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VW Aktie: Unspektakuläre Marktprognosen

Volkswagen sichert US-Produktion durch teuren Tarifvertrag, der die Personalkosten deutlich erhöht. Ein starker Cashflow aus 2025 soll die Belastungen zunächst auffangen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • 20-prozentige Lohnerhöhung für US-Beschäftigte
  • Sicherung der ID.4- und Atlas-Produktion in Chattanooga
  • Starker Jahres-Cashflow von rund 6 Milliarden Euro
  • Aktie notiert weiter unter der 100-Euro-Marke

Historische Zäsur am US-Standort Chattanooga: Volkswagen hat den befürchteten Arbeitskampf in den USA abgewendet, muss dafür aber tief in die Tasche greifen. Der vorläufige Tarifvertrag mit der Gewerkschaft UAW sichert zwar die Produktion wichtiger Modelle, belastet jedoch die Kostenseite spürbar. Investoren wägen nun ab, ob die gewonnene Planungssicherheit den Preis der massiven Zugeständnisse wert ist.

Die Fakten im Überblick

  • Lohnerhöhung: 20 % Plus über die Vertragslaufzeit
  • Sofort-Bonus: 6.550 US-Dollar bei Ratifizierung für Beschäftigte
  • Dauerhafte Belastung: Jährliche Boni von 2.550 US-Dollar und automatischer Inflationsausgleich
  • Strategische Bedeutung: Sicherung der Produktion von ID.4 und Atlas

Hoher Preis für Produktionssicherheit

Die Einigung in Tennessee ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verhindert Volkswagen einen Streik, der die für den US-Markt essenzielle Auslieferung der Modelle ID.4 und Atlas lahmgelegt hätte. Andererseits steigen die operativen Kosten in einer Region, die eigentlich als profitabler Gegenpol zum schwierigen Europageschäft dienen sollte, deutlich an.

Neben der pauschalen Lohnerhöhung von 20 Prozent fallen vor allem die Einmalzahlungen ins Gewicht, die höher ausfallen als im Markt erwartet. Zudem führt Volkswagen erstmals einen automatischen Inflationsausgleich (COLA) sowie verbesserte Regelungen zur Arbeitsplatzsicherheit ein. Die rund 3.200 Beschäftigten müssen dem Deal noch zustimmen, doch die Hürde für eine Ablehnung liegt angesichts der Konditionen hoch.

Finanzielles Polster mildert Sorgen

Dass die Wolfsburger diese Kostensteigerungen verdauen können, deutete sich bereits im Januar an. Der Konzern überraschte den Markt mit einem Netto-Cashflow im Automobilbereich von rund 6 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2025 – weit über der eigenen Prognose von „nahe Null“.

Verantwortlich für diesen Liquiditätsschub waren ein striktes Bestandsmanagement zum Jahresende und reduzierte Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Dieses finanzielle Polster verschafft dem Management den nötigen Spielraum, um die steigenden Personalkosten in den USA abzufedern, ohne sofort in Liquiditätsengpässe zu geraten. Auch personell stellt sich der Konzern neu auf: Kai Vogler übernimmt bei der Volkswagen Financial Services AG die Verantwortung für Vertrieb und Marketing, um die Ertragskraft der Finanzsparte zu stärken.

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Charttechnik und Marktlage

Trotz der operativen Entspannung bleibt die Aktie an der Börse angeschlagen. Mit einem aktuellen Kurs von 99,88 Euro notiert das Papier weiterhin unter der psychologisch wichtigen 100-Euro-Marke und weist seit Jahresanfang ein Minus von 5,86 Prozent auf.

Der Verkaufsdruck der letzten Wochen spiegelt sich auch in den technischen Indikatoren wider: Ein RSI von 27,8 deutet auf eine überverkaufte Situation hin. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt ist mittlerweile positiv, doch kurzfristig lasten die Sorgen um die globale Kostenstruktur auf dem Kurs.

Fazit und Ausblick

Der Fokus der Anleger verschiebt sich nun auf den 10. März 2026. An diesem Datum veröffentlicht Volkswagen den vollständigen Geschäftsbericht für 2025. Entscheidend wird sein, ob der starke Cashflow eine nachhaltige operative Verbesserung darstellt oder lediglich durch einmalige Investitionskürzungen (Capex) erkauft wurde, die künftige Produktanläufe gefährden könnten. Zudem erwarten Marktteilnehmer Signale zur Dividende: Der hohe Cashflow weckt Begehrlichkeiten für eine stabile Ausschüttung trotz der steigenden US-Kosten.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.