Starkes operatives Geschäft, schwacher Aktienkurs. Bei Vonovia klaffen Realität und Börsenbewertung massiv auseinander. Das Papier markierte erst am 9. Juni bei 19,53 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Für mich ist die Aktie aktuell ein klassisches „High-Risk-High-Reward“-Szenario.
Die Zinsfalle schnappt zu
Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins bei 2,25 Prozent. Das belastet die Stimmung im gesamten Immobiliensektor schwer. Für Vonovia ist das ein massives Problem. Der Konzern verwaltet eine enorme Substanz. Parallel dazu muss das Management in diesem Jahr Milliardenbeträge refinanzieren.
Höhere Finanzierungskosten treffen das Unternehmen an seiner empfindlichsten Stelle. Der Vorstand will den Verschuldungsgrad bis 2028 auf rund 40 Prozent senken. Ich bleibe hier skeptisch. Der drastische Kursverlust seit Jahresbeginn spricht Bände. Kein Wunder.
Operativ stark, technisch angeschlagen
Auf der anderen Seite steht das robuste Vermietungsgeschäft. Der chronische Wohnungsmangel in Deutschland beschert Vonovia organische Mietzuwächse. Dennoch wird die Aktie mit einem hohen Abschlag zum Substanzwert gehandelt.
Ein Blick auf die Technik bestätigt meine Vorsicht. Der aktuelle Kurs von 20,56 Euro liegt gut 16 Prozent unter der wichtigen 200-Tage-Linie. Gegenüber dem Vorjahr verzeichnet das Papier ein Minus von über 30 Prozent.
Immerhin deutet die leichte Erholung der letzten sieben Tage auf eine mögliche Bodenbildung hin. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 43,1. Die Aktie ist nach den Verkäufen der Vorwochen damit nicht mehr extrem überverkauft.
Mein Fazit: Warten auf Ende Juni
Ende des zweiten Quartals steht die Neubewertung des Portfolios an. Das wird der entscheidende Stresstest. Höhere Diskontierungssätze dürften den Wert der Immobilien in der Bilanz weiter nach unten drücken. Das Unternehmen muss seine Schuldenlast zwingend senken. Dabei darf es die eigene Wachstumsbasis nicht zerstören. Ein gefährlicher Spagat.
Für mich überwiegen aktuell die Risiken. Solange der Kurs unter der 200-Tage-Linie verharrt, bleibt ein Einstieg hochspekulativ. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über die Marke von 22 Euro generiert ein neues technisches Kaufsignal. Bis dahin drängt sich ein Kauf nicht auf.
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