Der Lithium-Pionier Vulcan Energy hat im Mai den Financial Close für das milliardenschwere Lionheart-Projekt erreicht – und damit die letzte Hürde vor dem Baustart genommen. Doch der Aktienkurs zeigt sich unbeeindruckt. Bei 2,10 Euro schloss die Aktie am Freitag, ein Minus von zwölf Prozent in der vergangenen Woche. Rund 47 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch notiert der Wert damit.
Dabei liefen die Unternehmensnachrichten zuletzt positiv. Die Hauptversammlung Ende Mai brachte dem Management ein klares Votum: Alle Beschlüsse wurden mit deutlicher Mehrheit angenommen. Die Wiederwahl von CEO Francis Wedin erhielt 94 Prozent Zustimmung, Neuzugang Roberto Gallardo sogar 99 Prozent. HOCHTIEF hatte sich zuvor mit einem Milliardeninvestment von 130 Millionen Euro als Großaktionär eingebracht und hält nun 15,4 Prozent.
Baufortschritt und Fließtest im Fokus
Mit gesicherter Finanzierung und stabilem Aktionariat rücken nun die Bauarbeiten in den Mittelpunkt. Die Produktionsbohrung LSC-1 ist bereits gebohrt, fertiggestellt und getestet – mit Fließraten zwischen 105 und 125 Litern pro Sekunde. Die zweite Bohrung LSC-2 erreichte inzwischen 3.000 Meter Tiefe. Fertigstellung und Fließtest sind für das laufende Quartal geplant.
Das ist der mit Abstand wichtigste Datenpunkt für die Aktie. Der LSC-2-Fließtest wird zeigen, ob die geothermische Lagerstätte die erwartete Produktivität liefert. Parallel dazu installiert Vulcan im Frankfurter Industriepark Höchst eine kommerzielle Elektrolyseanlage, die mit der firmeneigenen VULSORB-Technologie Lithium aus der Thermalsole extrahiert.
Zum Quartalsende verfügte Vulcan über 364 Millionen Euro Liquidität – genug, um die erste kommerzielle Produktion 2028 zu erreichen. 72 Prozent der geplanten Ausbringung sind bereits durch Abnahmeverträge mit Fest- oder Mindestpreisen gedeckt, darunter ein Zehnjahresvertrag über 128.000 Tonnen mit Stellantis.
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Lithiummarkt in neuer Stärke
Das Marktumfeld gibt Rückenwind. Die chinesischen Lithiumcarbonat-Preise erreichten Mitte Mai mit rund 200.500 Yuan pro Tonne ein Zweijahreshoch. Der Analyseanbieter BMI hob seine durchschnittliche Preisprognose für 2026 auf 17.000 Dollar pro Tonne an. Die Nachfrage wird durch den Ausbau von Batteriespeichern für Rechenzentren (+80 Prozent in fünf Jahren) und den EU Critical Raw Materials Act zusätzlich gestützt.
Die EZB-Sitzung am 10. und 11. Juni ist der nächste makroökonomische Test. Eine Zinssenkung würde Investitionen in langfristige Infrastrukturprojekte wie Lionheart verbilligen – eine Zinserhöhung das Gegenteil bewirken.
Die Kluft zwischen Projektfortschritt und Kurs bleibt das zentrale Spannungsfeld. Der Aktienkurs liegt nahe seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,16 Euro, der RSI von 42 signalisiert leichte bärische Tendenz. Entscheidend wird der LSC-2-Fließtest im laufenden Quartal: Er bestätigt die bullische Erzählung – oder erschwert sie deutlich.
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