Vulcan Energy meldet einen wichtigen Baufortschritt. Gleichzeitig fällt die Aktie auf ein neues Jahrestief. Diese Diskrepanz zwischen operativem Erfolg und Kursverlauf prägt die aktuelle Lage bei dem Lithium- und Geothermie-Unternehmen.
Am Standort Landau in Deutschland hat Vulcan Energy die Bauphase für sein 30-Megawatt-Geothermiekraftwerk gestartet. Die Erdarbeiten sind abgeschlossen. Nun laufen Fundamentarbeiten und der Bau der Straßeninfrastruktur für das Kraftwerksgelände.
Das Kraftwerk ist Kernstück von „Project Lionheart“ – einem kombinierten Projekt aus Lithiumgewinnung und erneuerbarer Energie im Oberrheingraben. Es soll künftig sowohl Grundlaststrom und Wärme liefern als auch als zentrale Anlage für die Lithiumförderung dienen.
Finanzierung steht, Baustelle läuft
Im zweiten Quartal hat Vulcan Energy den „Financial Close“ für sein milliardenschweres Finanzierungspaket aus Eigen- und Fremdkapital erreicht. Der Konzern beschreibt diesen Schritt als deutliche Risikoreduktion für das Projekt. Nach Quartalsende erfüllte das Unternehmen zudem die ersten Bedingungen für den Kapitalabruf und erhielt erste Mittel von seinen strategischen Partnern.
Zum 30. Juni verfügte Vulcan Energy über liquide Mittel von 273,9 Millionen Euro. Im zweiten Quartal flossen 92 Millionen Euro in den Bau von Lionheart und in Bohraktivitäten. Die Kombination aus gesicherter Finanzierung und laufendem Kapitalabruf verschafft dem Unternehmen Planungssicherheit für die kommenden Bauphasen.
Bohrungen liefern erwartete Werte
Auch beim Ausbau der Lithiumförderung kommt Vulcan Energy voran. Die sechste Produktions- und Reinjektionsbohrung im Rahmen des Lionheart-Feldentwicklungsplans ist fertig. Erste Daten zu Temperatur, Lithiumgehalt und Förderpotenzial entsprechen den Erwartungen des Unternehmens. Die siebte Bohrung läuft bereits.
Beim Lieferkettenmanagement hat der Konzern einen wichtigen Vertrag abgeschlossen. Siemens erhält den Zuschlag für Technik, Automatisierung und Gebäudetechnik der Lionheart-Infrastruktur. Das ist der letzte große Lieferauftrag für das Projekt. Zusätzlich positioniert sich Siemens als bevorzugter Lieferant für künftige Ausbauphasen bis 2035.
Aktie unter Druck
Die operativen Fortschritte kommen an der Börse bislang nicht an. Vulcan-Energy-Aktien notieren aktuell bei 1,59 Euro und damit rund 60 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,98 Euro aus dem Oktober 2025. Erst am Donnerstag markierte das Papier mit 1,50 Euro ein neues Jahrestief.
Der Titel liegt auch deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 2,52 Euro. Der 14-Tage-RSI von 32 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Konkrete Auslöser für den anhaltenden Abwärtstrend abseits der allgemeinen Marktstimmung sind nicht erkennbar – die operativen Meilensteine der letzten Monate spiegeln sich im Kurs bisher nicht wider.
Vulcan Energy hält am Ziel fest, ab 2028 kommerziell Lithiumhydroxid-Monohydrat zu produzieren. Die geplante Jahreskapazität liegt bei 24.000 Tonnen. Ob die jüngsten Fortschritte bei Bau, Finanzierung und Bohrungen das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen, hängt von der weiteren Umsetzung des Projekts ab.
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