Der Abschied des Finanzchefs überlagert die Neunmonatszahlen: Philip Grosse verlässt Vonovia Ende 2027. Ein Nachfolger soll nach Unternehmensangaben „in Kürze“ präsentiert werden. Die Aktie notierte zeitweise knapp 2 Prozent im Plus bei 16,62 Euro.
Zinsen drücken auf den Gewinn
Operativ läuft das Kerngeschäft. Das bereinigte EBITDA stieg um 3,3 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro, getragen von höheren Mieteinnahmen und einem deutlich besseren Geschäft mit Zusatzdienstleistungen. Beim bereinigten Vorsteuergewinn sieht das Bild anders aus: Er sank um 3,5 Prozent, das bereinigte Ergebnis für die Aktionäre ging um 6,6 Prozent auf 1,32 Euro je Aktie zurück.
Grosse verweist auf die Finanzierung. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Zinsen um 150 Basispunkte gestiegen. Das verteuert Kredite und bremst Käufer von Eigentumswohnungen. Das angestrebte Verkaufsvolumen im Vertriebsgeschäft erreicht der Konzern deshalb nicht, auch der Neubau leidet unter schwacher Nachfrage. Die bereits gekappte Jahresprognose 2026 bestätigte Vonovia.
Schuldenabbau bleibt Priorität
Der Verschuldungsgrad (LTV) lag Ende September bei 46,1 Prozent. Bis Ende 2028 soll er auf rund 40 Prozent sinken. Dafür will Vonovia Vermögenswerte von etwa 5 Milliarden Euro verkaufen.
In den ersten neun Monaten kamen rund 900 Millionen Euro zusammen, davon etwa 410 Millionen aus Non-Core-Immobilien und 240 Millionen aus Minderheitsbeteiligungen. Vorstandschef Luka Mucic sieht das im Plan.
Aktuell liefen Verkaufsprozesse im Umfang eines mittleren einstelligen Milliardenbetrags in Deutschland, zudem prüfe der Konzern Chancen in Schweden. Das Neubaugeschäft will Vonovia überprüfen, weil Baurecht und Regulierung bezahlbares Bauen vielerorts verhindern.
Berlin als politisches Risiko
Hinzu kommt die Politik. Die möglichen Koalitionäre aus Linken, Grünen und SPD haben in einem Sondierungspapier vereinbart, rund 160.000 Wohnungen von fünf Konzernen zu vergesellschaften. Vonovia besitzt in Berlin gemeinsam mit der Tochter Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen, bewertet mit gut 20 Milliarden Euro.
Mucic hält den Ansatz für untauglich: Eine Vergesellschaftung schaffe keine einzige zusätzliche Wohnung. Seine Gesprächsbereitschaft bekräftigte er, aber nicht als „politische Inszenierung“. Die schwarz-rote Bundesregierung will die Pläne per Gesetz stoppen.
Der Zeitplan für die Nachfolge ist damit der nächste greifbare Termin. Die Personalie soll nach Angaben des Konzerns in Kürze folgen, Grosse bleibt bis Ende 2027 im Amt und begleitet den Übergang.
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