Startseite » DAX » Vonovia Aktie: Vergütung gegen Vertrauen

Vonovia Aktie: Vergütung gegen Vertrauen

Trotz solider operativer Zahlen stößt ein Abfindungspaket von über 15 Millionen Euro für den ehemaligen CEO auf Kritik von Aktionären. Der neue Vorstand muss nun Vertrauen zurückgewinnen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Abfindungspaket für Ex-Chef über 15 Millionen Euro
  • Aktionärsvertreter kritisieren Zahlungen als zu großzügig
  • Neuer CEO plant milliardenschweres Verkaufsprogramm
  • Aktie notiert auf neuem 52-Wochen-Tief

Operativ läuft es bei Vonovia so gut wie seit Jahren nicht. Ausgerechnet jetzt sorgt das Abfindungspaket für Ex-Chef Rolf Buch für Gegenwind — und das kurz vor der Hauptversammlung.

15 Millionen Euro für den Abgang

Das Paket für den scheidenden Langzeit-CEO summiert sich auf mehr als 15 Millionen Euro. Rund 5,8 Millionen entfallen auf die klassische Abfindung, 3,3 Millionen auf eine Karenzentschädigung für das Wettbewerbsverbot, dazu kommen virtuelle Aktien im Wert von etwa 4,6 Millionen Euro. Buch hatte seinen Vertrag noch bis 2028 laufen.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnet Teile des Pakets als „sehr generös“ und sieht darin einen Verstoß gegen den Corporate Governance Kodex. Besonders die Zahlungen für das Wettbewerbsverbot seien fragwürdig, so DSW-Hauptgeschäftsführer Mac Tüngler. Institutionelle und private Anleger formieren bereits Widerstand für die Abstimmungen auf der Hauptversammlung am 21. Mai 2026.

Mucics Plan braucht Rückenwind

Für den neuen CEO Luka Mucic kommt die Governance-Debatte zur Unzeit. Er hat ein Verkaufsprogramm von fünf Milliarden Euro angekündigt, um die Schuldenquote bis 2028 auf 40 Prozent zu drücken. Rund zwei Milliarden sollen aus der Veräußerung von Gewerbe- und Pflegeobjekten kommen, 500 Millionen aus nichtstrategischen Beteiligungen — ergänzt durch den Einzelverkauf von Wohnungen.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Vonovia?

Das operative Fundament dafür ist solide: Für 2025 weist Vonovia einen Gewinn je Aktie von 0,67 Euro aus, nach einem Verlust von 0,42 Euro im Vorjahr. Die Vermietungsquote liegt bei 97,9 Prozent, das bereinigte EBITDA bei 2,8 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet das Management 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro.

Das Problem ist externer Natur: Gestiegene Ölpreise infolge des Iran-Konflikts haben die Inflationserwartungen neu entfacht und Hoffnungen auf Leitzinssenkungen gedämpft. Für einen Konzern mit einem Loan-to-Value von 45,4 Prozent wiegt das schwer. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen rund 26 Prozent verloren und notiert auf einem neuen 52-Wochen-Tief.

Dass in diesem Umfeld hohe Abgangszahlungen fließen, stößt bei Anlegern auf wenig Verständnis. Mucic steht nun unter Druck, die Vergütungsstrukturen für künftige Vorstände spürbar zu straffen — und gleichzeitig zu zeigen, dass die Strategie „Bilanzdisziplin vor Wachstum“ mehr ist als ein Versprechen. Die Hauptversammlung im Mai und die anschließenden Quartalszahlen werden erste Antworten liefern. Neben dem Entschuldungsplan steht dort auch eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie zur Abstimmung.

Anzeige

Vonovia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Vonovia-Analyse vom 30. März liefert die Antwort:

Die neusten Vonovia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Vonovia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Vonovia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Vonovia

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.