Ein ungewöhnlicher Vorschlag sorgt in der Diskussion um den Wohnungsmarkt für Aufsehen: Statt großer Wohnungsbestände über langwierige Verfahren zu vergesellschaften, solle der Bund den Wohnungskonzern Vonovia direkt übernehmen.
Diesen Vorstoß brachte der Ökonom Matthias Günther vom Pestel-Institut gestern im Tagesspiegel ins Gespräch. Bei dem Gedankenmodell handelt es sich um einen Expertenvorschlag aus der Wissenschaft und ausdrücklich nicht um eine angekündigte Transaktion oder eine bestätigte Position des Bochumer DAX-Konzerns.
Hintergrund der politischen Diskussion
Der Vorstoß fällt in eine Phase anhaltender politischer Debatten rund um den Wohnungssektor. Im Rahmen der Berliner Koalitionsverhandlungen steht die Forderung nach einer Vergesellschaftung großer Bestände im Raum. Vor diesem Hintergrund argumentierte Günther, ein direkter Einstieg oder Kauf über den Bund wäre ein rechtssicherer und schnellerer Weg als Enteignungsverfahren.
An den Kapitalmärkten bleibt das Umfeld für den Konzern derweil anspruchsvoll. Die Vonovia-Aktie beendete den Handel gestern bei 16,40 Euro, womit sich der Rückgang seit Jahresanfang auf 33 Prozent beläuft. Der Börsenwert des Wohnungsriesen liegt auf diesem Niveau bei 13,85 Milliarden Euro. Neben der politischen Gemengelage lasteten zuletzt auch gesenkte Kursziele von Analystenhäusern wie Goldman Sachs und ODDO BHF auf der Stimmung.
Dienstleistungsgeschäft und Termine
Ungeachtet der politischen Debatten treibt das Unternehmen seine strategische Aufstellung voran. Anfang des Monats führte der Konzern die neue Marke Veveus ein, die Dienstleistungen in den Bereichen Investment-, Asset-, Property- und Facility-Management für institutionelle Eigentümer bündelt.
Nach Angaben des Unternehmens werden darüber bereits rund 75.000 Wohnungen für Dritte verwaltet. Zudem verzeichnete Vonovia zum 30. September nach der Ausgabe von Bezugsaktien eine Gesamtzahl von 848.458.878 Stimmrechten.
Verlässliche Einblicke in die operative Entwicklung erwarten Investoren in wenigen Wochen. Für den 4. November 2026 hat Vonovia die Vorlage des Zwischenberichts für das dritte Quartal angekündigt. Die dort ausgewiesenen Zahlen dürften Aufschluss darüber geben, wie sich das Zinsumfeld und die Neubewertung des Portfolios auf die Bilanz auswirken.
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