau. Bis zu vier Werke und rund 50.000 Arbeitsplätze stehen offenbar zur Disposition, VW-Chef Oliver Blume will sein Sparpaket noch bis Jahresende unter Dach und Fach bringen.

Der Druck kommt nicht von ungefähr. Porsche SE selbst meldete einen Nettoverlust von 2,2 Milliarden Euro, nach einem Gewinn von 300 Millionen Euro im Vorjahr – verantwortlich waren Abschreibungen von 3 Milliarden Euro auf die VW-Beteiligung sowie 200 Millionen Euro auf Porsche. Im ersten Halbjahr sank der Gewinn der Holding um 14,5 Prozent auf 949 Millionen Euro.

Auch die operativen Zahlen des Konzerns selbst erklären die Nervosität. Volkswagen erzielte im ersten Halbjahr einen nahezu unveränderten Umsatz von 158,1 Milliarden Euro, während der Betriebsgewinn um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro einbrach. Die operative Marge liegt damit bei mageren 3,8 Prozent – belastet von US-Zöllen und schwächelnden China-Verkäufen.

An der Börse spiegelt sich das in einem Abschlag von rund 30 Prozent zum Dezember-Hoch von 109,10 Euro wider. Am Freitag schloss die Vorzugsaktie bei 76,42 Euro, ein Plus von 1,51 Prozent auf Tagessicht, doch seit Jahresbeginn bleibt ein Minus von 26,63 Prozent stehen. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand fast 17 Prozent – ein Zeichen, wie sehr der Titel unter dem langfristigen Trend notiert.

XPeng: Auslieferungen wachsen, Kurs bleibt schwach

Der chinesische Hersteller positioniert sich zunehmend als „Physical AI“-Unternehmen, nicht mehr als reiner Elektroauto-Bauer. Im Juli lieferte XPeng 38.027 Fahrzeuge aus, ein Plus von rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, womit die kumulierten Auslieferungen die Marke von 1,2 Millionen Einheiten überschritten. Gegenüber dem Vormonat bedeutete das jedoch einen Rückgang – Händler hatten laut Deutsche Bank mit bis zu 45.000 Fahrzeugen gerechnet, offenbar bremst die Produktionsrampe des neuen günstigeren SUV-Modells den Schwung noch aus.

Die Enttäuschung zeigt sich auch im Kursverlauf. Am Freitag schloss XPeng bei 10,48 Euro, nach einem Tagesplus von 3,15 Prozent – auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 7,09 Prozent, auf Monatssicht von 9,81 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat der Titel fast 42 Prozent verloren und notiert nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief.

Die Analystenschätzungen haben sich parallel eingetrübt: Der Gewinnkonsens für 2026 zeigt inzwischen einen erwarteten Verlust von 2,73 Yuan je Aktie statt des zuvor prognostizierten Gewinns von 1,08 Yuan, die Umsatzprognose wurde von 97,0 auf 93,9 Milliarden Yuan gesenkt. Immerhin bleibt die Wall Street mehrheitlich zuversichtlich: Von 33 Analysten vergeben 25 ein Kaufrating, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 23,05 US-Dollar. Auch operativ tut sich etwas – Mitte Juli feierte XPeng in München den globalen Marktstart des Modells MONA L03, das binnen des Jahres in 65 Ländern eingeführt werden soll.

CATL: Gewinnsprung trotz Margendruck

Der weltgrößte Batteriehersteller lieferte eines der stärksten Zahlenwerke der laufenden Berichtssaison. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Nettogewinn um 36 Prozent – auch wenn die Margen im Quartalsvergleich unter Kostendruck nachgaben, trotz höherer Auslieferungsvolumina bei Batteriezellen.

Am Freitag schloss die in Shenzhen notierte A-Aktie bei 388,07 Yuan, ein Rückgang von 4,23 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein Plus von 7,50 Prozent, seit Jahresbeginn von 5,67 Prozent und über zwölf Monate von beachtlichen 50,40 Prozent.

Auch die Bilanz überzeugt: Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Nettogewinn um 42,28 Prozent auf 72,2 Milliarden Yuan, die Bilanzsumme liegt bei knapp 978 Milliarden Yuan. Technologisch bleibt CATL an der Spitze – die neue Natrium-Ionen-Plattform „Naxtra“ bestand jüngst Nageldurchdringungs-, Quetsch- und Überladungstests ohne thermisches Durchgehen, eine kommerzielle Einführung ist noch in diesem Jahr geplant.

Nach dem starken Kurslauf reagieren einige Analysten inzwischen vorsichtiger. Goldman Sachs stufte die Aktie unter Verweis auf die Bewertung auf Neutral zurück mit einem A-Aktien-Kursziel von 323 Yuan, JPMorgan folgte aus ähnlichen Gründen. Morgan Stanley bleibt dagegen bei Overweight und einem Kursziel von 425 Yuan.

Tesla: Steilster Monatsrückgang seit Jahren

Kaum ein Large Cap im Sektor zeigt derzeit mehr Nervosität als Tesla. Am Freitag schloss die Aktie bei 284,20 Euro, ein Plus von 2,47 Prozent auf Tagessicht und 5,32 Prozent auf Wochensicht – doch auf Monatssicht bleibt ein Rückgang von 17,56 Prozent, seit Jahresbeginn sogar von 27,64 Prozent. Zum Rekordhoch von 424,10 Euro aus dem Dezember fehlen inzwischen fast 33 Prozent.

Ausgelöst wurde der jüngste Rutsch von den Zahlen zum zweiten Quartal am 21. Juli. Der Umsatz von 28,24 Milliarden US-Dollar übertraf die Schätzungen zwar deutlich, der Gewinn je Aktie von 0,33 US-Dollar verfehlte den Konsens jedoch massiv. Die operative Marge brach auf 1,4 Prozent ein, der freie Cashflow rutschte wegen der hohen Ausgaben für den KI-Ausbau und das Aktienpaket für CEO Elon Musk ins Negative.

Nicht alle operativen Signale fielen negativ aus. Die FSD-Abonnements kletterten auf 1,48 Millionen, ein Plus von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Robotaxi-Dienst läuft inzwischen in sieben US-Metropolregionen, und die Service-Sparte legte um 50 Prozent zu. An der Wall Street bleibt das Bild gespalten: 23 Analysten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf bei einem Konsens-Kursziel von 398,30 US-Dollar, während Jefferies bei Hold bleibt und das Kursziel von 400 auf 350 US-Dollar senkte. Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte zuletzt ein geplantes Gemeinschaftsunternehmen mit SpaceX für eine Halbleiterfabrik in Texas mit einem Investitionsvolumen von 16,8 Milliarden US-Dollar, während die Verkäufe in Großbritannien um 9 Prozent zurückgingen – ein Effekt der wachsenden Konkurrenz durch günstigere chinesische Elektroautos.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Titel zeigen, wie fragmentiert der Automobilsektor derzeit ist:

  • Deutz – Momentum-Wert mit ungewöhnlich breitem Insiderkauf-Signal vor einer richtungsweisenden Abstimmung
  • Volkswagen – Traditionskonzern unter Druck des eigenen Großaktionärs, Restrukturierung als Muss
  • XPeng – ambitionierte Technologie-Story, aber kurzfristig anfällig für Lieferengpässe
  • CATL – finanziell stärkster Name der Gruppe, aber zunehmend als teuer eingestuft
  • Tesla – zwischen schwachen Kernzahlen und einer wachsenden KI-Robotik-Fantasie

Auffällig: Während die chinesischen und deutschen Autobauer mit strukturellen Problemen ringen, hängt bei Tesla die Bewertung fast vollständig an Zukunftswetten wie Robotaxi und Optimus.

Autobranche zwischen Rekordgewinnen und Restrukturierungsdruck

Die kommenden Wochen liefern gleich mehrere Weichenstellungen. Am 24. August entscheidet sich bei Deutz, ob die Insiderkäufe ein berechtigtes Vertrauenssignal waren oder die Kapitalerhöhung die Aktionäre überfordert. Bei Volkswagen dürfte der Aufsichtsrat noch vor Jahresende konkrete Werksentscheidungen treffen müssen. XPeng muss im August zeigen, ob sich die Lieferengpässe beim MONA L03 auflösen. CATL steht vor der Aufgabe, seine Marge trotz schwankender Rohstoffkosten zu verteidigen. Und bei Tesla wird sich zeigen, ob operative Fortschritte bei Robotaxi und Optimus reichen, um verlorenes Anlegervertrauen zurückzugewinnen.

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Diskussion zu Deutz AG

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.